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Thomas Schmidt Thomas Schmidt
aktualisiert am 22.02.2017 um 20:45:31

Was denkt sich ein Esel und ist der wirklich stur?

Reporter Thomas Schmidt unterwegs als Praktikant - diesmal im Tiergehege Bitterfeld-Wolfen. Im Bitterfelder Tiergehege findet man Tiere, Ruhe und Entspannung sowie Freizeit für Naturliebhaber.

Bitterfeld (ts).
Zum Abschluss meiner praktischen Tätigkeit als Stallbursche lande ich nicht wie geplant im Hühnerstall sondern bei Esel & Co im Bitterfelder Tiergehege. Leider macht es die Vogelgrippe nicht möglich, die Frage endgültig zu klären, was war zuerst da, das Hühnerei oder das Huhn. Dafür bin ich der Frage nachgegangen, was denkt so ein Esel eigentlich? Nur mal so viel vorneweg, es geht nicht um mich, sondern um die zumeist grauen Unpaarhufer, die in der Region auch gern mal als weiße Esel durch die Gehege stolzieren. Zur Denkweise der Esel später mehr.

So trete ich wie üblich früh morgens 06:30 Uhr, wieder mal zu einer unchristlichen Zeit, im Tiergehege bei Minusgraden an. Doch auch hier wollen die Tiere am frühen Morgen gut versorgt werden. Im Zwiebellook bekleidet, stehe ich pünktlich 06:30 Uhr im Tiergehege Bitterfeld in der Grünen Lunge bereit. Neben mir die Tierpfleger Marcus Garn und Thomas Ehrlich Vorstandsmitglied bei PePe-activ e.V. (der Verein betreibt das Tiergehege), die sich um die rund 60 Tiere und genauso viele Fische tagtäglich kümmern.

Ich beschreibe meinen Tag als Stallbursche und Tierpfleger mal so: "Fegen, pflegen und füttern im Akkordtempo". Marcus Garn arbeite seit fünf Jahren im Tiergehege. Eigentlich ist er ja gelernter Agrartechniker. Doch das war ihm zu theoretisch und die Stelle hier als Tierpfleger im Tiergehege war genau das Richtige. Der Einklang mit der Natur und den Tieren, genau das hatte der Tierfreund gesucht. Thomas Ehrlich kümmert sich in der Regel um die baulichen Aktivitäten und die Koordinierung von Geräten sowie um jede Menge Papierkram. Nach einer höflichen Begrüßungsrunde mit kräftigem Händeschütteln, bin ich locker und warm genug, um diesen Tag anzutreten.

Als erstes machen wir eine große Runde durchs ca. 8.000 Quadratmeter große Areal und schauen nach, ob es den Tieren optisch und gefühlt gut geht. Das ist nach einer Nacht in der Regel wichtig, da die Tiere dort nicht beaufsichtigt werden. Heute Morgen scheint nicht nur die Sonne, es geht auch allen Tieren augenscheinlich richtig gut. Marcus Garn meint: "Das ist immer ein sehr gutes Zeichen, das entspannt mich und uns hier im Team immer sehr", so der 33-Jährige. Thomas Ehrlich ergänzt: "Den Tieren geht es wie den Menschen, sie sind nicht jeden Tag gleich gut drauf und manchmal auch halb krank, manchmal leider auch ernsthaft krank" - dann kommt der Tierarzt Dr. Jörg Röder aus Tornau und der kann zum Glück in den meisten Fällen helfen.

Auch Tiere haben so ihre Probleme und Wehwehchen, von Arthrose, über Bandscheibenschäden, Zahnproblemen, grauen Star oder leichten Verletzungen, Prellungen oder offenen Wunden. Mir bleibt eine gewisse Aufgeregtheit bei fast allen Tieren nicht verborgen. Ich frage Markus, was haben die Tiere? "Kannst Du Dir das nicht denken, Herr Stallbursche?" - Ich muss schmunzeln, so hat mich noch keiner genannt. Ich überlege kurz und schmettere ihm entgegen: "Hunger?" - "Hunger ist gar kein Ausdruck, eher eine subjektive Wahrnehmung, die Tiere haben richtige morgendliche Fresslust", lacht mir Marcus entgegen. Mir schwant nichts Gutes, Thomas Ehrlich und Marcus Garn zeigen in Richtung einer riesengroßen Futterkarre mit Aktivistenschaufel und Heugabel. Dann beginnen wir gemeinsam die quasi Fressvorbereitung für jede Tierart. Stroh und Heu für die Esel, Möhren für die Kaninchen, Enten- und Gänse- sowie Hühnerfutter für das Geflügel, spezielles Fischfutter und so weiter.

