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Wochenspiegel > Naumburg > Rund um den Burgenlandkreis: Folge 49 - Schleberoda >
Cord Gebert Cord Gebert
aktualisiert am 14.01.2020 um 10:13:52

Rund um den Burgenlandkreis: Folge 49 - Schleberoda

Die Dorfmitte mit dem Bauernstein unter der Linde. Hier wurde früher Gericht gehalten. Die Dorfmitte mit dem Bauernstein unter der Linde. Hier wurde früher Gericht gehalten.
Foto: Martin Schumann Galerie (3 Bilder) Galerie (3 Bilder) Galerie (3 Bilder)
Ein Dorf mit Zukunft zwischen Wäldern und Wein

Schleberoda räumte beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ ab.
Schleberoda (ms).
Wer ein Beispiel für eine funktionierende Dorfgemeinschaft sucht, wird im Freyburger Ortsteil Schleberoda schnell fündig. Obwohl - oder gerade weil - hier nur rund 160 Einwohner leben, sind die Aktivitäten vielfältig und das Miteinander wird großgeschrieben. Jeder kennt jeden. Fragt ein Fremder im Ort nach einer bestimmten Hausnummer, erntet er meist einen fragenden Blick. „Sagen Sie lieber den Namen, damit können wir mehr anfangen“, erklärt Cornelia Hofmann. Sie ist eine der Aktiven, die sich im Ort für den Erhalt des gesellschaftlichen Lebens und der Traditionen engagieren.

„Wir haben keinen Kindergarten, keinen Konsum und keine Gaststätte mehr“, sagt sie. „Deswegen ist der Zusammenhalt umso wichtiger.“ Jeder hilft jedem - sei es mit Mehl, das beim Einkauf vergessen wurde, oder wenn mal was schweres abzuladen ist.

Eng zusammen stehen die Schleberodaer auch, wenn es um ihre Traditionen geht. Beleg dafür sind ein Heimatverein, dem auch die Pfingstburschen angehören, eine aktive Feuerwehr und der Förderverein der Johann-Georgen-Kirche. Letzterer hat schon viel bewegt und wird wohl 2020 mit einem letzten Anstrich die Restaurierung der Orgel abschließen.

Der Heimatverein - aber nicht nur der - befasst sich mit allem, was im Jahresverlauf so gefeiert und veranstaltet wird.

Im Mittelpunkt mehrerer Veranstaltungen steht das Backhaus von 1789, der Ofen ist nur unwesentlich jünger.  Erst vor einer Woche wurden hier Stollen nach alter Tradition gebacken. Die Leute bringen  ihren Teig mit, die „Backfrauen“ formen die Stollen und backen sie. Am Ende kann jeder seine Stollen abholen. Zwischen 110 und 120 Stollen gehen so Jahr für Jahr am ersten Adventswochenende durch die Hände von Cornelia Hofmann und ihren Töchtern. Immer zwei Dutzend Stück passen gleichzeitig in den Ofen, den Thomas Ehret und Martin Sichting anfeuern. Dabei beweisen sie Fingerspitzengefühl und Erfahrung, damit in den unterschiedlichen Temperaturbereichen im Ofen nichts schwarz wird oder roh bleibt. Mindestens dreimal im Jahr wird der Ofen angefeuert. Je nach Anlass gibt es Kuchen - zehn Bleche der Größe 40 mal 60 Zentimeter passen rein - oder auch Pizza. Die haben mit 80 Zentimetern Durchmesser das Format von Wagenrädern und erfreuen sich besonders bei der Jugend großer Beliebtheit, während die Älteren eher den traditionellen Speckkuchen schätzen.

Einer der Anlässe, zu denen gebacken wird, ist das „Schlebe-rodaer Menü“, immer am dritten Juliwochenende. Das nährt mit seinen vier Gängen nicht nur den Magen, sondern auch den Geist. „Der erste Gang ist eine Ausstellungseröffnung in der Sommergalerie, der zweite Gang ist Kaffee und Kuchen im Kirchgarten, der dritte Gang ist ein Benefizkonzert und als vierten Gang gibt es was herzhaftes“, zählt Cornelia Hofmann auf.

