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Wolfgang Gorsboth Wolfgang Gorsboth
aktualisiert am 06.02.2014 um 15:43:25

Rheticus: Das verkannte Genie

Ab 1532 studierte Rheticus in Wittenberg, hier wurde er mit 22 Jahren Professor für Mathematik. Melanchthon war anfangs sein Förderer, das neue Weltbild mit der Sonne im Zentrum lehnte er wie Luther aber ab. Ab 1532 studierte Rheticus in Wittenberg, hier wurde er mit 22 Jahren Professor für Mathematik. Melanchthon war anfangs sein Förderer, das neue Weltbild mit der Sonne im Zentrum lehnte er wie Luther aber ab.
Foto: Wolfgang Gorsboth
500. Geburtstag des Genialen Professors wird in Wittenberg ignoriert.

Wittenberg (wg)
. Georg Joachim Rheticus (1514-1574) war Professor der Mathematik und Astronomie in Wittenberg, einer der schillernden Forschergeister des 16. Jahrhunderts, der die Welt verändert hat: Ohne ihn hätte Nikolaus Kopernikus nie sein Hauptwerk über das neue heliozentrische Weltbild vollendet und zur Druckreife gebracht. Die Geschichte der Astronomie wäre anders verlaufen. Ohne Rheticus kein Kopernikus, kein Kepler und kein Galilei - die Durchsetzung des modernen Weltbildes hätte wohl noch länger auf sich warten lassen.

Am 16. Februar jährt sich der Geburtstag des aus Feldkirch im österreichischen Vorarlberg stammenden Gelehrten zum 500. Mal. „In seiner Heimatstadt wird er groß gefeiert, dort wird sogar ein Rheticus-Jahr begangen, in Wittenberg scheint sich niemand für dieses Jubiläum zu interessieren“, kritisiert Diplom-Physikerin Brunhild Krüger. Dabei könne die Wirkung des Universalgelehrten auf die europäische Geistesgeschichte durchaus mit der Wirkung Luthers verglichen werden.

Die Entdeckung der neuen Welt, die Entwicklung des Buchdrucks, Reformation und die Ausbildung der wissenschaftlichen Forschung markieren den Wandel vom Mittelalter zur Neuzeit. Das Werk von Kopernikus wurde von der Katholischen Kirche 1616 gemeinsam mit den Werken Galileis auf den Index der verbotenen Bücher gesetzt. Erst 1757 wurde Kopernikus rehabilitiert. Bei den Protestanten erging es der Kopernikanischen Idee nicht besser, Luther und  Melanchthon lehnten sie rigoros ab, so rigoros, dass Rheticus 1542 einer Berufung an die Universität Leipzig folgte.

Religion und Naturwissenschaften

Wie gehen wir heute mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen um, wie gestaltet sich das Spannungsverhältnis zwischen Religion und Naturwissenschaften, wo finden sich Parallelen zwischen Rheticus und heutigen Forschergeistern? „Das sind alles aktuelle Themen, die man aus Anlass des 500. Geburtstages von Rheticus hätte aufgreifen können, Themen, die auch sehr gut in die Lutherdekade passen“, meint Krüger. Zumal Rheticus auch ein Botschafter des Protestantismus war und dennoch für Ökumene steht: Kopernikus war ein katholischer Domherr im ostpreußischen Frauenburg, wo der polnische König alle, die in Wittenberg studiert hatten, ihrer Ämter enthob, selbst der Besitz protestantischer Schriften war verboten. 

Und dennoch wurde Rheticus, ausgerechnet ein Professor aus Wittenberg, Schüler Melanchthons und Tischgeselle Luthers, mit offenen Armen empfangen. „Wer das 16. Jahrhundert verstehen will, muss sich auch mit Rheticus beschäftigen, sonst bleibt das Bild unvollständig“, sagt Krüger. Mit Rheticus hätte man Menschen erreichen können, die sich für Reformation und Theologie eher weniger interessieren. Brunhild Krüger hat inzwischen zur Rheticus-Gesellschaft in Feldkirch Kontakt aufgenommen, dort hat man großes Interesse an Wittenberg. 

Dann, so Krüger, müssten die Feldkircher in der Lutherstadt aber auch offiziell willkommen sein, dafür zu sorgen sei Angelegenheit der Stadt bzw. der Stiftung Leucorea oder der Stiftung Luthergedenkstätten. „Wenigstens sollte eine repräsentative Delegation aus Wittenberg an den Feierlichkeiten in Feldkirch teilnehmen“, erklärt Krüger. Denn um eine eigene Festveranstaltung zu organisieren, dürfte es zu spät sein. Die Diplom-Physikerin will sich gleichwohl dafür einsetzen, dass die Ausstellung aus Feldkirch auch in der Lutherstadt gezeigt werden kann und dass es wenigstens einen Vortrag über den außergewöhnlichen Gelehrten gibt.

Der erste Kopernikaner

Rheticus kam 1532 zum Studium nach Wittenberg, hier hatte er direkten Kontakt zu den führenden Köpfen der Reformation, Luther und Melanchthon. Letzterer lenkte Rheticus auf das Studium der Mathematik und der Astronomie. Mit 22 Jahren wurde er Professor, mit 25 Jahren begab er sich, angeregt durch Melanchthon, auf eine große Studienreise, die ihn schließlich zu Kopernikus ins ferne Ostpreußen führte. Rheticus veröffentlichte 1540 mit der „Narratio Prima“ einen „Ersten Bericht“ über die kopernikanischen Ideen und sorgte 1543 für die Veröffentlichung des epochemachenden Werkes „De Revolutionibus Orbium Coelestium“ („Über den Umlauf der Himmelskreise“).  

Heute gilt das Werk als ein Meilenstein der Wissenschaftsgeschichte, welches das Weltbild und das Selbstverständnis des Menschen grundlegend geändert hat. Rheticus war der erste und einzige Schüler von Kopernikus. Rheticus war auch Verfasser wichtiger geometrischer Werke, vor allem verbesserte er die Sinustafeln. Er stellte wichtige trigonometrische Berechnungen an und leistete bedeutende Vorarbeiten für die 1611 erfundenen Logarithmentafeln, so dass er als einer der bedeutendsten Mathematiker seiner Zeit gilt. Rheticus wandte sich später der Medizin zu und übersetzte die Werke von Paracelsus. 

1554 lässt er sich in Krakau nieder und blieb fortan als Arzt und Privatgelehrter tätig. Berufungen an die Universitäten Wien und Paris lehnte er ab. Rheticus gehört zu jenen Forschern der damaligen Zeit, die die Grenzen des offiziell Akzeptierten hinterfragten und so zu den Wegbereitern einer modernen Wissenschaft gehörten. Bereits 1651 wurde ihm ein Denkmal gesetzt, als man einem Ringgebirge auf dem Mond den Namen Rheticus gab.





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