Aktuelle Ausgabe als E-Paper


Aktuelle Ausgabe als E-Paper Aktuelle Ausgabe als E-Paper


E-Paper Archiv

die vorhergehende Ausgabe

E-Paper Archiv E-Paper Archiv
MZ Immobilien

Sehr geehrte Damen und Herren,


zur Zeit bereiten wir eine neue Anzeigenannahme vor.

Schicken Sie Ihre Anzeige bitte vorübergehend an folgende E-Mail-Adresse:
info@wochenspiegel-halle.de

Telefon: (0345) 130 10 0
Fax: (0345) 130 10 61
Wochenspiegel > Wittenberg > in eigener Sache > Reporter als Stallbursche: Ein Gemecker den ganzen Tag >
Torsten Waschinski Torsten Waschinski
aktualisiert am 08.02.2017 um 17:03:45

Reporter als Stallbursche: Ein Gemecker den ganzen Tag

Ja, in einem Ziegenstall wird viel gemeckert, doch das klingt anders, als man glaubt - und Ziegen können auch ganz lieb sein, wenn man sie streichelt, erfährt Wochenspiegel-Reporter Thomas Schmidt.	Ja, in einem Ziegenstall wird viel gemeckert, doch das klingt anders, als man glaubt - und Ziegen können auch ganz lieb sein, wenn man sie streichelt, erfährt Wochenspiegel-Reporter Thomas Schmidt.
Foto: Stefan Julius Galerie (7 Bilder) Galerie (7 Bilder) Galerie (7 Bilder) Galerie (7 Bilder) Galerie (7 Bilder) Galerie (7 Bilder) Galerie (7 Bilder)
Thomas Schmidt ist diesmal auf dem Ziegenhof Warnke bei Lindau. Auch unter Ziegen wird rumgezickt, meistens geht es dabei um das Futter.
 
Lindau (ts).
Jeder kennt sicherlich den Ziegen-Peter aus dem Kinderbuch "Heidi", ich kenne Ziegenpeter auch noch als typische Kinderkrankheit. Doch von beiden ist bei meinem heutigen Besuch nichts zu spüren. Heute darf ausnahmsweise mal ordentlich gemeckert werden. Also Rumzicken erlaubt - und somit bin ich heute als Praktikant und Stallbursche auf dem Ziegenhof Warnke in Lindau bei Zerbst.

Schon von der Straße aus hört man das Gemecker der Ziegen. Hatte mich in der vergangenen Woche noch jede Menge landwirtschaftliches Hightech geflasht, bin ich hier auf dem Ziegenhof wieder in der ländlichen Idylle angekommen. Doch bisher war eines immer gleich, Arbeiten mit Tieren auf dem Lande ist vor allem etwas für Frühaufsteher. Da haben wir ja Glück, dass wir im Land der Frühaufsteher unterwegs sind. Im Eingangsbereich empfängt mich schon die Besitzerin des Ziegenhofes Bärbel Warnke. Ein kurzer Blickkontakt reicht und Frau Warnke weiß genau, was mir um diese frühe Uhrzeit fehlt - ein Muntermacher – stark, nein sehr stark koffeiniert. Auch bei den Warnkes geht es zeitig los. Ganz genau 6 Uhr ist das Melken der gut 40 Ziegen angesagt.

Ob ich dabei auch rumgezickt habe, dazu später mehr. Als Erstes ist natürlich eine Streicheleinheit für den Hof- und Wachhund Louis angesagt. Immerhin hatte er mich lautstark angekündigt, daher benötigen die Warnkes auch keine Klingel.

Die Warnkes, das sind Bärbel und Reiner Warnke. Die Eheleute betreiben den Ziegenhof zu zweit bereits seit 2001. Ein typischer Familienbetrieb.

Nach dem Kaffee geht es los, genau in die Richtung, aus der schon kräftig und lautstark gemeckert wird. Im Ziegenstall umkurven einige Tiere die Tiere, die sich noch in der frühen Morgenstunde ausruhen oder ausruhen wollen. Neugierig erkunden sie jede Ecke des Stalls. Was mich verwundert, eigentlich sollten sie doch jede dieser Ecken schon bestens kennen.

Die Ziegen scheinen sich in ihrer Behausung wohlzufühlen, denn es ist hell und alle haben ausreichend Platz und vor allem auch Zugang zum Außengehege. Es gibt verschiedene Gehege, so unter anderem für Zicken, Schafe, Böcke und Lämmer. Naserümpfen ist nicht, im Stall duftet es nach Heu und Stroh. Über eine Art Zulauf mit Rampe gelangen die Tiere in den Melkstand. Dort wird noch ordentlich Hand ans Ziegeneuter angelegt. Mit frisch gewaschenen und desinfizierten Händen versuche ich mich im Melken.

