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Thomas Schmidt Thomas Schmidt
aktualisiert am 11.08.2012 um 16:13:55

Karateka Europameisterschaft

Es wurde in mehreren Altersklassen bei den Kindern, Frauen und Männer um Medaillen gekämpft und so mancher holte sich dabei eine blutige Nase. Es wurde in mehreren Altersklassen bei den Kindern, Frauen und Männer um Medaillen gekämpft und so mancher holte sich dabei eine blutige Nase.
Foto: Thomas Schmidt
Sandersdorfer Sporthalle verwandelt sich in einen Kampftempel. Insgesamt kamen 150 Teilnehmer aus elf europäischen Ländern nach Sandersdorf.

Sandersdorf (ts). Die dritten European Championships der Karateka fanden kürzlich in der Ballsporthalle in Sandersdorf statt. Dort kämpften 150 aktive Karatekas aus elf europäischen Staaten um die begehrten Titel. Die deutsche Mannschaft trat mit 22 Karateka an. 16 Teilnehmer aus Sandersdorf komplettierten das Feld. Gekämpft wird das traditionelle Karate nach dem Lehrer Funakoshi Kermit8undKata nach den ursprünglichen japanischen Lehren.

Funakoshi Gichin (* 1868; † 1957) ist der Begründer des modernen Karate. Aufgewachsen in Naha, Okinawa, gilt er als Begründer des heute bekannten Karate im Shōtōkan- und Shōtōkai-Stil. Ihm ist es maßgeblich zu verdanken, dass die bis dahin im Geheimen trainierte Kampfkunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts bekannt wurde und schließlich weltweit Verbreitung fand. Dabei betrachtete Funakoshi Karate nicht nur als Mittel zur Selbstverteidigung, sondern vielmehr auch als Werkzeug, um Körper und Geist zu vervollkommnen.

Obwohl er nach eigenen Aussagen in der Kindheit eher klein und kränklich war, fing er im Jugendalter unter Meister Asato Yasutsune, einem Karate- und Schwertkampfmeister der Jigen-ryu, und unter Meister Itosu Yasutsune an, Okinawa-Karate zu erlernen. Funakoshi war beruflich als Hauptschullehrer tätig. Trotzdem stellte Karate seinen Haupt-Lebensinhalt dar. Er war sehr um die Verbreitung des Karate bemüht. Ihm gelang es, diese Kampfkunst in den Sportunterricht an der Schule zu integrieren.

1922 reiste Funakoshi als Leiter einer Delegation aus Okinawa nach Tokio und stellte dort Karate erstmals der japanischen Öffentlichkeit vor. Aufgrund des großen Interesses blieb er in der japanischen Hauptstadt, um weiter zu unterrichten. Um sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, arbeitete er in Tokio als Hausmeister, Karatelehrer, Gärtner und Reinigungskraft. Erst nachdem es ihm gelang, Karate in Japan bekannter zu machen, konnte er sich auch von seiner Tätigkeit als Karatelehrer ernähren.

Die von ihm vertretene Stilrichtung des Karate wurde von seinem Künstlernamen „Shōtō“ (= Pinienrauschen), unter dem er Gedichte schrieb, und seinem ersten richtigen Dōjō Shōtōkan (Haus des Shōtō) abgeleitet. Funakoshi selbst lehnte es ab, sein Karate als eigenen Stil oder gar Shōtōkan-Karate zu bezeichnen. Für ihn gab es nur „ein“ Karate. Es waren seine Schüler, die das Karate ihres Lehrers von dem Karate anderer Schulen abgrenzen wollten.

Zeit seines Lebens folgte Funakoshi einem strengen Ehrenkodex. So lehnte er es zum Beispiel ab, „schmutzige“ Worte wie Socke oder Toilettenpapier zu benutzen. Auch war Funakoshi ein sehr friedfertiger Mann, der versuchte, den Kampf wann immer möglich zu vermeiden. So gab er zum Beispiel einmal Dieben den Kuchen, den er als Opfergabe für seine Ahnen vorgesehen hatte, nur um den Konflikt mit den beiden ihm wahrscheinlich unterlegenen Männern zu vermeiden. Auch Funakoshi-Senseis Familienangehörige sind oder waren exzellente Karateka, u. a. die Schauspielerin, Sängerin und Geschäftsfrau Funakoshi Fane.

Die zwanzig Shōtō-Niju-Kun sind Verhaltensregeln, die von Funakoshi aufgestellt wurden. Sie vermitteln das Grundprinzip des Karatedō (Weg der leeren Hand) und sollen der Charaktervervollkommnung dienen.
1. Karatedo wa rei ni hajimari, rei ni owaru koto wo wasuruna.
Vergiss nie: Karate beginnt mit rei und endet mit rei. (rei bedeutet: Respekt, Höflichkeit)
2. Karate ni sente nashi.
Im Karate gibt es kein Zuvorkommen. (Im Karate gibt es keinen ersten Angriff.)
3. Karate wa gi no tasuke.
Karate ist ein Helfer der Gerechtigkeit.
4. Mazu jiko wo shire, shikashite ta wo shire.
Erkenne dich selbst zuerst, dann den Anderen.
5. Gijutsu yori shinjutsu.
Die Kunst des Geistes kommt vor der Kunst der Technik.
6. Kokoro wa hanatan koto wo yosu.
Lerne, deinen Geist zu kontrollieren, und befreie ihn dann von Unnützem.
7. Wazawai wa getai ni shozu.
Unheil entsteht durch Nachlässigkeit.
8. Dojo nomi no karate to omou na.
Karate ist nicht nur im Dojo.
9. Karate no shugyo wa issho de aru.
Die Ausbildung im Karate umfasst Dein ganzes Leben.
10. Ara-yuru mono wo karate-ka seyo, soko ni myo-mi ari.
Verbinde dein alltägliches Leben mit Karate, das ist der Zauber der Kunst.
11. Karate wa yu no gotoshi taezu netsudo wo ataezareba moto no mizu ni kaeru.
Wahres Karate ist wie heißes Wasser, das abkühlt, wenn du es nicht ständig wärmst.
12. Katsu kangae wa motsu na makenu kangae wa hitsuyo.
Denke nicht ans Gewinnen, doch denke darüber nach, wie du nicht verlierst.
13. Teki ni yotte tenka seyo.
Wandle dich, abhängig von deinem Gegner.
14. Tatakai wa kyo-jitsu no soju ikan ni ari.
Der Kampf hängt von der Handhabung deiner Treffsicherheit ab.
15. Hito no te ashi wo ken to omoe.
Stelle dir deine Hand und deinen Fuß als Schwert vor.
16. Danshi mon wo izureba hyakuman no teki ari.
Wenn man das Tor der Jugend verlässt, hat man viele Gegner.
17. Kamae wa shoshinsha ni ato wa shizentai.
Das Einnehmen einer Haltung gibt es beim Einsteiger, später gibt es den natürlichen Zustand.
18. Kata wa tadashiku jissen wa betsu mono.
Übe die Kata korrekt, der echte Kampf ist eine andere Angelegenheit.
19. Chikara no kyojaku, karada no shinshuku, waza no kankyu wo wasuruna.
Hart und weich, Spannung und Entspannung, langsam und schnell, alles in Verbindung mit der richtigen Atmung.
20. Tsune ni shinen kufu seyo.
Denke immer nach und versuche dich ständig am Neuen.

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