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Roswitha Hennig Roswitha Hennig
aktualisiert am 09.02.2016 um 08:40:04

Neues im Schmiedfundus: Nacht- und Nebelaktion mit großem Erfolg

Können Sie sich noch erinnern? Wer hat Fotos aus Zeiten, als diese Tafeln noch die Wände der „Freundschaft“ zierten? Können Sie sich noch erinnern? Wer hat Fotos aus Zeiten, als diese Tafeln noch die Wände der „Freundschaft“ zierten?
Foto: Schmiedverein
Mit Beharrlichkeit und einer gehörigen Portion Spürsinn ist Iris Ziegler ein neuer Coup gelungen.

Sangerhausen (WS). Eingefleischte Sangerhäuser werden es sicherlich kennen, das große Kachelwandbild, das einst die Räumlichkeiten der Gaststätte „Freundschaft" im Sangerhäuser Stadtteil Süd-West zierte. Schmieds Handschrift, ganz klar, und damit rückt es - selbstredend - in den Fokus des Schmiedvereins, der sich um das künstlerische Erbe des Sangerhäuser Künstlers kümmert. Wo ist es abgeblieben, nachdem die „Freundschaft" geschlossen wurde? Iris Ziegler nimmt im Oktober des vergangen Jahres Kontakt mit dem ehemaligen Besitzer der Freundschaft - Horst Neumann - auf, der entscheidende Hinweise zum Verbleib der Ta­­feln und zum Auffinden der neuen Eigentümer der „Freundschaft" geben konnten. Es dauert einige Zeit, bis Iris Ziegler den derzeitigen Besitzer ausfindig macht und zu diesem Kontakt aufnehmen kann. Und dann dauerte es wieder viele Monate, bis dieser sich meldetet. Dann der Anruf. Iris Ziegler hat es selbst nicht mehr für möglich gehalten. „Kommen Sie!", so die Aufforderung an sie. An einem Samstag! 20.30 Uhr fuhr an der Ladezone der Sohn der neuen Eigentümerin der „Freundschaft" vor. Er führte die Vereinsmitglieder genau in den von Herrn Neumann be­­schriebenen Keller­­raum, das ehemalige Zigarettenlager, den trockensten Kellerraum der „Freundschaft". Auf den ersten Blick Erleichterung: Bis auf eine Platte ist das gesamte Werk in einem sehr gu­­ten Zustand. Herr Neumann hatte dieses Werk unter blau-weißen DDR-Tischdecken auf Stühlen gelagert, um es vor Feuchtigkeit zu schützen. Selbst der jetzige Eigentümer hatte wohl bisher keine Ahnung von dem, was da verhangen in diesem Kellerraum lagert. „Vom Anblick der Größe der einzelnen Friesplatten (Öl auf dicker Spanplatte) waren wir total überwältigt und wussten vorerst nicht, wie wir diese sechs Platten von je 3 Meter mal 1,50 Meter abtransportieren sollten. Das Gesamtwerk ist 18 Meter lang und 1,50 Meter hoch," beschreibt Iris Ziegler das logistische Problem, vor dem die Vereinsmitglieder standen. Die einzelnen Platten waren durch ihre Größe kaum über die Treppe transportierbar, sehr, sehr schwer und mussten mehrfach auf der Treppe ge­­dreht werden, bevor sie das Obergeschoss er­­reichten.

Iris Ziegler greift zum Telefon und kontaktiert das Taxiunternehmen Struwe, das nach zehn Minuten vorfährt. Bange Fragen, würden die Platten ins Taxi passen? Nach einigen Umbauten der Sitze im Bus gelang es, Schmieds gewaltiges Werk vorsichtig in die Vereinsräumlichkeiten in der Kylischen Straße 18 zu transportieren.

Und nun? Der neue Eigentümer bekundete sein Interesse, dem Verein die umgebauten Räumlichkeiten im Obergeschoss der Freundschaft für eine zukünftige Schmied-Ausstellung zur Verfügung zu stellen, denn er ist sehr froh, dass dieses große Wandbild mit sowjetischen Städteansichten in gute Hände des Wilhelm-Schmied-Vereins e.V. übertragen werden konnte.

Auch Horst Neumann ist froh über den glücklichen Ausgang der „Bergungsaktion". Ihn verbindet eine große Erinnerung an Wilhelm Schmied - dessen 70. Geburtstag, der damals (1980) in der „Freundschaft" gefeiert wurde und durch seinen Catering-Service im Schmied-Atelier ausgestattet wurde. Er erhielt damals eine signierte Grafik als Dankeschön von Wilhelm Schmied. Diese befindet sich mit persönlicher Widmung noch irgendwo zusammengerollt in seinem ehemaligen Büro in der „Freundschaft". Herr Neumann würde sich sehr freuen, wenn ihm dieses persönliche Ge­­schenk bei Auffinden durch den neuen Eigentümer als Erinnerungsstück wieder zurück übergeben werden könnte. Und wer weiß, vielleicht findet es dann sogar den Weg in den Schmiedverein, wo schon so viele, wunderbare Schmied-Werke auf ihren großen Auftritt zurück in die Öffentlichkeit warten? Jetzt aber ist der Wilhelm-Schmied-Verein e.V. erst einmal überglücklich, dass ein neues Werk zurück „nach Hause" gefunden hat.

Haben Sie noch Aufnahmen aus der „Freundschaft"?

Nach Aussagen von Herrn Neumann befindet sich im Durchgang von der Gaststätte zum ehemaligen Saal noch ein Ka­­chelwandbild mit Friedenstauben von Wilhelm Schmied. Dieses konnte Iris Ziegler leider aufgrund der Umbauten nicht finden. Vielleicht gibt es aber unter Sangerhäusern noch Fotoaufnahmen von Feierlichkeiten in der „Freundschaft", die sowohl Schmieds Friedenstauben als auch die sowjetischen Ansichten, die im ehemaligen Saal hingen, zeigen. Wer kann Kopien davon dem Verein für Dokumentationszwecke zur Verfügung stellen? Bitte melden Sie sich beim Verein unter Tel. (034651) 29 1 80.

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