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Anke Katte Anke Katte
aktualisiert am 20.03.2020 um 09:07:53

Familienbande - Unternehmen der Generationen: Eine Dynastie mit grünem Daumen

Vier Generationen:  vorn Margot und Fred Matthey, dahinter  Inhaber Ralf Matthey (von links), Bärbel Matthey mit  Lilli (4), Stephanie Richter mit Emma (2) und Peter Matthey.  Vier Generationen: vorn Margot und Fred Matthey, dahinter Inhaber Ralf Matthey (von links), Bärbel Matthey mit Lilli (4), Stephanie Richter mit Emma (2) und Peter Matthey.
Foto: Anke Katte
Die Gärtnerei Matthey in Dessau-Waldersee wurde 1933 gegründet.

Dessau (ak). Paul Matthey hat sein Gemüse noch mit dem Handwagen, der von einem Schäferhund gezogen wurde, von Waldersee zum Dessauer Marktplatz gebracht. 1933 hatte er in der Brandhorster Straße eine Gärtnerei eröffnet. „Während der Kriegsjahre hat die Oma die Gärtnerei ganz allein bewirtschaftet“, erzählt Enkel Ralf Matthey, der heute gemeinsam mit seiner Frau Bärbel den Familienbetrieb führt, in dem sich inzwischen schon die vierte Generation zwischen Salat, Tomaten und Blumen tummelt. 

Doch der Reihe nach: Von 1950 bis 1953 erlernte auch Fred Matthey den Beruf des Gärtners und übernahm 1956 den väterlichen Betrieb. Er lernte seine spätere Frau Margot kennen, die ebenfalls in den Betrieb einstieg.
Das berufsmäßige Gärtnern im Freiland und unter Glas war zu DDR-Zeiten alles andere als einfach. Oft fehlte es an Material, um zum Beispiel die defekten Fenster für die Frühbeete auszuwechseln. Der republikweit einheitliche Einzelhandelsverkaufspreis (EVP) war vorgegeben und lag bei gärtnerischen Erzeugnissen für viele Produkte im unteren Pfennigbereich. So kostete ein Bund Radieschen gerade einmal 15 Pfennige. Das frische Gemüse aus Waldersee war äußerst beliebt und schnell vergriffen. Neben Kindereinrichtungen wurde auch das Mitropa-Restaurant im Hauptbahnhof Dessau von den Mattheys beliefert.

Ende der 1970er Jahre wurde das erste Gewächshaus in Betrieb genommen. Klar, dass sich auch Ralf Matthey, der quasi in der Gärtnerei groß geworden ist und schon früh mit helfen durfte, beruflich in diese Richtung entwickelte. „Mein Wunsch war es, Gartenbau zu studieren. Als Kind von Selbstständigen war mir das allerdings verwehrt, so dass ich von 1980 bis 1983 in den Gewächshausanlagen Vockerode eine Lehre als Gärtner für Gemüseproduktion unter Glas und Plaste absolvierte“, blickt er auf seinen Berufsstart zurück. Mit einem Meisterbrief für Gemüseproduktion in der Tasche stieg er in den elterlichen Betrieb ein. 1985 wurde geheiratet und auch Bärbel Matthey, die im VEB Junkalor Dessau den Beruf einer Elektronik-Facharbeiterin erlernt hatte, ließ sich nach der Geburt von Sohn Peter vom grünen Daumen anstecken.

Tag für Tag gab es für alle Familienmitglieder viel zu tun, bis die Wende kam. „Plötzlich war unser Salat nicht mehr gefragt, die Kunden stürmten lieber die vollen Supermarktregale“, erinnert sich Bärbel Matthey. „Während sonst die Kunden auf dem Romanjukplatz, wo sich heute das Rathaus-Center befindet, schon Schlange standen, bevor wir unser Gemüse überhaupt ausgepackt hatten, wurden wir unsere selbstgezogenen Pflanzen und das saisonale Gemüse nun nicht mehr los.“ Fred Matthey ergänzt: „Uns blutete das Herz. Wir hatten so viel Arbeit, Zeit und Geld in die Pflanzen gesteckt, um sie dann wegzuwerfen. Es waren wirkliche schwierige Zeiten und wir mussten uns neu orientieren.“

