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Wochenspiegel > Wittenberg > Aktionsjahr: Typisch Sachsen-Anhalt > Luther überall erlebbar machen >
Wolfgang Gorsboth Wolfgang Gorsboth
aktualisiert am 29.01.2014 um 22:59:48

Luther überall erlebbar machen

Kirchmeister Bernhard Naumann als Luther vor der Thesentür an der Schlosskirche: Hier schlug „das Original“ am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel an.
Kirchmeister Bernhard Naumann als Luther vor der Thesentür an der Schlosskirche: Hier schlug „das Original“ am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel an.
Foto: Wolfgang Gorsboth Galerie (1 Bild)
Typisch: Bernhard Naumann lächelt für Sachsen-Anhalt.

Wittenberg (wg)
. Der Kirchmeister an der Stadtkirche Sankt Marien hat eine besondere Leidenschaft: Bernhard Naumann gibt den Reformator Martin Luther fast immer und überall. Wenn er den schwarzen Talar anzieht und sich das schwarze Barett auf den Kopf setzt, luthert es mächtig und bisweilen auch laut in den Straßen der historischen Altstadt - und anderswo. „Wer sich laut und verständlich äußert, findet bei den Menschen Gehör“, sagt Naumann einen Satz, den auch Luther vor beinahe 500 Jahren gesagt haben könnte.

Das Gewand als „Luther-Outfit“ sowie die authentisch wirkende Sprache und Gestik weisen Naumann für Touristen, Einheimische und auch bei „Auswärtsspielen“ unverkennbar als „Bruder Martin“ aus. So wie er die Rolle anlegt und die Sprache von damals nachahmt, erfüllt er die Erwartungshaltungen seines Publikums perfekt.

Ein ausgefeiltes Drehbuch benötigt er dafür nicht, er kann Vieles dem Zufall und der spontanen Interaktion mit dem Publikum überlassen. Denn Naumann hat sich intensiv mit Luthers Leben und Werk auseinandergesetzt, hat sich mit seinem Charakter befasst, kennt nahezu alle originalen Luther-Zitate und hat daraus sein Motto geformt: „Es reicht nicht, als ‚historischer Kleiderständer’ durch die Straßen zu gehen, sondern man muss den Luther vom Sockel holen und ihn erlebbar machen.“

Er luthert auch für Prominente

Der Kirchmeister kennt seinen Luther bestens. Ein Beispiel: Als er vor einigen Wochen Zwinglianer durch die Stadt führte, hat er Luthers Standpunkt zur Abendmahlslehre vertreten und die Gäste aus der Schweiz in eine anregende Disputation verwickelt. Auch Konfirmandengruppen, die in großer Zahl in der Lutherstadt weilen, stellen ihrem „Bruder Martin“ gern Fragen mit theologischem Hintergrund – und er kann sie alle zur Zufriedenheit der Gäste beantworten.
Naumann hat als Luther für seine Heimatstadt schon Ministerpräsidenten, Premierminister, Botschafter und viele andere Prominente begrüßt. „Als der damalige Bundespräsident Johannes Rau uns besuchte und ich nicht wusste, wie ich ihn anreden sollte, habe ich in ihn einfach mit ‚Bruder Johannes’ angesprochen“, erinnert sich Naumann schmunzelnd. Was er damals aber nicht wusste: „Bruder Johannes“ war ein in den Altbundesländern geläufiger und bisweilen spöttisch gemeinter Spitzname Raus.

Naumann hat als „Luther“ sowohl die Stadt Wittenberg als auch das Land Sachsen-Anhalt bereits auf bedeutenden Messen wie die ITB oder die Grüne Woche in Berlin vertreten, ebenso in Botschaften zu Gedenktagen wie dem Tag der Deutschen Einheit sowie auf Kirchentagen. Als Luther lächelt er zudem von zahlreichen Image-Broschüren und Tourismus-Prospekten, die für einen Besuch in Sachsen-Anhalt, dem Kernland der Reformation, werben.

Entdeckt bei „Luthers Hochzeit“

So unverwechselbar Naumann heute „seinen“ Luther darstellt, der Weg dorthin war eher zufällig. 1955 geboren, studierte Naumann nach dem Abitur am Melanchthon-Gymnasium Gartenbau an der Humboldt-Universität in Berlin und arbeitete danach in Eisleben im Obstbau, wo er für das Kühllager zuständig war, dem größten damals in der DDR. In Eisleben wurde Luther 1483 geboren, dort starb er auch 1546. In Eisleben wie später auch in Wittenberg hat Naumann einen Stadtführer-Lehrgang absolviert.

Im Zuge der Wende ging er wieder zurück nach Wittenberg. Hier ist er seit 1998 Vorsitzender des Heimatvereins. Und hier ist es Tradition, dass das Luther-Paar zum großen Wittenberger Stadtfest „Luthers Hochzeit“ immer von anderen Personen verkörpert wird. 1997 bewarb sich Naumann bei der Jury, und wurde auf Anhieb verpflichtet: „Als evangelischer Christ und als historisch interessierter Mensch hat mich die Luther-Rolle gereizt.“

Als Luther auch beim Expo-Jahr

Weil er diese Rolle so außergewöhnlich gut verkörperte, durfte er den Luther auch 1999 aus Anlass des Katharina von Bora-Jahres sowie 2000 beim Expo-Jahr darstellen. Daraus entwickelte sich diese Rolle als Selbstläufer, immer wenn Luther als berühmtester Sohn der Stadt Wittenberg gefragt war, schlüpfte Naumann in das schwarze Gewand.

Zum Reformationsjubiläum 2017 wird Naumann Hochkonjunktur haben. Das Jubeljahr dürfe jedoch nicht zum Trubeljahr werden, die Inhalte seien wichtig: „Die Reformation ist nicht nur prägend für die Kirchen sondern auch für Demokratie, Wirtschaft, Kultur, Kunst und Ethik. Es geht um den Aufbruch in die Moderne, diesen Aufbruch gilt es 2017 nachzuvollziehen und weiterzuentwickeln mit Blick auf die drängenden Fragen des 21. Jahrhunderts“, sagt Naumann.

Viele Gäste aus aller Welt werden kommen, die Wittenberger müssten gute und weltoffene Gastgeber sein. Damit dies gelinge seien noch Anstrengungen erforderlich. „Wenn 2017 gut läuft, wird Wittenberg auch in den Folgejahren eine gute Adresse für hochkarätige Veranstaltungen sein, werden viele Besucher zu uns kommen. Davon wird die ganze Stadt profitieren.“



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