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Ralf Penske Ralf Penske
aktualisiert am 02.01.2015 um 15:37:24

Mit guten Erwartungen ins neue Jahr

Da ist Handwerk gefragt: Karosseriebauer Jörg Pschorn und Kfz-Mechatroniker Dennis Ratzmann nehmen sich im Volkswagen-Zentrum Halle eines Frontschadens an. Da ist Handwerk gefragt: Karosseriebauer Jörg Pschorn und Kfz-Mechatroniker Dennis Ratzmann nehmen sich im Volkswagen-Zentrum Halle eines Frontschadens an.
Foto: Karin Schalow Galerie (1 Bild)
Größte Sorgenkinder bleiben Fachkräftemangel und Handwerker-Nachwuchs.

Halle (ks).
Rund 15 000 Betriebe mit 70 000 Beschäftigten und zuletzt ein Jahresumsatz von 7,2 Milliarden Euro - im Kammerbezirk der Handwerkskammer Halle (Saale) im südlichen Sachen-Anhalt (55 Städte, 49 Gemeinden, rund 1,2 Millionen Einwohner) ist das Handwerk „die Wirtschaftsmacht von nebenan“.

Und die schaut mit guten Er-wartungen in das Jahr 2015.  „Die Auftragslage in den Unternehmen lässt einen optimistischen Ausblick zu“, sagt Dr. Jürgen Rogahn und sieht den Grund für die gut gefüllten Auftragsbücher u. a. in der insgesamt positiven Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Für einen Einbruch besagten Arbeitsmarktes kann er keine Anzeichen ausmachen. Wer gutes Geld für gute Arbeit verdient, kann auch Handwerker be-schäftigen. Dabei verschafft  nach Meinung von Rogahn auch die aktuelle Zinspolitik der Europäischen Zentralbank dem Handwerk zusätzliche Aufträge. Wer gutes Geld verdient, das mit Zinsen, die gegen Null tendieren, aber schnell an Wert verliert, der investiert lieber. U. a. auch in Handwerkerleistungen. Auch aus diesem Grund sind laut Rogahn die Aussichten vor allem im Bauhauptgewerbe gut.

Das Handwerk ist natürlich auch in Sachen Energiewende gefragt. Angesichts der derzeitigen Diskussion um den Einsatz von Dämmstoffen bei der energetischen Sanierung von Häusern gibt Rogahn zu bedenken: „Energetische Sanierung ist viel mehr als Dämmen.“ Das Handwerk ist u. a. gefragt, wenn Dächer abgedichtet, wärme-  isolierende Fenster eingebaut oder Heizungen erneuert werden. Die energetische Sanierung als Teil der Energiewende, ist Rogahn überzeugt, wird also auf Dauer nicht nur dem Klima und dem Geldbeutel der Auftraggeber gut tun, sondern auch den Auftragsbüchern der Handwerker.

Nicht mehr wie „in den vergangenen Jahren erfolgsverwöhnt“,  sieht Dr. Rogahn das Kfz-Gewerbe in der Zukunft in ei-ner neuen Wettbewerbssituation. Die Autos würden immer weniger Reparatur anfällig und das Auto verliere immer mehr an Bedeutung als Statussymbol. Man schaue sich nur den Erfolg solcher Unternehmungen wie „teilAuto“ an.

Gutes Handwerk, erstklassiger Service und zuverlässige Autos, mit denen sich die Autohäuser den Herausforderungen von Umweltschutz und Energiewende stellen, würden im Wettbewerb immer wichtiger werden.
Bäcker oder Fleischer müssten sich nach wie vor gegen den Druck durch die Handelsketten behaupten und für das Gesundheitshandwerk werde es im kommenden Jahr zwar nicht dramatisch abwärts gehen, aber: man denke an die Brille aus dem Internet oder den Zahnersatz aus Fernost, die Bäume werden dort nicht in den Himmel wachsen“.

Dabei macht der seit diesem Jahr geltende Mindestlohn dem Hauptgeschäftsführer noch die geringsten Bauchschmerzen.
In vielen Gewerken gilt schon lange ein Mindestlohn, der teilweise weit über den jetzt gesetzlich festgelegten 8,50 Euro liegt. Und Rogahn baut auf die Einsicht der Kunden, wenn der Friseur oder der Bä-ckermeister die Preise ein wenig anheben muss, um den Mindestlohn für seine Mitarbeiter zahlen zu können. Die Frage, wie sich der Mindestlohn auf die Entwicklung im Handwerk auswirkt, könne man allerdings erst in drei bis fünf Jahren seriös beantworten.