So langsam werde ich warm und erreiche Betriebstemperatur. Da ging es letzte Woche im Schweinestall wesentlich körperentspannter zu. Auch hier kommt es auf die richtige Dosierung an. Messbecher, Waage und Co. sucht man vergebens. Tierpfleger Marcus Garn macht das aus der Routine heraus, ich versuche, mir dagegen seine Zahlenansätze und Gewichtsangaben im Kopf zu behalten: Keine einfache Aufgabe um diese Uhrzeit. Dann verteilen wir in einer schnellstmöglichen Zeiteinheit Futter an alle Tiere, denn die machen mit ihren knurrenden Mägen mittlerweile ordentlich Rabatz. Als erstes geht es zu den Eseln, Nico und Co. Hier kann das Futter nicht schnell genug in Reichweite kommen.

Mit Begeisterung stürmen alle los, um die herumkullernden Äpfel und Möhren im ersten Gang zu verputzen. Im zweiten Gang wird dann ordentlich Stroh gekaut, das Heu ist der letzte Gang. Danach sind die Ziegen und Schafe dran. Die bekommen als erstes Heu in ihre Raufe. Danach gehe ich zu meiner neuen Freundin. Berta das Schaf. Berta ist schon ziemlich in die Jahre gekommen und sieht auch nur noch ganz schlecht. So verfroren wie ich aussehe, ist das kein Nachteil an diesem Bibbermorgen. Ich habe für das weiße Wollschaf Möhren in der Hosentasche und Berta weiß genau, wo sie suchen muss. Mit ihrem Maul stupst sie sacht an meiner Hosentasche. Immer wieder und immer wieder und mit ihrer Zunge leckt sie mich ab.

Berta, das weiße Schaf mit den glänzenden Knopfaugen und dem lockigen Wollfell fixiert mich und ihr Blöcken inspiriert mich zur Herausgabe der Leckerlis. Im Eilzugtempo geht es dann weiter zu den Hasen, Kaninchen und Meerschweinchen, den gefiederten Freunden und so weiter. Mittlerweile ist es 09:00 Uhr und ich denke mir so, Zeit für einen Kaffee. Marcus winkt ab, dafür haben wir jetzt keine Zeit. Jetzt geht es an die Tränke, nichts anderes wollte ich doch auch. Scherzhaft frage ich Marcus, was die Fische denn zu trinken bekommen? Der antwortet ganz zielstrebig: "Wasser, eisfrei, frisch gerührt, jedoch nicht geschüttelt" - ich lerne, Lachen und Spaß gehört in einem Tiergehege mit dazu.

Als erstes muss das Wasser angewärmt werden, denn bei Minusgraden möchten die Tiere natürlich auch kein Eiswasser saufen. Nach gut zwei Stunden sind alle versorgt und es kehrt spürbar Ruhe ins Bitterfelder Tiergehege ein. Dann die Erleichterung, jetzt gibt es den heiß ersehnten Kaffee, welcher angesichts der erreichten Betriebstemperatur kreislauffördernd und noch mehr anregend wirkt. Zeit für angeregte Gespräche bleibt dennoch nicht. Markus meint, ich habe Glück, heute ist Ausmist-Tag und er spürt meine offensichtliche Freude darüber. Schon drückt mir Marcus auch schon eine Mistgabel in die Hand und meinte laut lachend, ich solle fest zupacken. Ich denke mir, so der Kaninchenstall dürfte ja nicht allzu schwierig werden.

Doch Marcus Garn und Thomas Ehrlich zeigen in Richtung Eselgehege. Irgendwie habe ich das doch schon geahnt. Nur Schwäche zeigen ist nicht. Ich nehme die Herausforderung an und mit der großen vierrädrigen Mistkarre ziehe ich los in Richtung Eselgehege. Fünf Schubkarren später und schweißgebadet meint Markus, dass natürlich gleichzeitig noch Huf- und Fellpflege angesagt ist. Das bedeutet Fell striegeln und Hufe auskratzen. Ich lerne dabei, dass der in Handaufzucht aufgewachsene und etwas sturere Esel Nico die männliche Diva im Gehege ist. Um seine Dominanz zu zeigen, beißt er mir vorsichtig jedoch kräftig in die Jacke und führt mich.

Als erstes ist die Streicheleinheit angesagt. Genüsslich genießt Nico unter den neidischen Blicke der anderen Artgenossen die Massage. Ich überlege, was denkt so ein Esel eigentlich und ist ein Esel wirklich wie der Volksmund behauptet dumm? Von wegen dummes und störrisches Packtier. Esel sind durchaus intelligent und lernfähig, wie mir Marcus erklärt. "Auch die Esel wollen beschäftigt sein, sonst kommen sie wie wir Menschen irgendwann vor langer Weile auf dumme Gedanken und die Tiere lernen schnell, wie zum Beispiel Eselfußball", so der Holzweißiger Tierfreund. Danach ist der Schaf- und Ziegenstall dran, dort beginnt das Ausmisten ebenfalls mit ausgiebigen Streicheleinheiten. Nicht anders ist es bei den Hasen, Kaninchen und Meerschweinchen. Puh, jetzt bin ich ordentlich ins Schwitzen gekommen und ich muss sagen, Handarbeit ist körperlich schwere Arbeit.

