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Wochenspiegel > Köthen > Menschenskinder: Matthias Müller: Kantor, Konzertorganist und Harmonist >
Thomas Schmidt Thomas Schmidt
aktualisiert am 25.10.2019 um 10:08:44

Menschenskinder: Matthias Müller: Kantor, Konzertorganist und Harmonist

Als Kantor, Konzertorganist und Harmonist ist Kantor Matthias Müller schon in vielen Ländern Europas wie auch hier in der Zörbiger Stadtkirche St. Mauritius tätig gewesen und hat bei diversen internationalen Festivals wie dem Rühlmannorgel-Festival gastiert. Als Kantor, Konzertorganist und Harmonist ist Kantor Matthias Müller schon in vielen Ländern Europas wie auch hier in der Zörbiger Stadtkirche St. Mauritius tätig gewesen und hat bei diversen internationalen Festivals wie dem Rühlmannorgel-Festival gastiert.
Foto: Thomas Schmidt Galerie (1 Bild)
Wochenspiegel-Themenjahr „Menschenskinder“ stellt gewöhnliche und besondere Menschen vor - Matthias Müllers Instrument ist die Orgel, vor allem die Rühlmannorgel… diese lässt er regelmäßig klangvoll erklingen.

Region (ts).
Matthias Müller ist Kantor, Konzertorganist und Harmonist, vielseitig und vor allem musikalisch begabt. Schon früh entdeckte er die Liebe zum Klavier. Seinen ersten Klavierunterricht bekam er bei Edda Töllner in Sandkrug bei Oldenburg. Eine nach Müllers Erinnerungen sehr strenge, jedoch gute Lehrerin. Da seine Eltern aus den ersten Monaten eine Testphase machten, übte er auf einer Tastatur aus Pappe, die er sich selber gemalt hat. Dann kam eine Melodika dazu, die der junge Müller an einen Schlauch angeschlossen hat, damit er diese auch auf den Tisch legen konnte.

Schon damals verfolgte ihn das Leid des Übens. Leider half es auch nichts, ab und an einmal das Hausaufgabenheft verschwinden zu lassen – Edda Töllner hatte das bessere Gedächtnis. Da der heutige Kantor wohl trotzdem nicht so schlecht gewesen ist, konnte er als Kind schon einigen erwachsenen Anfängern Klavierunterricht geben. Was genauso gut sein Taschengeld aufbesserte wie die Situation, die ihn Hals über Kopf in die Organistenlaufbahn geschlagen hat. Ab diesem Zeitpunkt spielte ich regelmäßig, zuerst die Kindergottesdienste, zu Taufen etc. Mit dem Umzug nach Neuenburg in Friesland orgelte der heranwachsende Müller 18 Monate an der Friedenskirche in Varel und als Vertretung an der dortigen Schlosskirche mit ihrer großen Schuke-Orgel.

Seine anschließenden Studien führten ihn nach Schwaben, München und Augsburg. An der Berufsfachschule für Musik in Krumbach/Schwaben war Müller Schüler des Kemptener Kantors Emil Wendler. Dort in Krumbach unterstützte er den damaligen Organisten. Danach war Müller viele Jahre Organist an der Michaelskirche in München, wo er die prachtvolle neue Orgel des perfekten Orgelbauers Schingnitz einweihen und bespielen durfte. Dort lernte er auch eine Menge bekannter Organisten kennen, mit einigen verbindet ihn heute noch eine lange Freundschaft. Über zahlreiche Stationen und vielen Ländern sowie unzähligen Orgeln fand Matthias Müller den Weg nach Sachsen-Anhalt, genau nach Rottmersleben.

Eines seiner Lieblingsinstrumente ist die Rühlmannorgel. Die Orgelbaudynastie Rühlmann baute in vier Generationen über 450 Orgeln (1842 - 1940) in Zörbig - ein Teil davon entstand in Zusammenarbeit mit Albert Schweitzer. „Besonders die Orgel in der Agnuskirche zu Köthen ist klanglich und bautechnisch ein Juwel“ strahlt der Kantor Matthias Müller. Die Zörbiger Rühlmannorgel spielt Müller regelmäßig, vor allem zum gleichnamigen Festival, welches er gemeinsam mit dem letzten Orgelbauer der Familie Rühlmann, Albrecht Rühlmann, gründete.

