Aktuelle Ausgabe als E-Paper


Aktuelle Ausgabe als E-Paper Aktuelle Ausgabe als E-Paper


E-Paper Archiv

die vorhergehende Ausgabe

E-Paper Archiv E-Paper Archiv

Sehr geehrte Damen und Herren,


zur Zeit bereiten wir eine neue Anzeigenannahme vor.

Schicken Sie Ihre Anzeige bitte vorübergehend an folgende E-Mail-Adresse:
info@wochenspiegel-halle.de

Telefon: (0345) 130 10 0
Fax: (0345) 130 10 61
Wochenspiegel > Naumburg > Rund um den Burgenlandkreis: Folge 44 - Wangen >
Cord Gebert Cord Gebert
aktualisiert am 14.11.2019 um 12:42:35

Rund um den Burgenlandkreis: Folge 44 - Wangen

Die „Liebchen“ auf der einen Seite, die „Hunde“ auf der anderen

Das Dorf Wangen besteht eigentlich aus zwei Orten: Kleinwangen links der Unstrut und Großwangen rechts.
Wangen (ms).
Die Nebraer Ortsteile Kleinwangen und Großwangen: Beide waren einst eigenständig, gehören aber seit 1950 zusammen. Von der Trennung künden heute noch zwei Kirchen und zwei Friedhöfe. Früher gab es auch zwei Kneipen, zwei Feuerwehren, zwei Bürgermeister.

Kleinwangen, links der Unstrut gelegen, wurde scherzhaft als „Liebchenwangen“ bezeichnet, Großwangen auf der anderen Seite des Flusses als „Hundewangen“. Wo diese Bezeichnungen ihren Ursprung haben, vermag jedoch heute niemand mehr schlüssig zu erklären, auch die älteren Dorfbewohner nicht. Abgesehen von diesen Spitznamen für das jeweils andere Dorf gibt es auch keine Rivalitäten oder gegenseitigen Sticheleien, wie es teilweise in anderen Dörfern der Fall ist.

„Im Gegenteil, wir sind ein Dorf“, betont auch Michael Radenz. Er ist so etwas wie ein „Urgestein“ Wangens. Seit 30 Jahren ist er Gemeindearbeiter, war im Gemeinderat, ist Leiter der Freiwilligen Feuerwehr. Auf letztere ist er besonders stolz. Hat doch der mit 434 Einwohnern verhältnismäßig kleine Ort eine Feuerwehr mit 24 größtenteils jungen Aktiven, die Tag und Nacht einsatzbereit ist. Dafür soll es auch schon bald eine „Belohnung“ geben: Bald beginnen die Bauarbeiten für ein neues Gerätehaus, direkt am ehemaligen Gemeindebüro. „Es ist toll von der Verbandsgemeinde, dass sie die Kameraden, die mit Leib und Seele dabei sind, so unterstützt“, lobt Radenz.

Vereine im Ort
Neben der Feuerwehr prägen mehrere Vereine das gesellschaftliche Leben in Wangen. Vor zwei Jahren gründeten sich die „Pfingstochsen“ neu und belebten die Tradition der „Altweibermühle“ wieder. Erstmals seit acht Jahren wurden 2019 die alten Weiber, in Wirklichkeit verkleidete junge Männer, in die „Mühle“ gesteckt und kamen unten als junge hübsche Frauen wieder raus. „Früher, bis in die 60er oder 70er Jahre gab es das jedes Jahr zu Pfingsten“, erinnert sich Michael Radenz.

Während es den „Klub der Generationen“ seit einiger Zeit nicht mehr gibt, feiern die „Heimatfreunde“ kommendes Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Außerdem gibt es im Ort einen Angelverein, einen Schützenverein und eine Kleingartensparte.

Und dann gibt es da noch die „Roten Unstruttaler“. Den Fanclub des FC Bayern München hoben Michael Radenz, sein Sohn Christopher und Holger Spangenberg vor fünf Jahren aus der Taufe. „In einer Bierlaune“, räumt Michael Radenz lachend ein. Regelmäßig fahren die Mitglieder zu Spielen in die Allianz-Arena, einmal im Jahr feiern sie ihr Vereinsfest auf der Kegelbahn im benachbarten Roßleben.

Fünf Minuten Ruhm
Jedem Menschen seien fünf Minuten Ruhm zugestanden, sagt man. Wäre Wangen ein Mensch, es hätte seine fünf Minuten in der Weltgeschichte schon gehabt. Denn im Juli 1999 fanden Raubgräber auf dem Mittelberg bei Wangen die Himmelsscheibe von Nebra. Das rund 4.000 Jahre alte Artefakt machte ihren Fundort gewissermaßen „für fünf Minuten“ berühmt, auch wenn die Himmelsscheibe offiziell den Namen von Nebra trägt und heute ihren festen Ausstellungsort im Landesmuseum in Halle hat.

Am Fundort der Scheibe selbst steht seit 2007 ein Aussichtsturm, nicht weit davon entfernt erhebt sich das Erlebniszentrum „Arche Nebra“ über Wangen.