Die Gemüseproduktion wurde erst einmal reduziert und ein kleines Folienhaus aufgebaut, in dem Schnittblumen zu haben waren. Der Floristikbereich ist im Laufe der Jahre zum zweiten Standbein geworden. 1992 wurde das große Gewächshaus gebaut. Parallel kauften die Mattheys von der Treuhand einen kleinen Schuhladen samt Inventar und Ware in Dessau-Süd. „Die Schuhe haben wir noch ein Jahr lang verkauft und den Rest nach Russland geschickt. Den Laden haben wir von Grund auf saniert. Heute wird er als Blumengeschäft von meiner Schwester geführt“, erzählt Floristikmeisterin Bärbel Matthey.
„Der Schritt ist uns nicht leicht gefallen. Schließlich mussten wir damals 250.000 D-Mark Kredit aufnehmen. Solche Summe auf Pump waren wir als DDR-Bürger nicht gewöhnt.“

Aber die Investitionen in die Gärtnerei und in das Blumengeschäft haben sich gelohnt. Inzwischen gehört auch das Bestattungsinstitut „Lilie“ zum Familienbetrieb.

Dass Tomaten, Gurken, Paprika, Zucchini und Salat aus eigenem Anbau besser schmecken, muss heute nicht mehr erklärt werden. Das wissen auch einige Restaurants aus Dessau und Köthen zu schätzen. Gemüse der Saison, frische Kräuter und Rucola sind wieder gefragt, Tendenz steigend. Und auch die Hobbygärtner wissen wieder, dass es sich lohnt, Gurken, Tomaten & Co. im Garten anzubauen.
„Wir produzieren unser Gemüse nachhaltig. Nicht Bio, aber so wenig Pflanzenschutz wie möglich und so viel wie nötig, lautet unsere Devise. Alles wird regional erzeugt und verkauft, mit kurzen Wegen“, so Ralf Matthey.

Einen großen Bereich der Arbeit nehmen heute die Floristik und die Baumschule ein, von der individuellen Bepflanzung von Balkonkästen und großen Gefäßen bis hin zur Gestaltung von Vorgärten. Und auch bei vielen Events in der Region kann man Pflanzendekorationen aus dem Hause Matthey sehen, so zum  im VIP-Zelt in Ferropolis oder im Anhaltischen Theater. Vor Ostern und Weihnachten werden in der Gärtnerei auch Bastel- und Deko-Workshops angeboten.

„Auch wenn wir 24 Stunden miteinander klar kommen müssen, fahren wir immer noch nicht getrennt in den Urlaub“, meint Bärbel Matthey mit einem Schmunzeln auf die Frage, wie es ist, jeden Tag mit dem eigenen Mann zusammenzuarbeiten.
„Wir wollen das mindestens noch zehn Jahre so machen und hoffen dann, dass unser Sohn Peter und unsere angehende Schwiegertochter Stephanie den Betrieb übernehmen.“ Klar, dass Sohn Peter auch den Gärtnerberuf erlernt hat.

Wenn es die Zeit erlaubt, genießt Bärbel Matthey die Zeit mit ihren beiden Enkeltöchtern Lilli (4) und Emma (2), die sogar schon die Namen einiger Blumen kennen.

Das Konzept des Familienbetriebes funktioniert hervorragend, weil alle mit anpacken und auch mal Kompromisse eingehen. Fred (84) und Margot (82) Matthey sind noch täglich in der Gärtnerei und müssen beim Pikieren, Umtopfen und Gießen manchmal gebremst werden, um nicht bis in die Nacht zu arbeiten. „Außerdem kocht Oma Margot jeden Tag für uns“, freut sich Bärbel Matthey.

Nach Zehn-Stunden-Tagen in der Woche und einem halben Samstag, an dem die Gärtnerei auch geöffnet hat, muss noch die Buchhaltung erledigt werden. Trotzdem finden die Mattheys noch Zeit für Hobbys. Seit 20 Jahren sind sie beim Waldeser Carneval Club (WCC) dabei und waren sogar einmal Prinzenpaar. Ralf Matthey engagiert sich zudem im Vereinsvorstand der SG Empor Waldersee.












 

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