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Martin Schumann Martin Schumann
aktualisiert am 20.09.2019 um 15:52:43

Das preiswerteste Stadttheater Deutschlands

Intendant Stefan Neugebauer im zukünftigen Zuschauerraum. Säulen und Wand im Hintergrund sollen noch verschwinden. Intendant Stefan Neugebauer im zukünftigen Zuschauerraum. Säulen und Wand im Hintergrund sollen noch verschwinden.
Foto: Martin Schumann Galerie (1 Bild)
Von Martin Schumann

Gemütlich lehnt sich Stefan Neugebauer in seinem Stuhl zurück und räkelt sich. Noch ist er ganz allein im Zuschauerraum, der gar nicht wie ein solcher aussieht. Ein einziger Stuhl, kahle weiße Wände, miserable Akustik. Dass in dieser Halle des alten Schlachthofes in der Talstraße in vier Jahren Theater gespielt werden soll, verlangt von Außenstehenden allerhand Vorstellungsvermögen und Fantasie.

Die Verantwortlichen von Stadt und Theater haben genau das und sogar noch mehr: Sie haben konkrete Pläne und sogar ein Finanzierungsmodell steht schon. Rund 3,5 Millionen Euro sind veranschlagt und damit könnte das kleinste Stadttheater Deutschlands auch das preiswerteste werden. „Das hat in Deutschland noch keiner geschafft, für diesen Betrag ein Theater zu bauen“, weiß auch Stefan Neugebauer.

Der jetzige Plan ist im Vergleich zu den vorherigen Varianten ein deutlich reduziertes Projekt. „Aber es ist realistisch und lässt sich in überschaubarer Zeit umsetzen“, so Neugebauer weiter. Erste Varianten hätten 11 Millionen (bei 90-prozentiger Förderung) oder zumindest 7,6 Millionen gekostet. Doch neben dem Risiko, dass sich Förderprogramme ändern und Mittel nicht mehr in bisher geplantem Umfang zur Verfügung stehen, spielt der Faktor Zeit eine entscheidende Rolle.

Ein EU-weiter Architektenwettbewerb, entsprechende Planungen und Beschlüsse hätten im günstigsten Fall sechs Jahre, wahrscheinlich eher acht gedauert. Dass das Theater noch so lange im baufälligen „Goldenen Hahn“ am Salztor bleiben kann, ist ausgeschlossen. So wurde der Antrag auf Förderung eines Wettbewerbs kurzerhand geändert, um ein Programm zur statischen Sicherung, aus dem 1,5 Millionen Euro als hundertprozentige Förderung fließen können, in Anspruch zu nehmen. Damit soll ein Gerüst in die Halle eingezogen werden, das später Licht- und Tontechnik, Vorhänge und ähnliches tragen kann. „Die Signale sind positiv, aber wir haben noch keinen Bescheid“, sagt Andrea Seidel, Sachgebietsleiterin für Stadtplanung. „Damit rechnen wir im November oder Dezember.“

Weitere Puzzleteile in der Finanzierung sind 500.000 Euro Zuschuss vom Burgenlandkreis, die als Eigenmittel genutzt werden sollen, um weitere Fördermittel aus der Städtebauförderung zu beschaffen. Zudem steht der Stadt noch ein Erbe von einer Million Euro zur Verfügung, so dass insgesamt rund 3,5 Millionen Euro ausgegeben werden können.

Damit entsteht nicht nur ein völlig neuer Theatersaal mit deutlich größerer Bühne und Zuschauerraum, sondern auch eine Probebühne, Garderoben, Werkstatt und mehr. Ein Nebengebäude im Schlachthof, die sogenannte Freibank, wird derzeit durch die Stadt hergerichtet und soll in Kürze an die Johanniter als Interims-Rettungswache vermietet werden. Nach deren Auszug im Januar 2023 könnten die Räume dann nahtlos vom Theater als Büros und Kostümwerkstatt genutzt werden. Die derzeitige Sanierung kostet zwar auch Geld, amortisiert sich aber weitgehend durch Mieteinnahmen.

Ein Problem bleibt dabei allerdings offen: Die derzeitige räumliche Planung lässt noch ein Theaterfoyer vermissen, das als Eingangs-, Kassen- und Garderobenbereich dient, für kleinere Veranstaltungen sowie gastronomische Versorgung genutzt werden kann und auch die sanitären Anlagen für die Besucher enthält. Denkbar sei ein Neubau zwischen „Freibank“ und der Halle, die künftig der Theatersaal sein soll. Der neue Haupteingang auf das Gelände des ehemaligen Schlachthofes soll dann im Bereich Markgrafenweg entstehen. Das sorgt für einen kurzen Weg zum Bahnhof und ist auch im Hinblick auf eine mögliche Streckenverlängerung der Straßenbahn zukunftsfähig.

Überhaupt lässt das abgespeckte Theaterprojekt noch viel Spielraum für die Zukunft. Weitere Gebäude auf dem Schlachthofgelände könnten später zur Nutzung hergerichtet werden. Denkbar sei auch die Ansiedlung kreativer oder künstlerischer Existenzgründer im Kielwasser des Theaters. Zudem erlaubt das Gelände, beispielsweise auch mal ein Theater-Sommerfest unter freiem Himmel zu feiern.

Das Theater Naumburg lädt alle Neugierigen am kommenden Sonnabend, dem 28. September ein, sich ein Bild zu machen und über Visionen, Pläne und Ideen zu sprechen. Der Tag der offenen Tür steht unter dem Motto „Denk X Fantasie - Theater Naumburg im ehemaligen Schlachthof“ und findet von 11 bis 15 Uhr statt.

Nach einer kurzen Einführung durch Bau-Sachgebietsleiterin Ute Freund und Intendant Stefan Neugebauer um 11 Uhr gibt es um 11.30, 12.30, 13.30 und 14.30 Uhr Führungen, sowie um 12, 13 und 14 Uhr kurze „Theater-Eingriffe“, also Schauspiel-Szenen mit dem Ensemble des Theaters. Der Freundeskreis bietet Kaffee und Kuchen an, zudem gibt es einen Bratwurstimbiss. Die Straßenbahn präsentiert ihren angedachten Streckenverlauf mit Haltepunkt am Theater.

Für die Führungen (je maximal 25 Personen) und „Eingriffe“ (50 Personen) sind Anmeldungen erforderlich, per Mail an dramaturgie@theater-naumburg.de. Unabhängig davon können sich die Besucher jedoch auch frei im Gelände bewegen und in den Räumen erkunden, was ein Theater außer einer Bühne sonst noch alles braucht.

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