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Ralf Penske Ralf Penske
aktualisiert am 19.08.2015 um 16:26:00

Nahrungsmittel sind keine Ramschware

Trotz schwieriger Witterungsbedingungen haben die Landwirte in Sachsen-Anhalt, bis auf Roggen, eine zufriedenstellende Getreideernte eingefahren. Trotz schwieriger Witterungsbedingungen haben die Landwirte in Sachsen-Anhalt, bis auf Roggen, eine zufriedenstellende Getreideernte eingefahren.
Foto: Ralf Penske Galerie (1 Bild)
Landwirte und Tierhalter kämpfen gegen den Preisverfall und Bürokratie
 
Querfurt (rp).
"Trotz der schwierigen Witterungsbedingungen im zurückliegenden Anbaujahr zeigen sich die Landwirte in Sachsen-Anhalt mit den Erträgen von Getreidekulturen und Raps zufrieden. Ausnahmen bilden die Ergebnisse der Roggenernte und die derzeitigen Marktpreise. Doppelt hart trifft diese Ausnahmen die Milchviehhalter, die in den Roggenanbauregionen wirtschaften und mit einem desaströsen Milchpreis zu kämpfen haben." Zu dieser Einschätzung kommt der Präsident des Bauernverbandes, Frank Zedler, im Rahmen der Erntepressekonferenz in Querfurt.
 
Nach einem vergleichsweise regenreichen Herbst und mildem Winter waren die Ausgangsbedingungen für die Winterkulturen gut, auch für die im Frühjahr bestellten Getreidesorten, Erbsen und Rüben. Jedoch fielen um Ostern die letzten ergiebigen Niederschläge, was laut Deutschem Wetterdienst die stärkste Bodendürre seit 1961 nach sich zog. Sehr früh waren Trockenschäden in vielen Beständen, auch auf besseren Böden, erkennbar, was deutliche Einbußen bei den Erträgen und Qualitäten erwarten ließ.
 
Aus den Ertragsdaten von etwa 50 Landwirtschaftsbetrieben aus allen Landesteilen errechnet der Bauernverband seine vorläufige Erntebilanz. In den meisten Regionen des Landes Sachsen-Anhalt wurden überwiegend zufriedenstellende Ernteergebnisse erzielt, die zumeist jedoch zwischen zehn bis 15 Prozent unter den Erträgen des Durchschnitts der vergangenen fünf Jahre liegen. Überrascht wurden die Bauern von den vergleichsweise guten Erträgen der Wintergerste, die im Durchschnitt des Landes leicht über den langjährigen Mittel liegen.
 
Offensichtlich konnte Wintergerste die geringen Bodenfeuchten noch am besten nutzen. Im Landesschnitt erzielte Wintergerste auf einer Anbaufläche von 96 000 Hektar einen Ertrag von 75 Dezitonnen je Hektar. Winterroggen wurde auf einer Fläche von 75 000 Hektar mit einem Durchschnittsertrag von 42 Dezitonnen geerntet. Winterweizen, als wichtigste Ackerbaukultur, erzielte auf einer Gesamtfläche von 321 000 Hektar einen Ertrag von 70 Dezitonnen. Winterraps wurde auf einer Fläche von 162 000 Hektar angebaut. Sein Ertrag lag im Schnitt bei knapp 37 Dezitonnen in diesem Jahr. Ebenso sind die meisten Bauern mit den Qualitäten von Getreide und dem Ölgehalt beim Paps zufrieden. Lediglich beim Roggen konnte zum Teil keine Brotqualität erreicht werden.
 
Bei Kartoffeln, Zuckerüben und Äpfeln zeichnet sich eine normale Ernte ab, wenn auch territorial unterschiedlich. Große Verluste mussten die Landwirte beim Feldgemüse hinnehmen. Auch beim Wein sind die Winzer optimistisch.
 
