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Wochenspiegel > Weißenfels > Der Ort zum Sonntag: Folge 44 - Zeitz und die Spuren des Reformators >
Cord Gebert Cord Gebert
aktualisiert am 10.11.2020 um 19:34:24

Der Ort zum Sonntag: Folge 44 - Zeitz und die Spuren des Reformators

Reformator Martin Luther und seine Frau Katharina von Bora Reformator Martin Luther und seine Frau Katharina von Bora
Foto: M. Herrmann Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder) Galerie (5 Bilder)
Die heimliche Lutherstadt - Von 1587 bis heute lebten und leben Nachkommen von Martin Luther in Zeitz. An vielen Orten hat der Reformator in der Elsterstadt gewirkt.
Zeitz (mh).
Mehr als 1.000 Jahre Geschichte haben ihre Spuren in Zeitz – im Süden von Sachsen-Anhalt - hinterlassen. Bauwerke aus allen Epochen sind heute sehenswerte Zeitzeugen und machen die Stadt zu einem lohnenswerten Ziel. Besucher können sich auf die Spuren Martin Luthers und seiner Nachkommen begeben und die „geheime“ Lutherstadt entdecken.

Wer war Martin Luther?
Martin Luther kam am 10. November 1483 in Eisleben zur Welt. An der Universität Erfurt begann Luther 1501 ein Jurastudium. Auf einer Reise geriet der Student in ein schweres Gewitter, so dass er in Todesangst gelobte, Mönch zu werden. Zwei Wochen später schloss er sich dem Bettlerorden der Augustiner im Erfurter Kloster an. Luther wurde 1507 zum Priester geweiht. Inzwischen Doktor der Theologie, erhielt er 1512 eine Bibelprofessur an der Wittenberger Universität und wurde zwei Jahre später als Prediger an die Stadtkirche berufen. Am 31. Oktober 1517 veröffentlichte er seine 95 Thesen gegen den damals üblichen Ablasshandel. Der Überlieferung nach schlug er seine Thesen an das Portal der Wittenberger Schlosskirche. Am 18. Februar 1546 starb Martin Luther im Alter von 62 Jahren.

Auf den Spuren des Reformators
Am Südrand der Altstadt befindet sich das im 13. Jahrhundert erbaute Franziskanerkloster. Hier predigte am 22. Januar 1542 Martin Luther über „Die große Macht und Kraft des Wortes Gottes“. Anlass war die Amtseinführung des ersten evangelischen Bischofs Nikolaus von Amsdorf.

Das Zeitzer Rathaus wurde zwischen 1505 und 1509 errichtet. Von 1726 bis 1742 war Dr. Friedrich Martin Luther, ein Urenkel Luthers, Erster Bürgermeister.

Die Michaeliskirche im Stadtzentrum zählt zu den ältesten Baudenkmälern der Stadt. Sie wurde 1154 das erste Mal urkundlich erwähnt. Johann Ernst Luther heiratete hier 1610 die Tochter des Bürgermeisters von Zeitz, Martha Blumenstengel. Sie gründeten die Zeitzer Lutherlinie. 1725 heiratete in der Michaeliskirche auch Dr. Friedrich Martin Luther, Erdmuthe Zeidler. Weitere Luthernachkommen wurden getauft und/ oder heirateten in St. Michael.

Originaldruck der Lutherthesen in Zeitz
In der Michaeliskirche entdeckte man 1882 einen Originaldruck der 95 Thesen von Martin Luther aus dem Jahr 1517. Weltweit gibt es nur drei Exemplare dieser Plakatdrucke.  Der von Martin Luther in Auftrag gegebene Urdruck wurde im Reformationsjahr von Jacob Thanner in Leipzig gedruckt und kann nach Voranmeldung in der Kirchengemeinde betrachtet werden.

Gibt es noch Luthernachkommen?
Auch heute noch  finden sich in Zeitz frische Spuren der Luther-Nachkommenschaft. Mehrere Familien, wie die Familien Rossner-Sauerbier, Schweingel und Bacza, leben in der Elsterstadt. Seit dem Jahr 2003 hat der 1926 gegründete Lutheriden-Verein seinen Sitz in Zeitz. Die rund 300 Mitglieder pflegen als weltweit vernetzte Familie das Erbe des Wittenberger Reformators und seiner Frau Katharina von Bora. Die Gesamtzahl der Luthernachkömmlinge geht in die Tausende – so gibt es Zweige in den USA sowie in Holland, wohin 1735 ein Nachfahre des Reformators aus Schulpforta auswanderte. Die meisten Abkömmlinge führen ihre Herkunft auf Martin Luthers jüngsten Sohn Paul (1533-1593) zurück, der als Mediziner wirkte und Leibarzt von verschiedenen Kurfürsten war.

Henriette Rossner-Sauerbier aus Zeitz liegt auf der paulinischen Linie – in der 13. Generation. „Als während meiner Kindheit der Pfarrer erfuhr, dass ich eine Nachfahrin Luthers bin, durfte ich während der Konfirmandenstunde keinen Fehler machen. Er hatte immer ein besonderes Auge auf mich.“ Heute ist sie Intendantin und Schauspielerin des Neuen Theaters Zeitz und leitet eine Ballettschule. Sie fühlt sich verpflichtet, die Vergangenheit zu wahren. Die Luthe-riden-Bibliothek im Torhaus der Moritzburg Zeitz umfasst  rund 2.000 verschiedene Ausgaben der Werke Martin Luthers, Bibeln, Gesangsbücher, Literatur zu Städten und Orten, die mit dem Wirken Luthers in Verbindung stehen. Neben Büchern befinden sich Kupferstiche, Zeitungen, Münzen, Medaillen, Fotos und DVD. In einem Schrank für die Genealogie liegen  Stammbäume der Luthernachfahren. Eine Mappe mit Stahlradierungen zu Luthers Leben aus dem 19. Jahrhundert und ein Sermon von 1520 gehören zu den besonders wertvollen Stücken.  Auch zehn Original-Lutherschriften aus den Jahren 1520 bis 1523 können eingesehen werden. Ebenso gibt es Predigten von Luther in einem Band aus dem Jahr 1554. Jährlich besuchen rund 300 Interessierte die Lutheriden-Bibliothek (Öffnungszeiten: Dienstag: 10 bis 12 Uhr, Donnerstag: 14 bis 16 Uhr und nach telefonische Absprache unter 03441/ 6857150)

Lutherstadt Zeitz
Noch heute sind die Bewohner dieser Stadt stolz auf die „Zeitzer Lutherlinie“. „Zeitz ist die Stadt der Luthernachkommen schlechthin“, so Henriette Rossner-Sauerbier. „In ihren Mauern lebten viele von ihnen und wirkten unter anderen als Domherr, Pfarrer und Bürgermeister.“ Den Titel „Lutherstadt“ tragen in Sachsen-Anhalt zwei Städte im Namen: Eisleben und Wittenberg. Für Henriette Rossner-Sauerbier stellt sich die Frage: „Könnte man nicht auch Zeitz diesen Titel verleihen? Immerhin hat Martin Luther in unserer Stadt viele Spuren hinterlassen.“

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