Nach fünf Stunden habe ich ordentlich Rücken samt hundertprozentiger Muskelverspannungen. Dann gibt es zum Glück ein kräftiges Spätfrühstück, obwohl es schon Mittag ist. Nach dem Frühstück pflegen wir die Außenanlagen, Wege und Plätze. Auch das gehört neben zahlreichen Instandsetzungsaufgaben sowie Reparaturen zu den täglichen Arbeitsaufgaben im Tiergehege. Im Sommer kommen dann noch die Grünflächenpflege sowie die Verschnittarbeiten hinzu. Auch die neue Minigolf-Anlage muss ständig instandgehalten werden.




Sein persönliches Fazit:
Hier geht es um den Berufsstand des Tierpflegers. Hundeliebhaber, Katzenfreunde, Pferdefans – Tierliebhaber gibt es viele. Doch um ein guter Tierpfleger zu werden, braucht es noch einiges mehr wie ich meine. Tierpfleger kümmern sich sowohl um große als auch um kleine Tiere aller Art. Man erlernt z. B. wie man die Unterkünfte der Tiere reinigt und das Futter zubereitet sowie artgerecht füttert. Dreck und Wehwehchen machen manchmal auch krank. Als Tierpfleger lernt man, wie man die Gesundheit von Mensch und Tier durch Hygienemaßnahmen sicherstellt und Krankheiten vorbeugt. Jedes Tier braucht eine spezielle Art der Pflege und hat spezielle Bedürfnisse.
Das körperliche Arbeiten beim Ausmisten und die Reinigung sowie Fell- oder Gefieder und sonstige Pflege gehören genauso dazu wie Streicheleinheiten beim tagtäglichen Umgang. Auch hier sollte man keine Probleme im Umgang mit Tieren aller Arten haben. Beachten sollte man auch, dass dieser Beruf auch viel in der Natur stattfindet, bei jedem Wetter und zu jeder Uhrzeit und auch am Wochenende. Im Tiergehege helfen zudem Ehrenamtliche und geförderte Maßnahmeträger bei der täglichen Versorgung und Pflege der Tiere sowie bei den anfallenden Wartungs- und Pflegearbeiten – sehr vorbildlich.


Das Tiergehege und der Betreiberverein PePe-activ:
Das Bitterfelder Tiergehege mit seinem rund 8.000 Quadratmeter großen Gelände hat sich zum Schmuckstück und Besuchermagneten in der Grünen Lunge, mitten im Herzen von Bitterfeld entwickelt.  Seitdem der Verein PePe-activ das Gehege übernommen hat, gab es viele Veränderungen und diese werden von Tag zu Tag etwas sichtbarer. Familien mit Kindern, Eltern und Großeltern besuchen regelmäßig das neu gestaltete Areal in der Bitterfelder Saarstraße. Mittlerweile haben rund 60 kleinere und größere Tiere hier ein Zuhause gefunden.

Eine Vogelvoliere, Esel, Schafe, Ziegen, Enten, Kaninchen, Meerschweinchen und Hühner sowie Fische fühlen sich wohl. Auch die seltenen indischen Seidenhühner und die berühmten asiatischen Laufenten fühlen sich mittlerweile im Tiergehege heimisch.  Gerade die Kinder sind immer wieder genauso begeistert wie Familien und Schulklassen sowie Kindergärten und lieben das Streichelgehege. Dort können die Jüngsten die Tiere berühren, streicheln und füttern.

Der Verein ist trotz der monatlichen Zuweisung der Stadt Bitterfeld-Wolfen von 2.500 Euro, was man sehr zu schätzen weiß, auf Spenden angewiesen. "Bei solch einem Tiergehege ist es wichtig, wirtschaftlich starke Partner an der Seite zu haben wie die Firma Planen und Bauen und weitere Partner und halt Sponsoren", erklärt Thomas Ehrlich und ist über die Zusammenarbeit sichtlich erleichtert. Er freut sich über die Spendenbereitschaft, auch von zahlreichen Bürgern. Das sei keine Selbstverständlichkeit, führt er seinen Gedanken zu Ende. Tierpfleger und Gehegeleiter Marcus Garn freut sich über diese tierische Vielfalt inmitten von Bitterfeld. Stolz ist man auch auf die zahlreichen Tierpatenschaften, das hilft den Tieren und dem Verein, die Kosten zu minimieren.

Es werden auch weiterhin Patenschaften angeboten, weitere Informationen gibt es auch im Internet unter www.pepe-activ.de. Zwei Angestellte, Bürgerarbeiter und Sozialdienstleistende sowie die zahlreichen Vereinsmitglieder sorgen rund um die Uhr für das Wohlbefinden der Tiere. Das Gehege öffnet in der kalten Jahreszeit am Wochenende und in der warmen Jahreszeit täglich von 8 -18 Uhr, der Eintritt ist frei. Zurzeit bereitet der Verein das nächste Tiergehegefest vor. Es wird im Juni weitere Einblicke über das Erreichte neben einem bunten Programm zeigen.


 

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