Aktuelle Ausgabe als E-Paper


Aktuelle Ausgabe als E-Paper Aktuelle Ausgabe als E-Paper


E-Paper Archiv

die vorhergehende Ausgabe

E-Paper Archiv E-Paper Archiv
MZ Immobilien

Sehr geehrte Damen und Herren,


zur Zeit bereiten wir eine neue Anzeigenannahme vor.

Schicken Sie Ihre Anzeige bitte vorübergehend an folgende E-Mail-Adresse:
info@wochenspiegel-halle.de

Telefon: (0345) 130 10 0
Fax: (0345) 130 10 61
Wochenspiegel > Wittenberg > Wissenschaftskrimi um die Himmelscheibe scheint gelöst >
Kerstin Eschke Kerstin Eschke
aktualisiert am 20.11.2020 um 10:54:16

Wissenschaftskrimi um die Himmelscheibe scheint gelöst

Die Himmelsscheibe von Nebra in restauriertem Zustand. Die Himmelsscheibe von Nebra in restauriertem Zustand.
Foto: © Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie/ J. Lipták. Galerie (3 Bilder) Galerie (3 Bilder) Galerie (3 Bilder)
Klärung im Streit um das Alter der Himmelsscheibe von Nebra. Die Himmelsscheibe stammt vom Mittelberg und ist aus der frühen Bronzezeit. 

Halle/ Nebra (LDA/ Landesamt für Ärchologie und Denkmalpflege Sachsen-Anhalt).
Lange Zeit war sich die Fachwelt einig, dass der Fund der Himmelsscheibe von Nebra der Bronzezeit zugeordnet werden kann. Zwei deutsche Prähistoriker behaupteten in diesem Jahr jedoch, dass die Scheibe aus der Eisenzeit stamme, und lösten damit eine Kontroverse aus. Neue Untersuchungen geben in der von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften herausgegebenen Fachzeitschrift „Archaeologia Austriaca“ aber nun Entwarnung: Die Himmelsscheibe datiert eindeutig in die Bronzezeit, heißt es dort.

Der Fund

Im Sommer 1999 fanden zwei Raubgräber auf dem Mittelberg im Ziegelrodaer Forst einen Hort aus der frühen Bronzezeit (ca. 1600 v. Chr.), der aus der sogenannten Himmelsscheibe von Nebra, zwei Schwertern, zwei Beilen, zwei Armspiralen und einem Meißel bestand. Die Himmelsscheibe, die 2013 ins Weltdokumentenerbe der Unesco aufgenommen wurde, misst ca. 32 Zentimeter im Durchmesser und zeigt die ältesten, konkreten, astronomischen Darstellungen der Welt.

Seit ihrer spektakulären Sicherstellung durch die Schweizer Polizei im Jahr 2002 sind die Himmelsscheibe von Nebra und ihr kulturelles Umfeld Gegenstand intensiver Forschungen, was sie zu einem der bestuntersuchten, archäologischen Funde der letzten Jahrzehnte macht, darauf verwies am 13. November das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie (LDA) Sachsen-Anhalt im Zusammenhang mit der Bekanntgabe der neuesten Studie im Bezug auf das Alter der Himmelsscheibe von Nebra.

Hintergrund:

In einem 2020 erschienenen Aufsatz zweifeln die Prähistoriker Rupert Gebhard und Rüdiger Krause  die in der Fachwelt allgemein akzeptierte Datierung der Himmelsscheibe an. Sie behaupten in ihrem Aufsatz „Kritische Anmerkungen zum Fundkomplex der sog. Himmelsscheibe von Nebra“, dass der Hortfund keinen „geschlossenen Fund“ darstelle, die Himmelsscheibe möglicherweise gar nicht vom ermittelten Fundort stamme und somit als Einzelfund ohne Kontext in die Eisenzeit (ca. 800 bis 50 v. Chr.) zu datieren sei. Diese Annahme konnte eine 13-köpfige Forschungsgruppe nun in der vom Institut für Orientalische und Europäische Archäologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften  herausgegebenen Fachzeitschrift „Archaeologia Austriaca“ widerlegen. 

Die Autoren der Studie weisen nach, dass Gebhard und Krause mit unvollständigen und teilweise falschen oder verfälschend wiedergegebenen Daten argumentieren, so das Landesamt.

