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Torsten Waschinski Torsten Waschinski
aktualisiert am 10.10.2019 um 12:18:16

Mormann: Ein lauter Abschied von politischen Ehrenämtern in Köthen und Anhalt-Bitterfeld

SPD-Politiker Ronald Mormann. SPD-Politiker Ronald Mormann.
Foto: Torsten Waschinski
Eingeladen waren Wegbegleiter - Rückblick auf ein Lebenswerk.

Köthen (TW).
Ohne Frage, Ronald Mormann ist ein Zeitgenosse, der polarisiert. Ein Mann, an dem sich Freund und Feind wie kaum an einem anderen regionalen Macher reiben. Seine Größe erreichte er zweifelsohne als Präsident der Köthener Karnevalsgesellschaft Kukakö. Obschon die Führungsriege des Vereins oft wechselte und Mormann sein Amt in der ersten Reihe bereits vor Jahren abgab, wird ihm nachgesagt, noch immer als Graue Eminenz die Strippen zu ziehen. Ganz ohne Verdeck marschierte er bis zuletzt durch die Kommunalpolitik in Stadt und Landkreis. Mit offenem Visier setzte sich der 52-Jährige bis vor wenigen Tagen noch als Kreistagsmitglied für die Belange ein, die nach seiner sozialdemokratischen Auffassung gut für die Bürger seien. Doch seine SPD stellte ihn nicht mehr für eine neuerliche Kommunalwahl auf.

Für Ronald Mormann, der auch Mitglied des Landtages ist und sich dort ebenfalls für seine Heimatregion engagiert, war klar, dass er seine Karriere als gewählter Kommunalvertreter ad acta legt.

Doch Mormann ist bekannt dafür, sein Licht nicht unter den Scheffel zu stellen. So lud er für eine Abschlussfeier viele Weggefährten ein, um Tschüss zu sagen.

Seine Mitarbeiter haben aus seinem Archiv rund 1.000 Zeitungsartikel eingescannt. Er hat sie für seinen Abschied alle noch einmal überflogen und eine Auswahl davon an die Wände eines extra aufgestellten Festzeltes gepinnt.
„Als ich mich durch diese, unsere, in Teilen gemeinsame Zeitgeschichte gearbeitet habe, lebten sie alle wieder auf: Die kleinen Auseinandersetzungen, wie die großen Schlachten, die Abstimmungsniederlagen und die doch deutlich größere Zahl der Erfolge“, sagt Mormann in seiner Abschiedsrede vor den zwischen gut 60 und 100 Anwesenden.

„Fast jeder, der heute hier ist, findet sich oder eines seiner Themen an diesen Wänden wieder. Sie sind gelebte Kommunalpolitik. 10 Jahre Stadtrat, 20 Jahre Kreistag, 15 Jahre Ausschussvorsitz, diverse Ausschüsse und Aufsichtsräte. Auch wenn ich im Kreistag das Vierteljahrhundert noch gern vollgemacht hätte, alles in allem betrachtet, sind meine rund 1.350 Abende im kommunalpolitischen Ehrenamt für ein Leben wohl durchaus genug.“

Der Protagonist spart nicht mit Kritik an den heute politischen Akteuren und erinnert sich: „Als ich damals in die Kommunalpolitik ging, gab es im Stadtrat noch Männer wie Herbert Kühnel, Günter Hoppe und Herbert Heller. Die waren Stadträte, ja, die waren aber noch viel mehr: Die waren Stadtväter. Sie standen für etwas ein. Das gibt es heute kaum noch ...“

Einen Zeitstrahl beginnt Ronald Mormann sodann zu ziehen, der einen Querschnitt seiner Arbeit und seiner „Schlachten“ wiedergibt. So sprach er von der sogenannten Moorsoldatenkampagne gegen ihn, die ihn mit der im Karneval verwendeten Melodie des Moorsoldatenliedes fast ins Aus stürzte und 2006 sogar die Landtagskandidatur kostete. Mormann spricht von gezielten Fehlinterpretationen und Unwahrheiten, beteuert aber ehrliche Reue was das Verwenden des Moorsoldatenliedes angeht. „Meine Frau hat diese wochenlange Diffamierung noch sensibler gemacht. Für mich und mein weiteres Leben in der Öffentlichkeit war es eine extrem harte Schule, ein Stahlbad. Dessen Erfahrung mich medial in einem solchen Maße abgehärtet hat, dass sich mancher, der mit mir in Vorständen, Aufsichtsräten oder geschäftlich zusammenarbeitet, immer mal darüber wundert, wie gelassen ich mit medialem Druck umgehe.“

Mormanns Rückblick beleuchtet auch positive Seiten, wie die Städtepartnerschaft, den Bau des Radwegs Köthen - Edderitz und die Köthener Badewelt. „Die Wasserspiele auf dem Köthener Rathausvorplatz waren mein Vorschlag, auch die herausnehmbaren Bänke und Granitkugeln, um die Flexibilität für Veranstaltungen zu bewahren“, führt er an. Einer emotionalen Herausforderung stand er im Ausschuss für Schule, Sport und Kultur gegenüber, als es um die Schulentwicklungsplanung mit katastrophalem Schülerschwund ging. Von 11 Sekundarschulen sollten sieben geschlossen werden. Der damalige Landrat Ulf Schindler riet Mormann, in jede Schule zu fahren, um es sich so richtig schwerzumachen. „Und wir machten es uns schwer, jedenfalls die meisten Ausschussmitglieder. Ich entwickelte die sogenannte 7er Variante und wir schlossen nicht 7 von 11 sondern erst einmal 4 von 11. Sieben blieben offen.“

Große Verdienste habe sich damals auch Monika Reinbothe (CDU) erworben, die später bis zu ihrem viel zu frühen Unfalltod vor zwei Jahren Ronald Mormanns Stellvertreterin im Ausschussvorsitz war. „Nicht so üblich, dass ein Ausschussvorsitzender eine Stellvertreterin festlegt, die nicht aus derselben Partei kommt. Bei uns hat das 13 Jahre bestens funktioniert, wir waren ein tolles Team und brachten es mit unseren jeweiligen Fraktionskollegen im Ausschuss gemeinsam auf 5 der 9 Stimmen.“

Ronald Mormann führt weitere Meilensteine seiner Aktivitäten an, unter anderem den Kulturvertrag zwischen Stadt und Landkreis, den Einsatz für das Ludwigsgymnasium in Köthen, das Verhindern einer zweiten Biogasanlage in Köthen, die erste gemeinsame Abfallsatzung von Anhalt-Bitterfeld, die staatliche Finanzierung der Freien Schule Anhalt, den Einsatz für eine nagelneue Kreismusikschule über dem Marstall im Schloss Köthen und die neue Gesellschafterstruktur der Köthen Kultur und Marketing GmbH (KKM) mit einem Vertrag, in dem sich der Landkreis verpflichtet, in den folgenden zehn Jahren 11 Millionen Euro in die Kultur fließen zu lassen.

Mormann bietet auch künftig seine Unterstützung an: „Das, was ich außerhalb der Kommunalpolitik dazu beitragen kann, will ich gerne in meinem Unternehmen, im Landtag, in Partei und Verein tun.“ Als gewählter Volksvertreter im Ehrenamt hat er jedoch seine kommunalpolitische Laufbahn offiziell beendet. „Es war mir eine Ehre“, sind seine abschließenden Worte. Der Landespolitik bleibt er weiter treu.

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