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Kerstin Eschke Kerstin Eschke
aktualisiert am 24.06.2020 um 18:18:08

Gedenken an den Volksaufstand von 1953

In den Leuna-Werken hatten sich Tausende Arbeiter am 17. Juni 1953 gegen die herrschenden Missstände erhoben. Sowjetische Truppen lösten den Streik auf. Daran wurde vorigen Mittwoch mit einer Kranzniederlegung vor dem Haupttor erinnert. In den Leuna-Werken hatten sich Tausende Arbeiter am 17. Juni 1953 gegen die herrschenden Missstände erhoben. Sowjetische Truppen lösten den Streik auf. Daran wurde vorigen Mittwoch mit einer Kranzniederlegung vor dem Haupttor erinnert.
Foto: Susanne Haslbeck
Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 war auch auf dem Gebiet des heutigen Saalekreises ein politisches Ereignis von großer Tragweite. Zu Ehren der Opfer wurden in Leuna feierlich Kränze niedergelegt. 

von Susanne Haslbeck


Eine knappe Lebensmittelversorgung, lange Schlangen vor den Geschäften und kein Strom in der Nacht machen die Menschen in der knapp vier Jahre jungen DDR im Juni 1953 unzufrieden. Die Verbitterung wächst, als das SED-Regime Arbeitsnormen erhöht, den Lohn allerdings nicht.

Ausgerechnet die Bauarbeiter in der Ost-Berliner Stalinallee, dem Prestigeprojekt der SED, beginnen zu streiken. Binnen Stunden greift der Aufstand auf mehr als 700 Orte über, weitet sich zum Generalstreik und schließlich zum Volksaufstand aus. Mit Hilfe sowjetischer Truppen schlägt das SED-Regime den Aufstand mit Panzern blutig nieder.

Auch im Leuna-Werk erhoben sich Arbeiter gegen ihre schlechten Lebens- und Arbeitsbedingungen und forderten Freiheitsrechte und Demokratie. Es  fand eine Protestversammlung vor dem Bau 15 statt. Die VEB Leuna-Werke „Walter Ulbricht“ unterstanden damals einer sowjetischen Leitung. Bis zum Mittag hatten sich etwa 7.000 Arbeiter zusammengefunden. Die Stimmen forderten einen deutschen Werkleiter, die Besetzung des Werkfunks, die Auflösung des Betriebsrates und den Rücktritt der DDR-Regierung mit anschließenden Neuwahlen, Freilassung der politischen Gefangenen und Senkung der Arbeitsnormen. Die Masse setzte sich schließlich in Bewegung und weitere 3.000 Streikende schlossen sich an. Die Menschen zogen mit ihren Protesten bis nach Merseburg. Sowjetische Truppen lösten am Nachmittag das Heer der Streikenden auf.

Um  an die Menschen zu erinnern, die für ihre Rechte und ihre Freiheit gekämpft und unter der Niederschlagung des Aufstands gelitten haben, wurden am Leunaer Haupttorplatz am Mittwoch von Landrat Hartmut Handschak, Vertretern der Landes- und Kommunalpolitik sowie des heutigen Chemiestandortes, Kränze niedergelegt.  Andrej Haufe, der Kreistagsvorsitzende, sprach Worte des Gedenkens und der Posaunenchor Leuna gab der Veranstaltung einen feierlichen Rahmen.

Auch die Beauftragte des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Birgit Neumann-Becker, äußerte sich anlässlich des Gedenktages in einer Pressemitteilung: „Seit 30 Jahren gehört es auch in Ostdeutschland zu den errungenen Freiheitsrechten, zu demonstrieren und für seine Interessen öffentlich einzutreten. Den mutigen Frauen und Männern des 17. Juni 1953 wurde dies verwehrt. Zentrale Forderungen der Demonstranten waren: Freie Wahlen, Zulassung von Parteien, Freilassung der Gefangenen, ein einiges Deutschland, Entfernung der Spitzel aus den Werkstätten, Senkung der Arbeitsnormen. Dafür wurden sie von der politischen Führung aus Moskau und Berlin verfolgt und mit dem Tode bedroht.

Nur durch militärische Gewalt und polizeiliche Maßnahmen war es dem SED-Staat möglich, das Volk zu bezwingen. Die SED-Diktatur wurde mit sowjetischen Panzern gesichert und durch die Verhängung des Ausnahmezustandes, Ausgangssperren, Androhung von Erschießungen, Verfolgung und Massenverhaftungen jegliche freie Meinungsäußerung unterbunden.“

Durch die politisch gelenkte Justiz wurden in der Folge des Aufstandes 13.000 Menschen verhaftet. Allein in Sachsen-Anhalt starben 24 Frauen und Männer im Zusammenhang mit den Ereignissen des 17. Juni. 

Die beiden von deutschen Gerichten zum Tode Verurteilten kamen aus Sachsen-Anhalt: Der Magdeburger Gärtner Ernst Jennrich und Erna Dorn aus Halle wurden ohne Beweise zum Tode verurteilt und enthauptet.

Beide wurden nach 1990 posthum rehabilitiert. Der Müller Herbert Stauch und der Maler Alfred Dartsch wurden am 17. Juni 1953 in Magdeburg willkürlich verhaftet und vom Sowjetischen Militärtribunal zum Tode verurteilt. Beide wurden von Magdeburger Polizisten am 18. Juni 1953 erschossen, ihre Leichen ließen die Verantwortlichen verschwinden. Beide wurden 1996 vom Generalstaatsanwalt der Russischen Föderation rehabilitiert. Die Straße am Innenministerium in Magdeburg trägt den Namen von Herbert Stauch und erinnert an das politische Unrecht und die Gewalt der SED-Diktatur.

Becker-Neumann: „Heute ist es wichtig, ganz konkret vor Ort an die Ereignisse zu erinnern. Die mitteldeutschen Städte Magdeburg, Halle, Merseburg, Bitterfeld, Wolfen, aber auch das 1952 an den Bezirk Cottbus verlorene und 1990 wieder zurückgewonnene Jessen und viele weitere Orte im ländlichen Raum bildeten Zentren des Aufstands. In allen Städten des heutigen Sachsen-Anhalt erhoben sich die Menschen. Unsere Freiheitsrechte sind nicht selbstverständlich. Sie wurden von den Frauen und Männern des 17. Juni 1953 und aus dem Herbst 1989 errungen.“

Bis 1990 war der 17. Juni in der Bundesrepublik Deutschland Feier- und Gedenktag: Der Tag der Deutschen Einheit. Als diese am 3. Oktober 1990 Wirklichkeit wird, gerät der 17. Juni in den Hintergrund, denn von nun an ist der 3. Oktober der Tag der Deutschen Einheit. Doch auch wenn der 17. Juni heute kein Staatsfeiertag mehr ist, bleibt er für das wiedervereinigte Deutschland ein wichtiger historischer Tag. 

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