Wenngleich die meisten Touristen nur die Arche besuchen und kaum durch Wangen flanieren, gibt es doch positive Synergien. „Wir haben neue Straßen und Fußwege“, sagt Michael Redanz. „Und nicht zu vergessen, unser Bahnhof. Ohne die Himmelsscheibe wäre das alles nicht oder zumindest nicht so schnell passiert.“

Der 2009 eröffnete Bahnhaltepunkt markiert heute das Ende der Unstrutbahn, die einst von Naumburg bis nach Artern fuhr. Er sorgt nicht nur für eine gute Erreichbarkeit für Touristen, sondern wird auch von den Einheimischen gern genutzt. „So kommt man unkompliziert zum Winzerfest nach Freyburg oder zum Kirschfest nach Naumburg“, nennt Radenz zwei Beispiele.

Kalibergbau prägte einst den Ort
Die Menschen wohnen gern hier. Baugrundstücke gibt es keine mehr. Die wirtschaftliche Lage ist überschaubar, aber nicht hoffnungslos. Es gibt einen größeren Metallbaubetrieb, einen Friseursalon, eine Bautischlerei, eine Elektrofirma und immerhin auch einen kleinen „Tante-Emma-Laden“ und eine Fleischerei. Das kommt vor allem älteren Menschen gelegen, die nicht so mobil sind. Mit dem „Waldschlösschen“ hat sich am Fuße des Mittelbergs zudem ein angesehener Gastronomiebetrieb etabliert.

Dennoch ist die Wirtschaft insgesamt weit von dem entfernt, was in Wangen einmal war oder was hätte sein können. Bis Anfang der 1990er Jahre wurde hier Kalisalz gefördert, damals hatte Wangen 700 Einwohner und sollte weiter wachsen. Die Siedlung „Am Schacht“ mit ihren modernen Blöcken war einst unerreichbarer Sehnsuchtsort für junge Wohnungssuchende, heute stehen dort viele Wohnungen leer. Weitere Blöcke und eine Kaufhalle waren in Planung - doch dann kam die Wende und das Aus für die Kaliförderung.

Verschwunden sind die Drahtseilbahnen, die Kohle zur Zeche und Kali nach Roßleben förderten. Versiegelt sind die beiden Schächte „Unstrut“ und „Georg“, in die die Bergleute früher einfuhren. Lediglich das Pförtnerhäuschen und ein Maschinenhaus, beide dem Verfall preisgegeben, stehen noch.

Manch einer trauert der Kaliförderung nach. Michael Radenz sieht vor allem die verpassten Chancen nach deren Ende: „Da hätte man ein Museumsbergwerk draus machen können“, meint er und lässt seinen Blick über das Gelände schweifen. „Hier der Parkplatz, da der Ticketverkauf, einen Schacht offen lassen, runter und unter Tage mit der Grubenbahn bis nach Roßleben, das wäre doch was gewesen“, lässt er seiner Fantasie freien Lauf. Doch stattdessen wurde auf dem ehemaligen Schachtgelände ein Gewerbegebiet geplant, was aber ebenso wenig realisiert wurde. Heute hat dort die kommunale Beschäftigungsgesellschaft Gesa einen Standort.

Von der stolzen Bergbautradition Wangens künden heute nur noch die Bronzetafeln auf den Schachtdeckeln und eine Grubenbahn-Lore vor der Großwangener Kirche.

Aus der Geschichte
Ein Zehntverzeichnis des Klosters Hersfeld, das zwischen 881 und 899 entstand, erwähnt Kleinwangen erstmals urkundlich. Der Fund der Himmelsscheibe auf dem nahen Mittelberg deutet jedoch darauf hin, dass schon in der Bronzezeit Menschen in der Gegend lebten. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts war eine Fähre zwischen Klein- und Großwangen die einzige Verbindung über die Unstrut. 1944 bauten Pioniertruppen eine erste Holzbrücke, in den 1970er Jahren entstand die bis heute existierende schmale Betonbrücke.  1950 wurden Klein- und Großwangen zur Gemeinde Wangen zusammengeschlossen. 2009 wurde der Ort nach Nebra eingemeindet und gehört als dessen Ortsteil heute zur Verbandsgemeinde Unstruttal.

Kommentar schreiben
Name:
Ort:
Kommentar:
  Ja, ich habe die Hinweise zu Kommentaren auf unserer Website gelesen und akzeptiert.
Eingabeverifizierung: Schreiben Sie die untenstehende Ziffern- / Buchstabenkombination in das folgende Feld. Dadurch wollen wir dazu beitragen, unerwünschten E-Mails und automatischen Versendern keine Verbreitungsmöglichkeit zu bieten.
 
 
Neues von Halles Lästerschwestern: Präsentiert Euren Etat! Neues von Halles Lästerschwestern: Präsentiert Euren Etat!   Ach woher denn, es geht uns - ehrlich, wir schwör’n!- nicht im Geringsten auf unsere sensiblen Nerven, wenn auch der Eintausendunderste noch...
Anzeige
Saalekids
Neues von Halles Lästerschwestern: Das passt auf keine Kuhhaut! Neues von Halles Lästerschwestern: Das passt auf keine Kuhhaut! Es wird wohl seinen  Grund haben, dass die  Redewendung „Man wird alt wie eine Kuh und lernt immer noch dazu“ nirgendwo mit einer Person...
Anzeige
Gesund ernähren trotz Gänsebraten und Neujahrs-Sekt – Gesundheitskompass Podcast Gesund ernähren trotz Gänsebraten und Neujahrs-Sekt – Gesundheitskompass Podcast Ernährungsmediziner Dr. Carl Meißer mit vielen Tipps für die Ernährung im Dezember. ...
Anzeige
Sag Ja!