Aktuelle Ausgabe als E-Paper


Aktuelle Ausgabe als E-Paper Aktuelle Ausgabe als E-Paper


E-Paper Archiv

die vorhergehende Ausgabe

E-Paper Archiv E-Paper Archiv

Sehr geehrte Damen und Herren,


zur Zeit bereiten wir eine neue Anzeigenannahme vor.

Schicken Sie Ihre Anzeige bitte vorübergehend an folgende E-Mail-Adresse:
info@wochenspiegel-halle.de

Telefon: (0345) 130 10 0
Fax: (0345) 130 10 61
Wochenspiegel > Weißenfels > Rund um den Burgenlandkreis: Folge 51 - Pettstädt >
Cord Gebert Cord Gebert
aktualisiert am 14.01.2020 um 10:33:23

Rund um den Burgenlandkreis: Folge 51 - Pettstädt

Entlang auf geschichtsträchtigen Kopfsteinpflasterwegen

Im Ort selbst und am Luftschiff gibt es viel zu entdecken.
Pettstädt (wm). 
Im Tal liegt der kleine Ort mit den drei Zufahrtsstraßen nach Naumburg, Merseburg und Weißenfels. Markantes Kopfsteinpflaster zwingt jeden Kraftfahrer dazu, sich den Ort bei langsamer Fahrt gut anzusehen. Und man kann hier auch viel entdecken. Wolfram Schiel lebt seit seiner Geburt im Juni 1955 im Ort und seine Frau Renate ist 1977 in diese Idylle gezogen. Beide fühlen sich hier richtig wohl und schätzen vor allem die Ruhe. Der Kfz-Meister, der  am 1. Juli 2000 seine eigene Werkstatt eröffnete,  und seine Frau erzählen uns von den zahlreichen Besonderheiten im Ort.

Unmittelbar gegenüber der Werkstatt sind zwei wunderschöne ländliche Bilder an den Wänden zu sehen. Im Hof der dort wohnenden Familie erregt eine Sonnenuhr unsere Aufmerksamkeit. Die Bilder und auch die Sonnenuhr wurden von einem Künstler aus dem Umkreis von Lützen erschaffen. Und diese Bilder werden beachtet, denn genau hier entlang führt der Jakobsweg. Schon erregen die nächsten Gebäude unsere Aufmerksamkeit. Hier können die Pilger, die den Jakobsweg nutzen, übernachten, denn es ist eine Herberge. Zu über 70 Prozent im Jahr ist sie ausgelastet. Und darunter sind nicht nur deutsche Pilger, erzählen die Schiels. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich ein kleiner Kinderspielplatz und  das neue Feuerwehrgerätehaus, das 1999 gebaut wurde. Aber auch das alte Feuerwehrhaus steht noch als Denkmal, es sieht aus wie eine Puppenstube.  Kein Löschfahrzeug hätte in ihm Platz.

Auch die Kirche St. Anna ist im Grünen eingebettet.  Während wir weiter durch den 200-Seelenort gehen erzählen unsere beiden Gesprächspartner, dass  es im Ort fünf Vereine gibt.  „Da sind die Johannesburschen, der Feuerwehrverein,  die Frauenfreunde, die Landfrauen und eine junge Frauenrunde“, zählt  Wolfram Schiel auf.   Inzwischen zeigt Renate Schiel auf das markante und große Denkmal, das an die Opfer des Ersten Weltkrieges erinnert. Nach wenigen Schritten erreichen wir den Dorfteich, der etwa im Jahr 2000 saniert wurde. Ab und zu machen ein paar Enten hier eine Zwischenlandung. Vom Teich aus ist die Windmühle ohne Flügel gut zu sehen. Sie ist ein markantes Zeichen des Ortes.

Geht man allerdings in Richtung Naumburg, kommt man an einem seltenen Ringofen mit Schornstein der ehemaligen Ziegelei  vorbei. Leider ist er schon sehr eingewachsen.

