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Wochenspiegel > Köthen > Ein Bienen- und Insektenparadies mitten in der Stadt: Spaziergang über Dessaus Stadtwildnis-Flächen >
Anke Katte Anke Katte
aktualisiert am 18.06.2020 um 09:43:55

Ein Bienen- und Insektenparadies mitten in der Stadt: Spaziergang über Dessaus Stadtwildnis-Flächen

Eine Heuschrecken-Sandwespe auf einer Acker-Witwenblumen- (oder auch Wiesen-Knautien-) Blüte. Eine Heuschrecken-Sandwespe auf einer Acker-Witwenblumen- (oder auch Wiesen-Knautien-) Blüte.
Foto: Jessica Arland-Kommraus Galerie (2 Bilder) Galerie (2 Bilder)
Von Anke Katte

Klatschmohn, Flockenblumen, Ohrlöffel-Leimkraut, Körnchen-Steinbrech, Echtes Seifenkraut, Österreichischer Lein, Echtes und Wiesen- Labkraut, Thymian, Karthäuser-Nelke, die Großblütige Königskerze, Sand-Strohblume, Johanniskraut, Wiesen-Knautie, Schafgarbe, Schillergras, die Wilde Möhre, die Wiesen-Margerite, Hornklee oder Steppen- und Wiesen-Salbei – die Aufzählung ließe sich noch fortsetzen. Denn auf ausgewählten Flächen des Projektgebietes „Städte wagen Wildnis“ wurden mitten im Dessauer Stadtgebiet auf verschiedenen Teilflächen mit insgesamt ca. 30 ha Flächengröße mehr als 300 Pflanzenarten erfasst, davon sind zehn Prozent sogar selten oder gefährdet.

Seit 2016 beteiligt sich die Bauhausstadt gemeinsam mit Frankfurt/Main und Hannover an dem ungewöhnlichen Projekt mit völlig unterschiedlichen Herangehensweisen. In der Mainmetropole wachsen die Einwohnerzahlen rasant, in Dessau-Roßlau sinken sie und Hannover liegt in der Einwohnerentwicklung irgendwo dazwischen. Drei sehr verschiedene Städte lassen von 2016 bis 2021 ausgewählte urbane Flächen unter fachlicher Aufsicht und wissenschaftlicher Begleitung „verwildern“. Dabei sollen die Arten- und Biotopvielfalt gefördert, die Lebensqualität in den Städten gesteigert, neuartige Landschaftsbilder etabliert sowie Pflege- und Nutzungsstrategien erprobt werden.

Auf ehemaligen Industriebrachen und Abrissflächen von nicht mehr benötigen Wohngebäuden sind in Dessau-Roßlau Wildnisflächen mit unterschiedlichem Bearbeitungsgrad entstanden. In unmittelbarer Nachbarschaft zu Wohnbereichen wird mehrmals im Jahr „eingegriffen“, während die Flächen in den städtischen Randbereichen sich weitestgehend selbst überlassen werden. „Wir möchten natürlich, dass die neu entstandenen Stadtlandschaften nicht nur für Pflanzen und Tiere gut sind, sondern auch von den Menschen positiv wahrgenommen werden“, erklärt Dr. Kirsten Lott vom Amt für Stadtentwicklung, Denkmalpflege und Geodienste.

Das Ganze ist natürlich ein Prozess. Während sich die Pflanzen- und Tierwelt die urbanen Räume relativ schnell zurückerobert hat, stand die Bevölkerung der Stadtwildnis zunächst skeptisch gegenüber. Aber von ungepflegten Unkrautflächen ist heute, angesichts der von Frühjahr bis in den Herbst hinein blühenden Wiesenflächen kaum noch die Rede.
Hohe Gräser, duftende Kräuter und Wiesenblumen wechseln sich ab mit Mahdstreifen – so kann über den Sommer hinweg die Zeit der Blüte erhöht werden.
Die blütenreichen Wiesen bieten auch einer artenreichen Tierwelt Nahrungs- und Lebensraum. So konnten über 60 Wildbienen- und Wespenarten, 48 Vogelarten, sieben Fledermausarten, 24 Schmetterlingsarten und 17 Heuschreckenarten festgestellt werden. 

