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Wochenspiegel > Sangerhausen > Demenzerkrankungen: Je früher die Diagnose dafür gestellt wird, um so besser - im Gespräch mit Professor Dr. med. Dan Rujescu >
Susanne Christmann Susanne Christmann
aktualisiert am 10.07.2019 um 15:37:44

Demenzerkrankungen: Je früher die Diagnose dafür gestellt wird, um so besser - im Gespräch mit Professor Dr. med. Dan Rujescu

Dr. med. Dan Rujescu, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Dr. med. Dan Rujescu, Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
Foto: UKH/Fotostelle/Rostek
Täuscht der Eindruck oder nehmen Demenzerkrankungen tatsächlich zu?

Prof. Rujescu: Der Eindruck täuscht nicht. Diese Erkrankungen nehmen auf jeden Fall zu. Der Risikofaktor Nummer eins dafür ist das Alter. Je älter wir werden, um so höher ist das Risiko, an einer Alzheimer-Demenz zu erkranken. Auch wenn es nicht DIE eine Demenz, sondern viele verschiedene Arten davon gibt. Aber in der Regel geht es ja um Alzheimer-Demenz, wenn der medizinische Laie davon spricht. Hier in Sachsen-Anhalt sind wir vor allem auch deshalb so davon betroffen, weil wir bundesweit die durchschnittlich älteste Bevölkerung haben. Alzheimer-Demenz bekommen  Ältere über 65 Jahre, in jüngeren Lebensjahren tritt sie sehr selten auf.   

Woran kann man als Angehöriger oder Freund eine Alzheimer-Demenz erkennen?

Prof. Rujescu: Das ist ein sehr komplexes Problemfeld, weil es ja auch typisch und relativ harmlos für das Älterwerden ist, mal Namen oder Termine zu vergessen. Wenn Sie in den Supermarkt gehen und sich dann dort fragen, was wollte ich noch mal einkaufen, müssen Sie sich sicher nicht gleich Sorgen machen. Aber wenn Sie im Supermarkt stehen und Ihnen partout nicht mehr einfällt, was Sie dort überhaupt wollen, was man in einem Supermarkt macht, dann schon. Deutliche Orientierungsstörungen, die vorher nicht da waren, Verlegen von Sachen an ungewöhnliche Orte, mit Zeiten und Orten nicht mehr zurechtkommen, also Gedächtnisstörungen, die das Leben stark beeinträchtigen - das sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen.

Und was sollte man dann tun?

Prof. Rujescu:  Einen Arzt aufsuchen. Je eher, desto besser. Jeder Arzt kennt den Standard-Test, mit dem man eine behandlungsbedürftige Demenz-Erkrankung von harmloser (Alters-)Vergesslichkeit unterscheiden kann. Der dauert etwa zehn Minuten. Wenn der Arzt dann eine weitere Behandlung für geboten hält, dann sollte er den oder die Betroffene(n) am besten gleich an eine spezialisierte Gedächtnisambulanz, wie es sie auch an unserer Klinik gibt, überweisen. Hier kümmern sich dann die Spezialisten nicht nur um die ausgefeilte Diagnostik, sondern hier wird der/die Betroffene auch  von  Sozialarbeitern durch den „Dschungel“ von Hilfs- und Betreuungsangeboten gelotst.  Oft genug stellt sich hier heraus, dass die demenzielle Erkrankung behandelbar und vielleicht sogar vollständig heilbar ist, wie, wenn Gedächtnisstörungen zum Beispiel als Symptom einer Depression auftreten.

Warum sollte man eher zu früh als später zum Arzt gehen?

Prof. Rujescu: Um als Betroffene(r) und/oder Angehöriger Klarheit darüber zu bekommen, was genau hinter der Vergesslichkeit steckt. Wenn sich der Verdacht auf Alzheimer-Demenz erhärten sollte, dann ist es doch besser, es ist noch genügend Zeit, alle notwendigen Schritte einleiten zu können, um die Lebenswelt für den/die Betroffene(n) so gut wie möglich nach seinen/ihren Wünschen gestalten zu können. Wenn man in einer akuten Situation im fortgeschrittenen Stadium in die Klinik kommt,  bleibt in der Hektik der Behandlung kaum noch  Zeit, um in Ruhe zum Beispiel nach einer geeigneten Wohnform suchen zu können.

Was halten Sie von Dr. Google?

Prof. Rujescu: Ich finde es immer gut, wenn die Menschen, also auch die Patienten, sich selbst informieren können und möchten. Eine Website wie die vom Bundesfamilienministerium „Wegweiser  Demenz“ kann dabei durchaus hilfreich sein. Die richtige Diagnose kann dann aber wirklich nur der Facharzt stellen. In einer spezialisierten Gedächtnis-Ambulanz wie der unseren  ist man als Betroffene(r) bei einem Team von medizinischen Spezialisten und sozialen Fachleuten wirklich immer am besten aufgehoben. 

Die Vision der  Alzheimer-Association - der weltgrößten freiwilligen Gesundheitsorganisation, die sich  unter anderem die Erforschung von Alzheimer zur Aufgabe gemacht hat - ist eine Welt ohne Alzheimer. Was halten Sie davon?

Prof. Rujescu: Sehr viel! Ich selbst zähle ja Demenzen und gesundes Altern zu meinen Hauptforschungsgebieten. Weltweit suchen wir nach Risikogenen, um Ursachen und damit Möglichkeiten einer Therapie zu finden. Bisher gibt es leider kein Medikament gegen Alzheimer-Demenz. Aber irgendwann wird es eines geben, davon bin ich überzeugt. Ich kann nur nicht genau sagen, wann. Und irgendwann wird  man dann Alzheimer auch heilen können.

Kann man eigentlich Alzheimer-Demenz selbst vorbeugen, durch eine bestimmte Ernährung etwa?

Prof. Rujescu: Diese Frage kann ich nur allgemein wie jeder andere Arzt beantworten. Eine gesunde Lebensweise ist immer gut. Denn was für’s Herz gut ist, ist auch gut für’s Gehirn. Wenn man zum Beispiel Diabetes hat, dann sollte der gut eingestellt sein, auch auf den Cholesterinspiegel und den Blutdruck sollte man achten. Viel bewegen, nicht rauchen und auf das Gewicht achten gehören natürlich auch dazu.

(Für das Gespräch bedankt sich Susanne Christmann) 
 

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