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Martin Schumann Martin Schumann
aktualisiert am 28.06.2019 um 16:14:29

Reichskrone: Wer beendet den Dornröschenschlaf?

Von Martin Schumann

Hotel, Theater, Lazarett, Parteizentrale - die fast 140-jährige Geschichte der Reichskrone ist so interessant wie wechselhaft. Seit 20 Jahren ist das historische Gebäude dem Verfall preisgegeben, doch das soll sich nun ändern. Die Stadt Naumburg als Eigentümer wird aktiv und macht die „Braut“ für eine mögliche „Hochzeit“ hübsch.

Die Geschichte des Hauses

Die Reichskrone am heutigen Curt-Becker-Platz (ehemals Theaterplatz) 5 wurde ab 1881 im Auftrag der Reichsgräfin von Hoffmannsegg als Hotel und Theater gebaut und 1883 eröffnet. Am 25. März wurde der Saal mit dem Stück „Minna von Barnhelm“ eingeweiht. 1907/08 erfolgten erste Umbaumaßnahmen an der Fassade, elektrisches Licht hielt Einzug.

Im ersten Weltkrieg diente das Haus als Lazarett und wurde nach 1918 von der Stadt Naumburg erworben, die es zunächst als Kino nutzen und in den Folgejahren umfangreich umbauen ließ. So wurde die historische bunte Decke des Saals mit einer Zwischendecke, die als eine Art hängende Kuppelkonstruktion eingebaut wurde, versteckt.

Ab 1934 wurde das Haus zum Spielball der politischen Systeme, war zunächst Parteizentrale der NSDAP, ab 1949 dann der SED. Noch bis in die 1960er Jahre gab es Theateraufführungen im Saal, bis in die 1980er Rockkonzerte und Kinovorführungen. Ab 1986 wurde der Saal wegen Baufälligkeit gesperrt, vor 20 Jahren zogen dann auch die letzten Mieter aus dem ehemaligen Hoteltrakt aus. Seither steht das Gebäude leer und ist sowohl dem Wetter als auch Vandalismus ausgeliefert.

Was soll nun passieren?

2018 übernahm die Stadt die Reichskrone in ihr Sanierungsliegenschaftsvermögen. Seither patrouilliert auch mehrmals täglich ein Sicherheitsdienst und dämmt den Vandalismus ein.

Ein Architekturbüro wurde mit der Baufreimachung beauftragt. Weil Gefahr im Verzug war, wurde am Dach- und Tragwerk über dem Saal bereits im Januar 2019 eine Notsicherung vorgenommen. Inzwischen ist die Baufreimachung abgeschlossen, unzählige Kubikmeter Schutt und Unrat, darunter vor allem alte Akten und Möbel, wurden entsorgt.

Nun geht es in den kommenden Wochen und Monaten an die grundlegende Sicherung der Bausubstanz. Vor allem das Dach über dem Saalbau - mit 800 Quadratmetern etwa die Hälfte der gesamten Dachfläche des Gebäudes - ist undicht. Davon künden zahlreiche sichtbare Wasserschäden im Inneren. Am Kirschfestmontag begannen die Gerüstbauarbeiten, bis Ende des Jahres soll das Dach erneuert werden. Dazu wird eine dauerhafte bituminöse Abdichtung auf Holzschalung errichtet, hinzu kommt eine entsprechende Entwässerung mit Dachrinnen und Fallrohren. Diese „sichernde Instandsetzung in Vorbereitung einer möglichen Veräußerung“, wie es amtsdeutsch heißt, wird rund 450.000 Euro kosten, zwei Drittel davon sind Fördermittel.

Und wie geht es danach weiter?

Die Stadt plant Anfang 2020 in die offensive Vermarktung des Hauses einzusteigen. Ziel ist ein Verkauf an einen Investor, wahrscheinlich über einen Bieterwettbewerb. Dabei müssen die Interessenten auch Nutzungskonzepte vorlegen - immerhin steht die Reichskrone als Einzeldenkmal unter Denkmalschutz.

Interessenten gab es in den letzten zehn Jahren einige. Die Bandbreite einer möglichen Nutzung reichte von einer Kongresshotelkette bis hin zu altersgerechtem Wohnen mit einem Mehrzwecksaal zur öffentlichen Nutzung.

Hauptproblem eines jeden Investors werden die schiere Größe des Objektes und die damit verbundenen Kosten sein. Immerhin verteilen sich auf zweieinhalb Keller- und drei Vollgeschosse 2.600 Quadratmeter Nutzfläche. Für deren Sanierung und außerdem mögliche Anbauten, beispielsweise eine Tiefgarage im Bereich Grochlitzer Straße, kommt schnell ein zweistelliger Millionenbetrag zusammen. Über den Kaufpreis kann indes nur spekuliert werden. Ein zehn Jahre altes Wertgutachten ging von 250.000 Euro aus, es wird derzeit aktualisiert.

Einblicke für Neugierige im September

Weil das Haus inzwischen quasi „besenrein“ ist, kann es nicht nur potenziellen Käufern, sondern auch der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Zum Tag des offenen Denkmals am ersten Septemberwochenende sollen Führungen angeboten werden. Da den meisten Naumburgern das Haus sehr am Herzen liegt, muss da wohl mit einem großen Ansturm gerechnet werden. Ob potenzielle Investoren genauso Schlange stehen werden, wird sich zeigen.

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