Unheimlich stolz sind die Akteure auf die Heuschrecken-Sandwespe, für die in Dessau im Jahr 2017 der bundesweite Erstfund in einem Sekundär-Habitat nachgewiesen werden konnte. In Sachsen-Anhalt galt die Art seit den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts als verschollen, befindet sich aber seit einigen Jahren aufgrund der zunehmend trockeneren Sommer bundesweit in Ausbreitung. Die (noch) seltene Grabwespe füttert ihren Nachwuchs mit Heuschrecken, während sie sich selbst von Pollen und Nektar ernährt.

Eine begleitende Ausstellung im Museum für Naturkunde und Vorgeschichte, vielfältige Aktionen der Museumpädagogik, Schmetterlingsexkursionen, Rundgänge mit Experten, Informationstafeln und nicht zuletzt die Arbeit der beiden Landmeisterinnen haben dazu beigetragen, dass das Verständnis für das neue Grün zunehmend wächst.

Auf besondere Art und Weise kann man das neue Naturparadies per Geocaching entdecken. Zwei Geo-Caching-Punkte am Landschaftszug gibt es bereits, ein dritter soll folgen, verrät Kerstin Wermter, ebenfalls vom Amt für Stadtentwicklung, Denkmalpflege und Geodienste.

Spaziergang über die Stadtwildnis-Flächen

Am Samstag, dem 27. Juni  sind interessierten Bürgerinnen und Bürger herzlich eingeladen, an einem geführten Spaziergang über die Stadt-Wildnisflächen teilzunehmen. Treffpunkt ist um 10 Uhr am Sozial-kulturellen Frauenzentrum in der Törtener Straße 44.

Während des Spazierganges können sich die Besucher vor Ort über die Ziele und Entwicklungen sowie Umsetzungsmaßnahmen im Projekt „Städte wagen Wildnis“ informieren. Dabei handelt es sich um ein mehrjähriges gefördertes Verbundprojekt der Städte Frankfurt/Main, Hannover und Dessau-Roßlau, Projektträger vor Ort ist das Amt für Stadtentwicklung, Denkmalpflege und Geodienste der Stadt Dessau-Roßlau.

Gemeinsam wird mit verschiedenen Bewirtschaftungsmaßnahmen langfristig ein artenreiches, vielfältiges Stadtgrün mit zum Teil noch ungewohnten Landschaftsbildern entwickelt und gefördert.

Im Wechsel der Jahreszeiten verändern sich die Flächen, unterschiedliche Blühaspekte sind zu erleben, die Insektenvielfalt nimmt zu. Den Wert dieser Flächen für uns alle zu erkennen und besser wahrzunehmen, auf die Vielfalt und Besonderheiten an Flora und Fauna aufmerksam zu machen, dazu soll dieser ca. eineinhalbstündige Spaziergang beitragen.
Die sachkundige Führung übernehmen Dr. Kirsten Lott von der Stadt Dessau-Roßlau, Jessica Arland-Kommraus von der Hochschule Anhalt (wissenschaftliche Begleituntersuchungen) und Birgit Krummhaar vom Förder- und Landschaftspflegeverein Biosphärenreservat „Mittelelbe“ (als Landmeisterin).

Hinweis: Unter den gegenwärtigen Corona-Bedingungen müssen die Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten und die Besucher auch registriert werden.
Es wird um Anmeldung bis zum 25. Juni  gebeten:
Tel.:                 0340 2206141
E-Mail:            info@mittelelebe-foerderverein.de

Die Landmeisterinnen bieten zusätzlich auch weitere öffentliche und kostenlose Veranstaltungen für Interessierte und spezielle Umweltbildungsangebote für Kinder an.
Kontakt:
Förder- und Landschaftspflegeverein Biosphärenreservat „Mittelelbe“ e. V., Johannisstraße 18 (Schwabehaus)
Tel.:     0340 2206141; E-Mail:           info@mittelelbe-foerderverein.de

Das Umweltbildungsangebot wird ergänzt durch Angebote, die der Museumspädagogische Dienst im Museum für Naturkunde und Vorgeschichte im Rahmen der Ausstellungsbegleitung: „Stadt gibt“s hier natürlich“, bereithält.



 

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