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Kerstin Eschke Kerstin Eschke
aktualisiert am 01.07.2020 um 16:32:37

„Kommt die D-Mark, bleiben wir...“

Diese Fotografie von Jochen Ehmke aus den Julitagen 1990 wurde später in dem Buch „Herbst 1989 in Merseburg“ veröffentlicht. Diese Fotografie von Jochen Ehmke aus den Julitagen 1990 wurde später in dem Buch „Herbst 1989 in Merseburg“ veröffentlicht.
Foto: Fotonachweis: aus dem Bestand des Kulturhistorischen Museums Schloss Merseburg; mit freundlicher Genehmigung des Fotografen Jochen Ehmke
Vor 30 Jahren, am 1. Juli 1990, trat die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion in Kraft. Clara Zetkin, Thomas Müntzer und, wer ihn hatte, Karl Marx, verschwanden 1990 aus den Portemonnaies der Menschen in der DDR. Die Alu-Chips genannte DDR-Währung wich schwereren Münzen und plötzlich gab es kein 20-Pfennig-Stück mehr, dafür eins für zwei Pfennige...

Merseburg (sha).
Am 1. Juli ist es 30 Jahre her, dass DDR-Bürger vor den Geldinstituten Schlange standen, um die ersehnte D-Mark zu erhalten. Mit der „harten Währung“ verband sich für viele die Hoffnung auf eine neue Zukunft.

Ein Blick zurück: 
Am 1. Juli 1990 wurde die D-Mark zum alleinigen Zahlungsmittel in der DDR. Von diesem Tag an hieß es für die umgangssprachlich auch „Alu-Chips“ genannte DDR-Mark für immer „Tschüss!“ 
Die Bürger wollten nichts mehr, als endlich die „harte D-Mark“ zu besitzen.

„Kommt die D-Mark, bleiben wir, kommt sie nicht, geh'n wir zu ihr!“ ist schon tage- und wochenlang auf Kundgebungen in der DDR zu hören. Gleich nach dem Mauerfall ist die D-Mark zum inoffiziellen Zahlungsmittel geworden. Der Umtauschkurs liegt bei bis zu 1:20. 

Ab Januar können die DDR-Bürger bei ihrer Staatsbank sogenannte Valutakonten eröffnen. Der offizielle Umtauschkurs: 1:5. Auf dem Schwarzmarkt, auf dem niemand fragt, woher welches Geld stammt, bekommt man eine D-Mark für acht DDR-Mark. Für viele Menschen in der DDR erfüllt sich mit der Währungsunion der Wunsch nach einer stabilen Währung -  nach Geld, das wirklich etwas wert ist. 

460 Tonnen Geldscheine waren unterwegs
Ende Juni sind Dutzende gut gesicherter Geldtransporter unterwegs: Mit großem logistischem Aufwand werden die Banken in der DDR mit D-Mark-Scheinen und -Münzen versorgt. 

Bevor sich die ersten Geldtransporte der Bundesbank aus Frankfurt am Main auf den Weg gen Osten machten, erkundeten Bedienstete des Geldinstituts die Tresorsituation in der DDR. Immerhin galt es, ca. 460 Tonnen Geldscheine im Wert von 27,5 Milliarden D-Mark so auf die DDR zu verteilen, dass die neue Währung mit dem Stichtag 1. Juli in allen Bezirken vorrätig war. Alle Sparkassen und Banken in der DDR öffneten ihre Türen am Sonntag, dem 1. Juli 1990.

Nur die Banker vom Alexanderplatz in Berlin hatten sich die Öffnung um Mitternacht als „Werbe-Gag“ vorbehalten. Punkt 0 Uhr wurden am Alex die Glastüren geöffnet. 

Der Ansturm auf die D-Mark, der hier losbracht, ging damals in Bildern um die Welt und nicht zuletzt in die gesamtdeutsche Geschichte ein. Das Blitzlichtgewitter ging auf jene nieder, die stundenlang bis Mitternacht vor der Bank Schlange gestanden hatten für das heiß ersehnte Westgeld.

Die Erwartungen an die neue „harte Währung“ waren auch im ehemaligen Kreis Merseburg nicht weniger gering und die Schlange der wartenden Menschen vor der Sparkasse (in dem Gebäude befindet sich heute das Finanzamt)  nicht kürzer. Glücklicherweise hat der Fotograf Jochen Ehmke das historische Ereignis festgehalten.

Hintergrund  Währungsunion:
Die DDR übernimmt  mit der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion große Teile der westdeutschen Wirtschafts- und Rechtsordnung. Die D-Mark wird alleiniges Zahlungsmittel. Löhne, Gehälter, Renten, Mieten und andere „wiederkehrende Zahlungen“ werden 1:1 umgestellt. 

Bei Bargeld und Bankguthaben sind die Regelungen komplizierter. Kinder unter 14 Jahren können bis zu 2.000 DDR-Mark im Verhältnis 1:1 umtauschen, 15- bis 59-Jährige bis zu 4.000 DDR-Mark, wer älter ist, 6.000 DDR-Mark. Beträge darüber werden im Verhältnis 2:1 umgestellt.

Zum Foto:
Die oben gezeigte Fotografie von Jochen Ehmke aus den Julitagen 1990 wurde später in dem Buch „Herbst 1989 in Merseburg“ veröffentlicht, welches der Förderkreis Museum Schloss Merseburg e.V. anlässlich einer gleichnamigen Ausstellung herausbrachte. Die Ausstellung wurde 20 Jahre nach dem „Merseburger Wendeherbst“ von Oktober 2009 bis Januar 2010 im Merseburger Schloss gezeigt. Die Publikation „Herbst 1989 in Merseburg“ kann man im Museumsshop erwerben.
 

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