Auch am Karfreitag zum Osterbrotbacken und zu Pfingsten wird der Backofen angefeuert. Pfingsten öffnet auch traditionell die Sommergalerie ihre Pforten für die erste Ausstellung des Jahres. Hier stellen meist regionale Künstler aus, zum Beispiel der Freyburger Malkreis. Im Sommer dann, zum „Menü“ stehen eher überregionale Künstler im Fokus. Ein weiterer Veranstaltungshöhepunkt steht unmittelbar bevor. Am kommenden Sonntag, dem 3. Advent, gibt es 16 Uhr ein großes Adventskonzert in der Kirche, das die Freyburger Musikanten, der Kirchenchor Freyburg und Akteure aus Schleberoda und Umgebung gemeinsam gestalten. Umrahmt wird das Konzert vom wohl „kleinsten Weihnachtsmarkt Deutschlands“.

Alle zwei Jahre nimmt die Dorfgemeinschaft am Freyburger Winzerfestumzug teil. Auch bei anderen Veranstaltungen außerhalb des Dorfes bringt man sich ein, in der Vergangenheit war das etwa der Welterbe-Wandertag oder der Tag der Deutschen Einheit.

Es lebt sich schön in Schleberoda. Kein Haus steht leer - bis auf eines, aufgrund von Unklarheiten bei einer Erbschaft. Und für dieses stehen die Interessenten Schlange. Nach Jena, Leipzig oder Halle kommt man in rund einer Stunde. Einkaufsmöglichkeiten in Freyburg oder Naumburg sind nur einen Katzensprung entfernt. „Wir liegen hier richtig schön zwischen Wäldern und Wein“, sagt Cornelia Hofmann.

Nicht ganz so einfach ist das freilich für ältere Menschen, die nicht mehr so mobil sind. Abhilfe soll ein Bestell-Café schaffen, das der Heimatverein einrichten möchte. Verhandlungen dazu laufen mit verschiedenen Lebensmittelmärkten. Ziel ist es, dass man seine Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs bestellen und einmal die Woche an einem zentralen Punkt im Ort abholen kann. Das Bestellcafé soll zu Veranstaltungen und an Wochenenden auch als Café öffnen, der Raum soll zudem mit einer Küche ausgestattet und für Feiern oder Versammlungen  zu mieten sein.

All diese Aktivitäten und Gegebenheiten wurden auch schon überregional gewürdigt. Im Kreis- und Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ holte Schleberoda in den letzten Jahren jeweils eine Goldmedaille, beim Bundeswettbewerb gewann Schleberoda Silber. Das Preisgeld fließt natürlich wieder in Projekte vor Ort, so ist geplant, den Außenbereich vor der Sommergalerie und dem Saal neu herzurichten.

Aus der Geschichte
1308 wird der Ort als „Slaverenrode“ erstmals urkundlich erwähnt. Der Name lässt darauf schließen, dass das Dorf eine Rodungssiedlung war, angelegt von einem Sorben namens Slavomir. Das Dorf ist als Rundlingsdorf angelegt, ursprünglich standen alle Gebäude mit der Giebelseite zur Ortsmitte hin.

Seit dem Mittelalter war der Ort eng verbunden mit dem Rittergut Kirchscheidungen und den dort ansässigen Rittergeschlechtern von Rockhausen, später von der Schulenburg.

Der Schleberodaer Kirchturm stammt vermutlich aus dem 13. Jahrhundert. 1505 wurde das Kirchenschiff auf die andere Seite des Turmes versetzt. Im frühen 18. Jahrhundert wurde die Kirche im barocken Stil umgebaut und erhielt ihr heutiges Aussehen. Am 10. November 1712 wurde sie geweiht. Die Geschichte der Kirche ist eng verbunden mit den Herzögen zu Sachsen-Weißenfels. Deren Oberförsterei befand sich in Schleberoda, ihr Jagdschloss „Klein Friedenthal“ war nicht weit entfernt.

So nutzten die Herzöge Schleberoda als eine Art „Zentrale“ für ihre Jagden und hielten in der Dorfkirche Andachten ab. Damit erklärt sich auch, warum die Kirche für ein Dorf dieser Größe verhältnismäßig groß und üppig ausgestattet ist. Herzog Christian von Sachsen-Weißenfels spendete beispielsweise 30 Eichen, mit deren Erlös die Orgel finanziert wurde.

1815 wurde Schleberoda preußisch. Seit 2009 ist es ein Ortsteil der Stadt Freyburg und damit auch Bestandteil der Verbandsgemeinde Unstruttal.

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