"Dagegen liegen die Nerven bei unseren Tierhaltern angesichts der niedrigen Preis für Milch, Fleisch und Eier blank. Nutzvieh zu halten, damit für Produkte tierischer Herkunft in den Regalen der Lebensmittelhändler zu sorgen und Arbeitsplätze im ländlichen Raum zu halten, bedeutet 365 Tage im Jahr Arbeit, von der man leben können muss", erklärte Eberhard Stahr, Vizepräsident des Bauernverbandes Sachsen-Anhalt.
 
Die Situation bei Schweinehaltern und bei Legehennenhaltern ist bereits seit mehreren  Monaten von Preisen gekennzeichnet, die unterhalb der Wirtschaftlichkeit liegen. Seit einem Jahr befindet sich auch Milchpreis auf Talfahrt und hat zum Ende des vergangenen Jahres diese Grenze unterschritten. 
 
"Die Erlöse  decken nicht mehr die Kosten - grob überschlagen fährt jede Milchkuh zurzeit 1 000 Euro Minus im Jahr. Für alle Milchviehhalter in Sachsen-Anhalt kommen so 127 Millionen Euro Verlust zusammen. Wenn der aufwendig produzierte Liter Milch weniger kostet als die Flasche Mineralwasser, stimmt etwas nicht", schildert Eberhard Stahr die Situation.
Ein Ausweg aus der Situation ist schwierig. Neue Absatzmärkte, speziell in Asien, könnten für leichte Entspannung
sorgen. Noch besser wäre eine Art "Fair Trade-Siegel", bei dem die Molkereien den Milchbauern einen bestimmten, höheren Abnahmepreis garantieren (derzeit 26 Cent pro Liter, sechs Cent mehr wären kostendeckend).
Doch die Molkereien werden durch den konkurrierenden Einzelhandel unter Druck gesetzt.

"Die Einkäufer im Lebensmitteleinzelhandel dürfen nicht nur Angebot und Nachfrage im Blick haben, sondern müssen ihren Teil der Verantwortung für eine regionale, tiergerechte und auskömmlich Nutztierhaltung übernehmen", fordert Jörg Kamprad, Vizepräsident des Bauernverbandes und Vorsitzender der Agrargenossenschaft Querfurt e.G.
"Nahrungsmittel dürfen nicht als Ramschprodukt über die Ladentheke gehen. Das hat auch etwas mit Moral zu tun. Ansonsten verschwinden zuerst die kleineren Betriebe und damit Arbeitsplätze", ergänzt er.
Aus diesem Grund ruft der Bauernverband am 28. August in Magdeburg zu einer Demonstration gegen den Preisverfall, speziell bei der Milch, auf.  
 
Zu der ganze Misere kommt noch, dass durch das Russland-Embargo im Jahr rund eine Milliarde Euro an Exportverlusten für die Landwirtschaft auflaufen.
"Wir wissen um die politische Tragweite des Embargos, die Politik darf dann aber auch die Bauern nicht im Regen stehen lassen", ergänzt Frank Zedler.  
 
Und noch ein Problem schleppen die Landwirte und Tierhalter seit Jahren mit sich herum: Die Art der Dokumentations- und Aufzeichnungspflichten, wie sie die Bauern zu realisieren haben, belasten den betrieblichen Ablauf erheblich.

Unwetter wütete in und um Goseck

In und um Goseck wütete am 14. August ein Unwetter mit Hagel und Starkregen mit bis zu 50 Litern auf dem Quadratmeter. Auch das Prestigeobjekt, der "Gosecker Dechantenberg", ältester Terrassenweinberg der Region, wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Hier verzeichnen die Winzer einen Hagelschaden von 90 bis100 Prozent. Dies betrifft in erster Linie den Grünen Silvaner und den Weißen Burgunder, die in der Reife schon weiter sind. Beim Riesling sieht es noch nicht ganz so verheerend aus.
Auch eine Sandsteinmauer im oberen Bereich des Weinberges hielt den Regenmassen und dem lastenden Druck nicht stand uns stürzte ein

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