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Wochenspiegel > Naumburg > Der Herr der Steine - Hans-Joachim Jasiulek restauriert Steinkreuz in Großjena >
Martin Schumann Martin Schumann
aktualisiert am 19.09.2019 um 16:46:21

Der Herr der Steine - Hans-Joachim Jasiulek restauriert Steinkreuz in Großjena

Hans-Joachim Jasiulek mit dem Großjenaer Steinkreuz, das er restauriert und wieder aufgestellt hat. Hans-Joachim Jasiulek mit dem Großjenaer Steinkreuz, das er restauriert und wieder aufgestellt hat.
Foto: Martin Schumann
Hans-Joachim Jasiulek hat sich der Heimatgeschichte verschrieben und restauriert alte Steinkreuze und Grenzsteine.

Großjena (ms).
Aufmerksamen (Rad-)Wanderern wird es nicht entgangen sein, dass direkt neben dem Wanderparkplatz an der Großjenaer Unstrutbrücke seit einiger Zeit ein Steinkreuz steht. Doch woher kommt es und wie kam es dort hin?

Verantwortlich dafür ist Hans-Joachim Jasiulek. Der Freyburger war mehrere Jahrzehnte als ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger aktiv und hat sich unter anderem solchen Steinkreuzen und anderen Wegmarkierungen verschrieben.

Das Großjenaer Steinkreuz wurde im Zuge des Brückenneubaus gefunden. Steinkreuz-Kenner waren zunächst ratlos. Normalerweise sind die Standorte derartiger Kreuze genau katalogisiert, für Großjena ist jedoch aus der Vergangenheit keines belegt. Der Verdacht liegt also nahe, dass das Kreuz von woanders stammt und in Großjena zweckentfremdet wurde. Diese These unterstützen ein Loch und ein eingemeißeltes Kreuz an der Oberseite, dessen Linien auch über die Arme des Kreuzes hinweg gehen. „Möglicherweise wurde es als Grenzstein genutzt und dann von Hochwassern der Unstrut über Jahre hinweg zugeschwemmt“, vermutet Hans-Joachim Jasiulek.

Er hat das Kreuz nach dessen Auffinden gesäubert, katalogisiert und behutsam restauriert. So ist an der Vorderseite nun auch wieder die ursprüngliche Steinmetzarbeit zu erkennen: Ein Kreuz, das ein Kurzschwert symbolisieren soll. Das nimmt zugleich Bezug auf den historischen Hintergrund derartiger Kreuze.

Im Mittelalter waren die Menschen sehr religiös, hatten entsprechende Angst vorm Teufel. Das Geschäft mit dem Ablasshandel ist Ausdruck dieser Zeit. Geschah es nun, dass im Streit jemand einen anderen totschlug, hatte die Familie des Täters zu büßen. Damit das Opfer - immerhin ohne Beichte und priesterlichen Beistand verstorben - in den Himmel kam und nicht in der Hölle schmorte, ließ die Familie des Täters Messen lesen und eben ein Steinkreuz aufstellen - zum Teil mit der Tatwaffe verziert. Vorbeiziehende konnten so am Wegesrand innehalten und für den Verstorbenen beten.

Beispiele für Steinkreuze gibt es in unserer Region mehrfach. Allein in Jasiuleks Heimatstadt Freyburg stehen vier Stück, unter anderem im Schomburgkpark und am Ententeich.

Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere steinerne Zeitzeugen in der Umgebung. Die meisten dieser Grenzsteine oder Wegweiser sind schon einmal durch die Hände von Hans-Joachim Jasiulek gegangen, der sie gesäubert und aufgefrischt hat. Seine Leidenschaft für Historisches hat er schon aus frühester Jugend, erste Kenntnisse erwarb er sich bei Hellmut Drescher, der damals Leiter des Museums Schloss Neuenburg war. Genau dort verdingte sich Jasiulek später auch beruflich. Inzwischen ist er im Ruhestand, doch seine Neugier auf Altes ist ungebrochen. Wer weiß, welche Schätze er noch zutage fördert und wieder sichtbar macht.

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