Die Zicke, Entschuldigung, die Ziege zickt ein wenig rum und stampft abwechselnd mit ihren Hinterbeinen kräftig auf. Das erfreut Bärbel Warnke sichtlich. Grinsend schaut sie mir zu, denn sie kennt die Prozedur. Ich muss dabei wahnsinnig aufpassen, dass der Melkeimer nicht umkippt. Mit etwas Kraftfutter beruhige ich das Gemüt der Ziege und schon kommt der Milchfluss in Gang. Gemolken wird maschinell, zweimal täglich und jede Ziege gibt in etwa zwei Liter Milch. Natürlich will ich die frische Ziegenmilch auch kosten.

Etwas fragend schaue ich Bärbel Warnke an, die lächelt und etwas zögerlich setze ich die kleine Schöpfkelle an. Bloß keine Schwäche zeigen! Skeptisch nehme ich einen großen Schluck der Ziegenmilch und sie schmeckt entgegen aller landläufigen Vorurteile nicht nach Ziege. So gesehen hat sich die „Überwindung“ gelohnt.

Die Milch wird dann später zu solchen Köstlichkeiten wie Kräuterkäse mit Basilikum oder Knoblauch, Schnittkäse oder Weichkäse verarbeitet. 

Nach knapp zwei Stunden sind alle Ziegen gemolken, der Melkstand gereinigt und die Milch auf 4 °C Grad gekühlt. Das lautstarke Gemecker verrät mir, die Tiere haben nun großen Hunger. Ich muss nun ordentlich Heu in die Futterraufen verteilen, und weil ich heute zu Gast bin, habe ich noch ein Schmankerl in Form von getrocknetem Brot dabei.

Kaum im Ziegenstall angekommen, stößt dieses besondere Bonbon auf mehr als überschwängliches Interesse. Nullkommanichts bin ich von gut 40 Ziegen umzingelt und nur mit Mühe kann ich mich auf den Beinen halten. Bevor ich nur ein Stück Brot aus dem Eimer bekomme, ist dieser schon ratzeputz leer.

Zum Glück muss heute nicht ausgemistet werden, denn wie Bärbel Warnke verrät, ist das schon eine schweißtreibende Prozedur. Sie erklärt mir auch, dass der anfallende Mist zur Düngung auf die Felder gebracht wird. Quasi ein ökologischer Kreislauf. Die Tiere sind im Sommer täglich auf der Weide, den Winter verbringen sie im luftigen Stall.

Die Melksaison geht im Übrigen von Ende Februar, wenn die Lämmer da sind, bis November. Für mich geht es jetzt erst einmal weiter, da die Fütterung der anderen Tiere ansteht. Denn neben den Ziegen halten die Warnkes auch noch Schafe, Schweine, Kaninchen und Hühner.

Die Kaninchen bekommen natürlich ebenfalls eine extra Streicheleinheit, denn ich mag die Langohren. Doch allzu viel Zeit bleibt dafür nicht. Nach dem Melken und Füttern geht es gleich weiter in die Käserei, selbstverständlich auch hier nicht ohne vorherige gründliche Reinigung und Desinfektion.

Bärbel Warnke erklärt mir, dass sich die Herstellung von Ziegenkäse praktisch in fünf Schritte gliedert. 

Das Dicklegen: Nach dem Melken wird die Milch pasteurisiert. Nach der Zugabe von Milchsäure und Lab gerinnt die Milch. Die dick gelegte Milch wird mit einer Käseharfe in Würfel geschnitten. Nach weiteren Arbeitsschritten kann die Molke abgelassen und zurück bleibt der Käsebruch. Je nach Käsetyp sind eine andere Temperatur und eine Zugabe von Milchsäuren notwendig. Die Molke wird bei der Käseherstellung nicht weiterverwendet.
 
Das Formen: In diesem Schritt wird die Käseform festgelegt. Der Käse wird von Hand in perforierten Abtropfbehältern geformt.

Das Abtropfen und Trocknen: Der Käse bleibt nun weitere 24 Stunden liegen, damit die letzten Molkereste abtropfen können.

Das Salzen: Salz ist eine für den Geschmack und die Haltbarkeit des Käses sehr wichtige Zutat. Das Salz wird auf den geformten Käse aufgebracht.

Das Reifen: Für Käse, die nicht als Frischkäse verzehrt werden, beginnt nach dem Abtropfen der Reifeprozess. Die frisch geformten Käse werden in einem kühlen, gut belüfteten Raum auf Gitter gelegt und regelmäßig von Hand gewendet. Der Käseteig wird dabei immer fester und reift.
 
Anschließend gelangt der köstliche Ziegenkäse in all seinen Sorten und Varianten im kleinen Hofladen nebenan. Dort verkoste ich dann auch einige Sorten des leckeren Ziegenkäses. Und wieder stelle ich fest, es schmeckt nichts nach Ziege, nein, es schmeckt einfach nur lecker.

