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Wochenspiegel > Wittenberg > Aktionsjahr: Typisch Sachsen-Anhalt > ​Die Hundertwasserschule ist bunt, rund und grün >
Wolfgang Gorsboth Wolfgang Gorsboth
aktualisiert am 05.02.2014 um 19:17:48

​Die Hundertwasserschule ist bunt, rund und grün

Das Luther-Melanchthon-Gymnasium ist als Hundertwasserschule ein Glanzlicht, das aus den üblichen Schablonen ausbricht und für den Wandel in Sachsen-Anhalt steht Das Luther-Melanchthon-Gymnasium ist als Hundertwasserschule ein Glanzlicht, das aus den üblichen Schablonen ausbricht und für den Wandel in Sachsen-Anhalt steht
Foto: Wolfgang Gorsboth Galerie (2 Bilder) Galerie (2 Bilder)
Typisch Sachsen-Anhalt: Lernen im fantasievollen Musentempel

Wittenberg (wg)
. Hier wachsen Bäume aus den Fenstern, glänzen goldene Kugeln auf dem Dach und sind die Fenster rund. Touristen kommen, sehen und staunen über das „Wunder“ von Wittenberg: Dieses Gebäude ist keine gewöhnliche, sondern eine einmalige Schule: Die Hundertwasserschule, ein besonders gelungenes Beispiel, wie ein trister Plattenbau komplett sein Gesicht verändern kann und damit auch ein sichtbares Symbol ist für den Wandel in Sachsen-Anhalt. Erbaut wurde die Schule 1975 als einfacher Plattenbau vom Typ Erfurt II, ein trister Klotz, der nach der Wende saniert werden musste. 

„Die Ideen dazu entwickelten die Schüler“, erklärt Schulleiter Michael Sandau, der im Frühjahr 1993 an das mitten im Neubaugebiet gelegene Gymnasium kam. Es gab einen Schülerwettbewerb mit der Frage: „Wie würdet ihr eure Schule gestalten, damit es Spaß macht, hier zu lernen und zu leben?“ Die Entwürfe und Skizzen zur Wunschschule wurden gesammelt und ausgewertet. „Die Kinder hatten ihrer Fantasie freien Lauf gelassen, dabei kristallisierten sich drei Grundideen heraus“, erinnert sich Sandau. „Die Schule sollte rund, bunt und grün im Sinne von ökologisch sein.“ Dadurch sei schnell der Name des österreichischen Künstlers Friedensreich Hundertwasser (1928-2000) ins Spiel gekommen. 

Das Schülerparlament schickte einen Brief an „Friedensreich Hundertwasser, Wien“, und der Brief kam im doppelten Sinne an – postalisch und beim Meister, der sich spontan für das Projekt begeisterte. Eine Schule ohne Ecken und Kanten fand der Künstler viel menschlicher als das triste Relikt aus DDR-Zeiten. Schulleiter Sandau und die damalige Kulturdezernentin des Kreises Gisela Kummetz fuhren im Dezember 1993 nach Wien mit den Entwürfen der Schüler im Gepäck. Der forsche Vorstoß blieb nicht ohne Folgen: Der ansonsten menschenscheue Künstler nahm sich für die Gäste aus Wittenberg fünf Stunden Zeit und versprach sogar, honorarfrei zu arbeiten. 1994 legte er einen ersten Entwurf zum Umbau der Plattenbauschule vor, inspiriert durch die Schülerzeichnungen.

Ein Projekt für die Expo

Als sich der Kreistag dann per Grundsatzentscheidung zum Hundertwasser-Projekt bekannte, war auch die politische Hürde genommen. Die menschliche Schule nach dem Entwurf Hundertwassers begeisterte aber nicht nur Schüler, Lehrer und Eltern, sondern auch das Expo-Kuratorium von Sachsen-Anhalt: Die Region zwischen Wittenberg, Dessau und Bitterfeld war Korrespondenzstandort der Weltausstellung Expo 2000. Unter dem Motto „Mensch, Natur, Technik“ wurden interessante Projekte gesucht, Projekte, die das Ende der Weltausstellung im Sinne der Nachhaltigkeit überdauern würden.

„Die Aufnahme als Expo-Projekt im November 1995 stellte endgültig die Weichen zur Realisierung unserer Wunschschule“, so Sandau. Knapp 4,5 Millionen Euro standen für Umbau und Sanierung zur Verfügung und am 21. November 1997 rollten die ersten Baufahrzeuge auf den Schulhof. Anstelle des traditionellen Richtfestes setzten die Bauarbeiter dem Gebäude sprichwörtlich die Krone auf: Die sogenannte Fruchtkapsel, ein typisches Hundertwasser-Element, dessen bauchiger Zylinder verkupfert ist und einen blau-goldenen Anstrich erhielt.

Schule als Lebensraum

Am 29. Mai 1999 wurde das Gymnasium feierlich wiedereröffnet, entstanden war nicht nur ein Gebäude, welches das gesamte Wohngebiet städtebaulich aufwertete, sondern ein neuer „Lebensraum“ Schule. Eine Schule, die auch als freundlicher Protest gegen Einförmigkeit und Einfallslosigkeit der Architektur verstanden werden kann. So gleicht keines der circa 450 Fenster dem anderen, sie sind rund, oval oder eckig, rot, gelb oder weiß. Allein die farbenfrohe Fassade ist eine Augenweide. Aus einigen Fenstern wachsen Bäume, die Dächer sind begrünt und die goldenen Kugeln auf den blauen Türmen verheißen Märchenhaftes.

Auch Inhalte reformiert

„Der Status Hundertwasserschule ist ein großes Pfund, mit dem unsere Einrichtung wuchern kann, er ist aber genauso eine große Verpflichtung“, betont der Schulleiter. Reformierte und erneuerte Inhalte erfüllen die neue Hülle mit Leben: Toleranz und Weltoffenheit werden hier groß geschrieben, denn das Luther-Melanchthon-Gymnasium ist seit 1994 als Europaschule anerkannt. „Die Werte, die wir vermitteln, setzen voraus, dass Menschen miteinander reden, dies kann man nur, wenn man Fremdsprachen beherrscht“, erklärt Sandau.

Am LMG können die Schüler Englisch, Russisch, Spanisch und Latein als Fremdsprachen lernen, überdies unterhält das LMG vielfältige Schulpartnerschaften mit gegenseitigen Besuchen unter anderem nach Dänemark, Frankreich, Slowakei, Tschechien, Finnland und Schweden. Ein weiterer Schwerpunkt ist die künstlerisch-kreative Ausbildung. Mit der Hundertwasserschule haben sich die Schüler ihren Traum verwirklicht. Kinder und Jugendliche lernen und leben in einem Musentempel. 

Es war das erste Hundertwasserhaus, das in den neuen Bundesländern entstand und ist bis heute die einzige Schule, die vom bis heute populären Weltkünstler Hundertwasser je gestaltet wurde. In Wittenberg wandeln die Besucher nicht nur auf den Spuren von Luther, Melanchthon und Cranach, sondern auch auf denen des österreichischen Malers und Erneuerers der Architektur - eben typisch Sachsen-Anhalt.


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