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Anke Katte Anke Katte
aktualisiert am 19.11.2019 um 08:05:03

Eine alte Wunde ist endlich geheilt: Askanier sind zurückgekehrt

Die  Töchter und  Enkel von Eduard Prinz von Anhalt. Prinzessin Julia Katharina von Anhalt spricht im Namen der Familie Worte zum Geleit. Die Töchter und Enkel von Eduard Prinz von Anhalt. Prinzessin Julia Katharina von Anhalt spricht im Namen der Familie Worte zum Geleit.
Foto: Frank Schmidtke Galerie (2 Bilder) Galerie (2 Bilder)
Von Frank Schmidtke

Nach langer Reise fanden zehn Mitglieder des Herzoghauses ihre letzte Ruhestätte in der Gruft der ehemaligen Dessauer Schloss- und Stadtkirche St. Marien.

Mit Ansprachen und einem Gottesdienst, geleitet von Pastorin Geertje Perlberg, wurde die Wiederbeisetzung von zehn Särgen vom städtischen Friedhof in Dessau-Ziebigk in die Kirche in Anwesenheit der Familie vollzogen. 

Unter den Gästen der Feierstunde befanden sich neben den Mitgliedern der Familie, mit Eduard Prinz von Anhalt an der Spitze und den Vertretern von Stadt und Land, Oberbürgermeister Peter Kuras und Ministerpräsident Reiner Haseloff  auch zahlreiche  Hoheiten, Vertreter des Askanischen Hausordens sowie weitere Persönlichkeiten aus Politik, Kirche und gemeinnützigen Institutionen.

Oberbürgermeister Peter Kuras  unterstrich in seiner Rede die Bedeutung dieses Gedenkaktes „Wir können ein trauriges Kapitel der Nachkriegsgeschichte schließen“, sagte er und verwies darauf, dass mit der Umbettung dem Haus Anhalt wieder Würde, Anstand und Respekt entgegenbracht wurde. Das ist für die Stadt und das Land sehr wichtig, betonte Kuras, denn
die Entwicklung der Region sei eng mit der Geschichte des Herzoghauses Anhalt-Dessau verbunden.

Ministerpräsident Reiner Haseloff sagte in seinem Geleitwort: „Es ist gut für unser
Gemeinwesen, wenn wir durch Krieg und Nachkriegszeit verursachte Zerstörung und Unordnung Schritt für Schritt beheben, insbesondere die Toten direkt ehren und Würde zurückgeben“. 
Er verwies auf die acht Jahrhunderte der Geschichte Mitteldeutschlands, die durch das Haus Askanien geprägt wurden und betonte, dass  das Bundesland nicht umsonst Anhalt im Landesname trage.

Stellvertretend für die Familie  bedankten sich die drei Töchter von Eduard Prinz von Anhalt bei allen, die die Wiederbeisetzung ermöglicht haben. Julia Katharina von Anhalt würdigte in ihrer Ansprache die Tatsache, dass es immer Menschen gegeben habe, die der Familie wohlgesonnen waren und alles dafür getan haben, damit die „lange Reise“ der sterblichen Überreste der Familie Anhalt endlich ein friedliches Ende findet. 

Ein Blick zurück 
Bis zur Novemberrevolution 1918 hat das Herzoghaus Jahrhunderte lang die Geschicke Anhalts aktiv geprägt und darüber hinaus ein reiches kulturelles Erbe hinterlassen. So erfreuen wir uns noch heute u. a. an der 1918 von Prinzregent Aribert von Anhalt ins Leben gerufenen Joachim-Ernst-Stiftung, der wir das von der UNESCO geschützte Gartenreich Dessau-Wörlitz verdanken.

Ihre letzte Ruhestätte fanden die Askanier einst in der Gruft der Dessauer Marienkirche. Nach dem Bau des Mausoleums Ende des 19. Jahrhunderts wurde dieses als Begräbnisstätte genutzt. Bei den Bombenangriffen im März 1945 wurde die Marienkirche zerstört. Das herzogliche Mausoleum, ebenfalls von Bomben getroffen, wurde als Zeugnis der Aristokratie schlecht unterhalten. So kam es schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg an beiden Stätten zu erheblichem Vandalismus und zur Störung der Totenruhe. 

Anfang der 1950er Jahre wurde die Evangelische Landeskirche Anhalts initiativ und schlug zunächst nur für das Mausoleum eine Umbettung der sterblichen Überreste  vor. Ein entsprechender Antrag wurde vom damaligen Rat gebilligt. Für die Ruhestätten aus dem Mausoleum wurde der Friedhof in Dessau-Ziebigk gewählt. Am 4. Juni 1958 wurden die zehn Toten in Särgen aus dem Mausoleum nach Ziebigk gebracht, eingesegnet und bestattet. Die Öffentlichkeit wurde nicht informiert, staatliche Akten vernichtet.

Zehn Jahre später, 1968, wurden die sterblichen Überreste aus der verfallenen Marienkirche auf den Historischen Friedhof in die Gruft des Militärschriftstellers Georg von Berenhorst (1733– 1814), Sohn von Leopold I. von Anhalt-Dessau, überführt.
Insbesondere die Grablege auf dem Ziebigker Friedhof blieb den Nachfahren der herzoglichen Familie fremd. Entsprechend präsentierte sie sich auch schmucklos und ohne Grab- oder Gedenkstein.

2014 wurde auf maßgebliche Initiative des Ehrenbürgers Alfred Radeloff, Pfarrer i. R., hin die Überführung der sterblichen Überreste von Familienmitgliedern der Askanier vom Historischen Friedhof in die Gruft der Marienkirche veranlasst. 
Die Grablegen aus dem Mausoleum verblieben jedoch in Ziebigk. Die neue Ruhestätte
Im Jahr der 100. Wiederkehr der Gründung der Joachim-Ernst- Stiftung 2018 wurden die Zustände der Gräber auf dem Ziebigker Friedhof augenfälliger. Schließlich moderierte der Ministerpräsident des Landes Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff, zwischen Kirche, Stadt und Familie von Anhalt das schwierige Thema und erlangte den Kompromiss der Einstellung der Särge in die Marienkirche.

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