Die Einkaufsmöglichkeiten beschränken sich auf Verkaufswagen, die an bestimmten Tagen den Ort anfahren. Auch gibt es keine Gaststätte mehr und seit diesem Jahr steht auch das Arztzimmer leer. Dennoch gibt es einen Gemeinderaum, den man auch zu Feierlichkeiten mieten kann. „Hier im Ort kennt jeder jeden und wer Hilfe braucht, der muss nicht lange betteln. Die Frauen backen Kuchen zu Geburtstagen und sonstigen Feierlichkeiten. „Hier ist jeder für jeden da. Einsam muss sich hier niemand fühlen. Wer eben  mal den Bus verpasst hat, der fährt eben mit einem Anwohner mit. Das ist alles kein Problem“, erklärt der Kfz-Meister.

Nun möchten wir noch wissen, was es mit dem Luftschiff auf sich hat, wo sich heute ein Möbelhaus befindet. „Die Geschichte ist schnell erklärt. Pettstädt hatte früher zwei Gasthöfe. Zum einen der Gasthof im Dorf und  die Ausflugsgaststätte ’Zum Luftschiff’. Diesen Namen erhielt der Gasthof erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Davor hieß er ’Zum weißen Reiter’. Mit der Namensänderung wird nicht an einen Zeppelin erinnert, sondern an ein wahres Schiff, welches auch die Hausmarke zeigt. Der Legende nach soll bei der Bedienung von umherreisenden Studenten unter das Tischtuch der Wind gefahren sein, so dass ein Student ausrief: ’Das Luftschiff soll der Teufel holen’. Der Wirt übernahm sogleich den Namen für seinen Gasthof auf luftiger Höhe“, erzählte Wolfram Schiel abschließend.

Aus der Geschichte
Pettstädt wird als Ort wahrscheinlich schon im Hersfelder Zehntverzeichnis aus dem 9. Jahrhundert genannt. Für das Jahr 1046 wird Pettstädt als Pozieste in der Gosecker Klosterchronik (Altarweihe in der Krypta) aufgeführt. 1206 gehört ein Teil des Ortes Pozeste dem Kloster Reinsdorf. Der Ortsname leitet sich wahrscheinlich vom slawischen po = an/am und cěsta = Weg/Verkehrsweg ab. Die geografischen Gegebenheiten an einem großen Verkehrsweg (Kreuzungen von Straßen) – heute B 176, einige vermuten hier entlang führend die via regia – sind nicht leugbar. Im Laufe der Zeit wurde der Ortsname germanisiert, zumal der Ort wohl um 1500 auch lokaler Wallfahrtsort war und so über Betstätte und Bodstedt der heutige Name Pettstädt entstand.

Die Pettstädter Annenkirche stammt aus der Zeit um 1150 und wurde als Chorturmkirche errichtet. Aus dieser Zeit stammt u.a. das westliche Firstkreuz mit Kruzifix. Um 1500 baute man einen neuen gotischen Chor im Osten der Kirche an.

Kommentar schreiben
Name:
Ort:
Kommentar:
  Ja, ich habe die Hinweise zu Kommentaren auf unserer Website gelesen und akzeptiert.
Eingabeverifizierung: Schreiben Sie die untenstehende Ziffern- / Buchstabenkombination in das folgende Feld. Dadurch wollen wir dazu beitragen, unerwünschten E-Mails und automatischen Versendern keine Verbreitungsmöglichkeit zu bieten.
 
 
Grüne Woche 2020 in Berlin - So schmeckt Sachsen-Anhalt (mit Video) Grüne Woche 2020 in Berlin - So schmeckt Sachsen-Anhalt (mit Video) Reporter Stefan B. Westphal auf Entdeckungstour auf der Grünen Woche in Berlin. ...
Anzeige
Saalekids
Bauern protestieren gegen Agrarpaket Bauern protestieren gegen Agrarpaket Auf dem Hallmarkt demonstrierten am Freitag Landwirte aus der Region für eine bessere Wertschätzung der Lebensmittel  und für die regionale...
Anzeige
Kurzmeldungen aus dem Burgenlandkreis KW04/2020 Kurzmeldungen aus dem Burgenlandkreis KW04/2020 Vollsperrung der Magistrale ...
Anzeige
Unser Land