Müller ist mittlerweile Inhaber des Nachlasses der Firma Rühlmann und Leiter des Festivals. Im vierzehnten Jahr seit seiner Gründung findet das Rühlmannorgel-Festival in diesem Jahr mit einer Rekordzahl von 37 Konzerten statt. Das größte Orgelfestival in Mitteldeutschland soll ein wichtiges Kulturerbe in Erinnerung halten, welches die Stadt Zörbig weltbekannt gemacht hat.
Das heutige Orgelwerk in der St. Mauritius Kirche zu Zörbig wurde im Jahr 1928 durch die ortsansässigen Orgelbauer der Hoforgelbauanstalt Wilhelm Rühlmann geschaffen. Dabei wurde der Prospekt der Vorgängerorgel aus 1819 farblich angepasst und erweitert. Die 40 Register umfassende Orgel spätromantischer Disposition ist die größte Orgel im Evangelischen Kirchengemeindeverband Zörbig und sollte als Repräsentativbau der Firma Rühlmann fungieren, deren Werdegang Franz und Brigitta Weber in ihrer Stadtgeschichte zusammenfassten.

„Ich habe schon über 500 Orgeln weltweit gespielt, gute und weniger gute. Die Zörbiger Orgel ist ein klangvolles und sehr gutes Instrument“, so Müller. Am Sonntag der vergangenen Woche sind 60 Zuhörer in die Zörbiger Stadtkirche St. Mauritius gekommen, um das breit gefächerte Repertoire seiner weltweit gesammelten Werke zu hören und zu genießen. „Eine Totenstille hier“, scherzt Müller und animiert die Zuhörer zu einem Applaus. „Ich versuche schöne Melodien, ein bisschen Humor, mal etwas Meditatives zu spielen, mir ist die Nähe zum Publikum vor und nach den Konzerten sehr wichtig“, sagt Müller.
Friedrich Rühlmann aus Thüringen begründete 1842 in Zörbig eine Orgelbauanstalt, die sich unter seinem Sohn und Nachfolger Wilhelm bald zu einem gefragten Unternehmen entwickelt hat. Bis 1935 wurden annähernd fünfhundert Orgeln gebaut, drei davon sogar nach Transval geliefert. Für seine Orgeln erhielt Wilhelm Rühlmann hohe preußische und anhaltische Auszeichnungen und wurde mit dem Titel Hoforgelbaumeister geehrt.

In der Radegaster Straße in Zörbig entstanden 1883 nebeneinanderliegend die beachtenswerte Fabrik und das Wohnhaus, beides denkmalwürdige Gebäude. Die letzte Orgel wurde 1945 von der Familie Rühlmann geschaffen. Im Zuge der Orgelbewegung wurde die Disposition einigen Änderungen unterzogen. Ein Flötenregister als Abstufung zur Hohlflöte 8' im Hauptwerk wurde durch eine Octave 2' ersetzt Eine Octave 1„ fand ihren Platz anstelle eines Salicional 8' im Oberwerk. Auch das Cello 8“ im Pedal wurde zeitweise durch einen Choralbass 2' ausgetauscht.

Da der Zerfall des Orgelwerks während der zweiten Hälften des 20. Jahrhunderts immer offensichtlicher wurde, konnten Anfang des neuen Jahrtausends nur noch das Oberwerk und einige wenige Register der anderen Werke bespielt werden. Glücklicherweise konnte die Orgel durch zahllose Spenderinnen, Spender und Pfeifenpaten, über vier Jahre hinweg durch die Orgelbaufirma Rainer Wolter (Rügen) restauriert, überholt und teilweise rekonstruiert werden. Seitdem erfreut die Orgel wieder Gemeindemitglieder, Konzertbesucher und Organisten gleichermaßen mit ihrem unverkennbaren Klang.

Die weiteren Termine des Rühlmannfestivals in der Region sind am 24.10. (19:00 Uhr) in Riesdorf, am 26.10. (17:00 Uhr) in Kütten und 19:00 Uhr in Ostrau sowie am 31.10. (17:00 Uhr) in Spören.

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