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Wolfgang Gorsboth Wolfgang Gorsboth
aktualisiert am 19.02.2014 um 15:18:06

Neues Leben in alten Höfen

Eva-Löber neben dem Cranach-Denkmal auf dem Hof in der Schlossstraße: Die Vorsitzende der Stiftung und des Fördervereins wurde für ihr Engagement um den Erhalt der Cranach-Höfe mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Eva-Löber neben dem Cranach-Denkmal auf dem Hof in der Schlossstraße: Die Vorsitzende der Stiftung und des Fördervereins wurde für ihr Engagement um den Erhalt der Cranach-Höfe mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Foto: Wolfgang Gorsboth Galerie (3 Bilder) Galerie (3 Bilder) Galerie (3 Bilder)
Wo Kunst und Bürgersinn eine gelungene Verbindung eingehen

Cranach: 25 Jahre Bürgerinitiative und 20 Jahre Stiftung.

Wittenberg (wg).
Wittenberg könnte auch Cranach-Stadt heißen, denn neben den Reformatoren Luther und Melanchthon genießt auch Lucas Cranach d. Ä. Weltruf, gilt er doch als einer der erfolgreichsten Maler des 16. Jahrhunderts. Zunehmend gerät auch sein Sohn in den Fokus kunsthistorischen Interesses, der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise hatte ihn zum Hofmaler berufen, 40 Jahre blieb Cranach in der Stadt. Sein Sohn übernahm später die Werkstätten und festigte den Ruf der Künstlerfamilie in Wittenberg.
Dass heute in den Cranach-Höfen der Glanz vergangener Jahrhunderte dem Betrachter entgegen strahlt, ist fast ein Wunder, denn zu DDR-Zeiten ließ man beide Kulturschätze verfallen. 

Proteste von Bürgern um Pfarrer Friedrich Schorlemmer zum Parteitag 1986 blieben ungehört. „Es gab keine Antwort, aber eine Einladung an Herrn Schorlemmer in den Rat des Kreises“, erinnert sich Eva Löber, Vorsitzende der Cranach-Stiftung. Im Zuge des Wendeherbstes 1989 wurde der Ruf nach Rettung der historischen Höfe lauter: „Beim Gebet um Erneuerung haben wir am 7. November 1989 in der Schlosskirche einen Aufruf zur Rettung der Cranach-Höfe verlesen.“ Unter dem Motto „Wo Häuser verkommen, verkommen auch Menschen“, begannen in eigener Regie die ersten Beräumungs- und Sicherungsarbeiten, um die wertvolle Bausubstanz zu retten. 

Geld wurde gesammelt, ein Grundstein für den im Februar 1990 gegründeten Förderverein sowie der 1994 zusammen mit der Stadt gegründeten Bürgerstiftung. „Unser Ziel war, aus den Cranach-Höfen ein Kunst- und Kommunikationszentrum zu machen“, berichtet Löber. Heute ist das Ziel erreicht, „dank des bürgerschaftlichen Engagements und der guten Zusammenarbeit mit der Stadt Wittenberg“, betont die Stiftungsvorsitzende. Der Stadtratsbeschluss von 1991, beide Höfe in den Besitz der Stadt zu übernehmen, war Voraussetzung für die umfangreichen Restaurierungsmaßnahmen.

Nationale Kulturdenkmale

„Ohne diesen Kauf hätten wir hätten keine Chance gehabt, unsere Visionen umzusetzen“, so Löber. Beide Objekte gehörten im Zuge von Rückführungsansprüchen westdeutschen Besitzern, denen man weder Nutzungszwecke noch eine perfekte denkmalgerechte Sanierung hätte vorschreiben können. Als 1994 die Lutherstätten in Wittenberg zum Weltkulturerbe deklariert wurden, blieben die Cranach-Höfe außen vor, sie waren noch Ruinen. Inzwischen erfolgte ein Antrag auf Aufnahme als Weltkulturerbe für die 2007 als „Kulturdenkmale von nationaler Bedeutung“ anerkannten Höfe.

In der „Baustelle Cranach“ wurde von Anfang an Kultur gemacht und bereits 1991 die erste Ausstellung in einer kleinen Galerie gezeigt. Die Nutzung der Cranach-Höfe war selbstverständlich geworden, noch bevor sie saniert waren. Auch dies habe Bund und Land überzeugt, Fördermittel zu geben. Im Zuge der Restaurierung wurde vom Altbestand so viel wie möglich erhalten, Veränderungen zu DDR-Zeiten zurückgebaut. Wer heute die Höfe besucht, bekommt eine Vorstellung davon, wie sie damals genutzt wurden: Maler, Bildschnitzer, Formenschneider waren hier tätig.

Kulturelles Zentrum

In den liebevoll restaurierten Höfen gibt es Werkstätten hiesiger Künstler und Kunsthandwerker, Künstler-Café, der Malerei- und Grafikverein, der Verein Wittenberg-Kultur, das Zentrum für Predigtkultur, Architektenbüros, die Deutsch-Russländische Gesellschaft, Apotheke, Herberge, Hofwirtschaft, eine historische Druckerstube sowie der Malsaal als Ort für kulturelle Veranstaltungen. Neben der Dauerausstellung zu Leben und Wirken Cranachs gibt es wechselnde Sonderausstellungen.

Und es gibt die Malschule, ein Korrespondenz-Projekt der Weltausstellung Expo 2000: Hier werden Kinder und Jugendliche von freischaffenden Künstlern angeleitet. „Die musisch-künstlerische Ausbildung in den Schulen kommt viel zu kurz“, kritisiert Löber, „obwohl sie für die Entwicklung der Kinder mit Blick auf die spätere Lebensgestaltung so wichtig ist.“

Cranach-City 2015

Trotz 25 Jahre Bürgerinitiative und 20 Jahre Cranach-Stiftung wird 2014 nicht nur ein Jahr des Rückblicks sein, vielmehr wird auf 2015 geschaut, wenn der 500. Geburtstag Cranachs d. J. gefeiert wird. Bestandteil der großen Landesausstellung ist das Projekt „Cranach-City“, das mit vielen Teilprojekten aus der Bürgerschaft Geschichte und Gegenwart verbinden will. Daran beteiligt ist auch die Cranach-Stiftung, unter anderem mit einem internationalen  Künstlerwettbewerb sowie der Überarbeitung der Dauerausstellung. 2015 wird die Lutherstadt zumindest für ein Jahr zur „Cranachstadt“, typisch Sachsen-Anhalt eben.



 

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