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Wochenspiegel > Köthen > Wie weiter mit der Frauenklinik in Bitterfeld? >
Thomas Schmidt Thomas Schmidt
aktualisiert am 16.09.2020 um 11:24:35

Wie weiter mit der Frauenklinik in Bitterfeld?

Vor dem Bitterfelder Rathaus protestieren Vertreter der Partei „Die Linken“ und fordern eine schnelle Wiedereröffnung der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe.  Vor dem Bitterfelder Rathaus protestieren Vertreter der Partei „Die Linken“ und fordern eine schnelle Wiedereröffnung der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe.
Foto: Thomas Schmidt Galerie (1 Bild)
Die Frauenklinik samt Kreißsaal und Neugeborenenstation in Bitterfeld wird zum Politikum... hat man zu lange mit Entscheidungen gewartet?

Bitterfeld (ts)
. Eine Geburt ist im Leben einer Familie ein besonderes Ereignis und ruft in der Regel immer große Vorfreude hervor. In Bitterfeld, zumindest im Bitterfelder Klinikum, hält sich die Freude allerdings in Grenzen. Das liegt vor allem an den Geburten, denn die gibt es im Kreißsaal schon seit Monaten nicht mehr. Der Grund liegt auf der Hand. Zum einen ist er coronabedingt, zum anderen liegt es am fehlenden Feingespür der Entscheider.

Das zumindest ist die Meinung einiger Kommunalpolitiker und auch etlicher Hebammen, die der Geschäftsleitung des Gesundheitszentrums Bitterfeld-Wolfen Versäumnisse vorwerfen. Fehlendes Fachpersonal, wie Ärzte und Hebammen, sowie falsche Anreize für die Fachabteilung und eine desolate Führung der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe sind weitere Vorwürfe der Hebammen. Aktuell sind nach Klinikangaben noch drei Assistenzärztinnen beschäftigt, zwei von ihnen befinden noch bis 2022 im Erziehungsurlaub, hinzu kommen sechs Hebammen. Eine hat bereits um Auflösung des Vertrages gebeten, zwei weitere werden nach eigenen Angaben das Klinikum verlassen. Vier der sechs Hebammen haben am Rande einer Demo der Partei „Die Linke“ auf dem Bitterfelder Marktplatz keine Hoffnung mehr, dass der Wiederaufbau der Frauenheilkunde und Geburtshilfe zeitnah umgesetzt werden kann. Mit ihrer Meinung stehen die Klinikmitarbeiter nicht alleine da.

Einen Chefarzt gibt es nicht mehr, der letzte Leiter des Bereiches hat dem Klinikum den Rücken zugekehrt. Keine guten Aussichten für die Frauenklinik und den Kreißsaal samt Geburtenstation. Auch der Aufsichtsratsvorsitzende, Landrat Uwe Schulze und der Geschäftsführer des Gesundheitszentrums Bitterfeld/Wolfen, Norman Schaaf, glauben nicht an eine schnelle Wiedereröffnung. Nach vorsichtigen Prognosen und der derzeitigen Lage auf dem Medizinarbeitsmarkt rechnet Schaaf mit einem Restart in rund zwei Jahren. Doch wie konnte es zu dieser prekären Situation der Schließung mit ihren hinreichenden Konsequenzen überhaupt kommen? Ein Blick zurück.

Der klinische Fachbereich der Frauenheilkunde mit der Geburtshilfe war schon lange ein defizitärer Bereich. Dies jedoch konnte das Klinikum durch andere Bereiche ausgleichen. Das geht aber jetzt nach Klinikangaben nicht mehr. Dies Querfinanzierung lässt der Gesetzgeber nicht mehr zu, weil die diagnosebezogene Fallpauschale (DRG) - das ist das Geld, das ein Krankenhaus für einen behandelten Patienten nach einer festgelegten Größe bekommt – nicht mehr verrechnet werden darf. Mit Inkrafttreten des Pflegepersonal-Stärkungsgesetzes Anfang 2019 wurde diese Querfinanzierungstür zugeschlagen. Zudem hat der Kreistag des Landkreises Anhalt-Bitterfeld im Herbst 2019 für das GZ BiWo einen Investitionskostenzuschuss für medizinische Großgeräte in Millionenhöhe bewilligt.

Daran gekoppelt war der Auftrag, ein Gutachten zu erstellen, das die Potenziale zur Stärkung der dauerhaften Investitionsfähigkeit des Klinikums aufzeigen soll. Die mit dem Gutachten beauftragte WRG Consulting zeichnete ein durchwachsenes Zukunftsbild. Ihr Rat war, sich auf die Grundversorgung mit Luft nach oben zu konzentrieren. Im Klartext bedeutet das, nur rentable Bereiche können erhalten werden und Bereiche, wie die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, die ein dauerhaftes Minus erwirtschaftet, sollen gestrichen werden. Das hatte einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Am Ende ruderte der Landrat zurück und machte den Beschluss rückgängig. Das Thema scheint längst ein Politikum zu sein. Mittlerweile soll der Klinikbereich wieder aufgebaut werden, vorausgesetzt der Kreistag stimmt dem Antrag in seiner Sitzung am 17. September zu.

Der Landrat sieht das Thema als Wahlkampfthema und hat Verständnis für manche Haltung. Norman Schaaf ist sauer. „Es wird kolportiert, dass unsere Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe ein Wahlkampfthema sei. Dem widerspreche ich entschieden und bitte zur Abkehr von Schuldzuweisungen und zur Rückkehr zur Sachlichkeit“, so sein eindeutiges Statement. Landrat Schulze verbindet den Beschluss zur Wiederinbetriebnahme ganz klar auch mit einem nicht unerheblichen Zuschussbedarf. Der Kreis soll dafür im nächsten Jahr rund 3,2 Millionen Euro zusteuern und für 2022 noch mal rund 3,4 Millionen Euro. Dafür muss die Kreisumlage erhöht werden.

Das bedeutet, dass die Kommunen die „Zeche“ bezahlen sollen. Dies wiederum stößt bei den Kommunalpolitikern sauer auf. Es dürfte also spannend bleiben. Im Übrigen werden die rund 6,6 Millionen Euro für die Personalsuche und Aufrechterhaltung des Klinikbereiches verwendet. Eine Geburt oder eine gynäkologische Behandlung wird es in dieser Zeit nicht geben.

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