Dann weißt mich Bärbel Warnke noch auf ein zweites Standbein hin. Die Herstellung des Ziegenkäses ist relativ aufwendig und teuer. Um über die Runden zu kommen, versucht man mit Projekten und Festivitäten auf sich aufmerksam zu machen. Ich kann bestätigen, dass diese Arbeit ein hartes Dasein ist.

Mir tut an diesem Tag der Rücken ganz schön weh und ich bin froh, dass ich meinen Praktikumstag geschafft habe. Das nächste Event ist das Schlachtefest am Sonntag, den 26. Februar von 11 bis 15 Uhr. Dort gibt es deftiges Essen aus dem Schlachtekessel. Am letzten Märzwochenende, 25. bis 26. März, jeweils in der Zeit von 13 bis 16 Uhr, gibt es einen weiteren Höhepunkt. Dann können vor allem Kinder die kleinen Lämmchen bewundern, streicheln und sich als Höhepunkt an der Namensgebung beteiligen.

Auch zu Ostern ist auf dem Ziegenhof allerhand los. Am Ostersamstag, Ostersonntag in der Zeit von 11 bis 17 Uhr und am Ostermontag in der Zeit von 14 bis 17 Uhr warten die Ziegen- und Osterlämmchen, der Hasennachwuchs und die Osterküken auf jede Menge Streicheleinheiten, verbunden mit einem Osterprogramm. Weitere Infos gibt es unter www.ziegenhof-warnke.de
 

Mein persönliches Fazit:

Es gibt jeden Tag etwas Neues zu entdecken und es wird jeden Tag in einigen Ecken gemeckert. Tierwirtin oder Tierwirt in Richtung Ziegenzucht, -haltung und -verarbeitung wird, wer Tiere nicht nur liebt, sondern für diese auch Verantwortung übernimmt. Hierbei achtet man besonders darauf, dass die Tiere artgerecht gehalten werden. Die Tiere benötigen genügend Auslauf und einen sauberen Stall. Verfüttert wird nur sorgfältig kontrolliertes Futter in festgelegten Mengen. Dieser Beruf ist nichts für Langschläfer, hier gilt der Grundsatz: „Morgenstund´ hat Gold im Mund“ oder „Der frühe Vogel fängt den Wurm“. Man darf sich vor allem nicht vor harter Arbeit scheuen, sollte besonders gut anpacken können sowie den Umgang mit Schaufel, Mistgabel, Schubkarren und Besen nicht scheuen. Auch eine gute Beobachtungsgabe der Tiere, gerade wenn es ihnen mal nicht so gut geht, ist wichtig.
 

Der Ziegenhof Warnke in Lindau:

Der Ziegenhof Warnke ist ein Familienbetrieb in zweiter Generation und liegt am westlichen Rand des Flämings. Dort haben sich die Warnkes auf die Haltung und Nutzung von Ziegen spezialisiert, bewirtschaften Grünland und halten Milchziegen, einen Zuchtbock, Schafe, Schweine, Pferde, Kaninchen, Hühner und Enten. Im Hofladen bietet man die Produkte des Bauernhofes an.

Dazu gehören Ziegenmilchprodukte aller Art, saisonal Wurst von Ziegen und Schweinen, frische Hühnereier aus der Freilandhaltung, Saisonprodukte aus dem Hofgarten. Auch Käseplatten für Veranstaltungen können bestellt und geliefert werden.

Darüber hinaus gibt es Hofführungen mit Käseverkostung, Käseabende an einer rustikalen Festtafel und Seniorennachmittage. Für Schulen führt der Ziegenhof gern Wandertage mit pädagogischem Rahmenprogramm rund um den Hof durch.

Kommentar schreiben
Name:
Ort:
Kommentar:
  Ja, ich habe die Hinweise zu Kommentaren auf unserer Website gelesen und akzeptiert.
Eingabeverifizierung: Schreiben Sie die untenstehende Ziffern- / Buchstabenkombination in das folgende Feld. Dadurch wollen wir dazu beitragen, unerwünschten E-Mails und automatischen Versendern keine Verbreitungsmöglichkeit zu bieten.
 
 
Wittenberg sucht den Wonneproppen 2019 Wittenberg sucht den Wonneproppen 2019 Nach dem Corona-Shutdown startet jetzt der Wochenspiegel Wittenberg die Wonneproppen-Fotoaktion   ...
Anzeige
Sag Ja!
Geschäftsstelle und Servicepunkt Wittenberg wegen Corona geschlossen Geschäftsstelle und Servicepunkt Wittenberg wegen Corona geschlossen Zum Schutz von Kunden und Mitarbeitern bleibt der Servicepunkt von Mitteldeutscher Zeitung, Wochenspiegel und Super Sonntag ab sofort für den...
Anzeige
Ein neues Lutherpaar wird gesucht Ein neues Lutherpaar wird gesucht In den kommenden Wochen werden die Bewerber im Super Sonntag vorgestellt. Es ist egal, ob die Bewerber aus Wittenberg, aus anderen Lutherstädten oder...
Anzeige
Trauerportal