Schwarzarbeit bleibt auch im Jahr 2015 ein Thema in der Selbstverwaltung des Handwerks. „Die Anreize durch den Wegfall von Steuern und Kosten für Sozialleistungen sind einfach zu groß. Und wir müssen es endlich schaffen, dass Schwarzarbeit nicht mehr als ‚Kavaliersdelikt‘ angesehen wird.“ Im kommenden Jahr sei Schwarzarbeit aber angesichts der guten Auftragslage nicht das drängendste Thema im Handwerk. Allerdings lässt die derzeitige Diskussion um die Kürzung des „Handwerkerbonus“ zugunsten der Förderung engergetischer Sanierung ein wenig Unbehagen beim Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Halle zurück.

Den Finger in die Wunde gelegt

Aber es warten ganz andere Herausforderungen: Der Fachkräftemangel macht auch um das  Handwerk im südlichen Sachsen-Anhalt keinen Bogen. Noch kann es gegensteuern, etwa indem ältere Mitarbeiter länger oder punktuell bereits auch ausländische Fachkräfte beschäftigt werden, aber: „Was jetzt nicht nachkommt, fehlt in den kommenden Jahren“, legt Rogahn den Finger in die Wunde. Ausbildung ist daher eine der wesentlichsten Herausforderungen im Handwerk, nicht nur wegen des demografischen Wandels. Schon jetzt kämpfen Bäcker und Fleischer oder auch Landmaschinenmechaniker um jeden einzelnen Auszubildenden.
Kopfzerbrechen bereitet nach wie vor das Niveau der Auszubildenden. Die Anforderungen weiter herunterzuschrauben hält Dr. Jürgen Rogahn dabei aber „für gefährlich!“ Technik und Elektronik halten immer mehr Einzug im Handwerk. CNC (Computerized Numerical Control  = rechnergestützte numerische Steuerung) in der Metallbearbeitung, Mundscann in der Zahntechnik - die Handwerkskammer Halle trägt den neuen Herausforderungen Rechnung und hat in den Technologie- und Bildungszentren kräftig in neue Anlagen und Lehrinhalte investiert.
Bei den (künftigen) Azubis sind daher neben guten Deutsch- auch gute Mathematik- und naturwissenschaftliche Kenntnisse immer wichtiger.

„Realistisch gesehen sind viele der Abiturienten von heute die Realschüler von gestern“, sagt Rogahn und apelliert an die Abiturienten: „Eine betriebliche duale Ausbildung ist im Vergleich zum Studium nicht der schlechtere, sondern ein anderer Weg.“ Der bietet, manchmal viel früher, als nach dem Studium, Aufstiegs-Chancen. Unter anderem mit der Meisterausbildung, die sogar in der Neugründung eines Unternehmens münden könnte.

Wünsche an die Politik

Und wenn der Nachwuchs nicht mehr im eigenen Land gewonnen werden kann, dann schaut sich das Handwerk eben auch im Ausland um. Eine zweite Gruppe junger Portugiesen nimmt jetzt, nach den guten Erfahrungen mit einer ersten Gruppe, mit Hilfe der Handwerkskammer Halle ihre Ausbildung in Angriff. Noch mehr geförderte „Kümmerer“, die den Azubis dabei zur Seite stehen,  wünscht sich Dr. Rogahn und meint, dass in der Hinsicht noch ein bisschen nachgebessert werden kann.
Apropos Neugründungen: de-ren Zahl hat sich laut Rogahn im Handwerk im südlichen Sachsen-Anhalt in den vergangnen zehn Jahren halbiert. Nicht automatisch eine schlechte Entwicklung! Sorgfältiger vorbereitet, haben die Neugründungen viel größere Chancen, sich am Markt zu behaupten.

Und wenn Dr. Rogahn noch einen Wunsch für das Jahr 2015 an die Politik hat, dann den: die Erbschaftssteuer für Unternehmen (und das sind im Handwerk oft kleine Familienunternehmen mit durchschnittlich fünf Mitarbeitern) noch in diesem Jahr sauber und möglichst ohne viel bürokratischen Neuaufwand regeln!

 

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