Gerichtsaussagen und Bodenproben: Keine Zweifel am Fundort Mittelberg

Das beginne bereits beim Fundort: So sei die Authentizität der Fundstelle, des Mittelberges bei Nebra, seit langem zweifelsfrei gesichert. Das bestätigen nicht nur die gerichtlichen Aussagen der Raubgräber und eines Hehlers, sondern auch die Nachuntersuchungen des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt. Durch Markierungen im Gelände, eine von den Raubgräbern weggeworfene Wasserflasche, die Spuren der von ihnen benutzten Hacke sowie erhöhte Gold- und Kupferkonzentrationen im Sediment, die durch die lange Lagerung der Himmelsscheibe erklärt werden können, lässt sich der Fundort exakt lokalisieren. Auch die Übereinstimmung der Bodenproben von der Fundstelle mit Erdanhaftungen an der Himmelsscheibe und an einem der mitgefundenen Schwerter sowie Anhaftungen an einem Bronzebeil sprächen  für eine Herkunft vom Mittelberg.

Kupfer und Gold: Salzburger Land und Cornwall als Lagerstätten der Bronzezeit

Die Zusammengehörigkeit der Funde sehen die Forscher in ihrer Publikation auch durch die Untersuchung des Kupfers für die Himmelsscheibe und der Beifunde bewiesen. Wie Spurenelemente und Bleiisotopenverhältnisse zeigen, stammt das Kupfer für beides aus derselben Lagerstätte im Salzburger Land. Die Produktion dieses ostalpinen Kupfers beginnt in der frühen Bronzezeit (18. Jh. v. Chr.) und endet mit dem 9. Jahrhundert v. Chr. − also ein Jahrhundert vor dem Beginn der Eisenzeit.

Das verwendete Gold stammt aus dem Gebiet des Carnon River in Cornwall, wo für das 17./16. Jahrhundert v. Chr. ein Abbau nachgewiesen ist. Und schließlich folgt die Zusammensetzung des Nebraer Hortes einem Muster, das auf die frühe Bronzezeit begrenzt ist. Bereits mit dem Nachweis des Fundortes und der Zusammengehörigkeit der Funde brechen laut den Wissenschaftlern aus Österreich  zwei wesentliche Grundannahmen der Kritiker als Voraussetzung für eine eisenzeitliche Datierung zusammen −  nämlich dass die Himmelsscheibe von Nebra ein Einzelfund und daher nur stilistisch einzuordnen ist.

Chemie und Archäologie: Radiokarbondaten und der Eisenzeit unbekannte Schiffsdarstellung

Gegen eine Einordnung der Funde in die Eisenzeit sprechen aber auch weitere chemische und archäologische Erkenntnisse. So stehen die Zinn- und Blei-Isotopenverhältnisse der Funde aus dem Nebraer Hort mit zahlreichen anderen, frühbronzezeitlichen Objekten in Beziehung. Die Herstellungs- und Verzierungstechnik spricht ebenfalls gegen ein eisenzeitliches Alter, insbesondere die Darstellung eines Schiffes auf der Himmelsscheibe ist ein für die Bronzezeit typisches Motiv, das in der Eisenzeit unbekannt ist.

Für die Datierung der Himmelsscheibe in die Bronzezeit halfen den Forschern schließlich auch Radiokarbondaten weiter, die anhand organischer Reste an einem der Schwerter gewonnen werden konnten und in die Zeit um 1600 v. Chr. gehören. Die Zusammengehörigkeit der Himmelsscheibe mit den Beifunden wiederum wird durch deren ähnliche chemische Zusammensetzung und die übereinstimmenden Erdanhaftungen erhärtet. Demnach bestünde kein Zweifel daran, dass die Himmelsscheibe von Nebra längere Zeit in Gebrauch war, was sich aus mehreren Umgestaltungsphasen ableiten lässt. Am Ende der frühen Bronzezeit wurde sie dann aber mit den Beifunden dem Boden anvertraut. Zum Beginn der Eisenzeit war sie somit schon lange begraben.

Kommentar schreiben
Name:
Ort:
Kommentar:
  Ja, ich habe die Hinweise zu Kommentaren auf unserer Website gelesen und akzeptiert.
Eingabeverifizierung: Schreiben Sie die untenstehende Ziffern- / Buchstabenkombination in das folgende Feld. Dadurch wollen wir dazu beitragen, unerwünschten E-Mails und automatischen Versendern keine Verbreitungsmöglichkeit zu bieten.
 
 
„Gemeinsam löffeln wir die Suppe aus“ „Gemeinsam löffeln wir die Suppe aus“ Am Montag, dem 7. Dezember ab 11 Uhr gibt es die 16. Auflage der Aktion „Gemeinsam löffeln wir die Suppe aus – für einen guten...
Anzeige
Toom Wittenberg
Polizei Wittenberg am 27. November Polizei Wittenberg am 27. November Betrugsmasche noch rechtzeitig erkannt ...
Anzeige
Polizei Wittenberg am 26. November Polizei Wittenberg am 26. November Diebstahl eines Segways ...
Anzeige
MZ