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Wochenspiegel > Wittenberg > Aktionsjahr: Typisch Sachsen-Anhalt > Leidenschaft für Natur und Tiere >
Wolfgang Gorsboth Wolfgang Gorsboth
aktualisiert am 23.04.2014 um 20:33:23

Leidenschaft für Natur und Tiere

 Petra Henkelmann und ihre beiden Töchter Emelie (r.) und Johanna. Petra Henkelmann und ihre beiden Töchter Emelie (r.) und Johanna.
Foto: Wolfgang Gorsboth Galerie (2 Bilder) Galerie (2 Bilder)
Studierte Landwirtin kämpft für ihre Einrichtung im Stadtwald

Seit 15 Jahren ist das Nabu-Zentrum für Petra Henkelmann ein zweites Zuhause.

Wittenberg (wg)
. Ohne Petra Henkelmann würde es das Nabu-Zentrum im Stadtwald mit den Tiergehegen, dem Naturlehrpfad, Aktionen und Informationen rund um Natur- und Artenschutz, den Projekttagen für Kinder und Jugendliche sowie dem Kinderspielplatz wohl nicht mehr geben. Tausende von Naturfreunden und Erholungssuchenden, Schulklassen und Kindergartengruppen nutzen jährlich die Anlagen, zu denen auch Wanderwege, Schutzhütten und ein Grillplatz gehören.

Für Petra Henkelmann ist das Nabu-Zentrum seit 1999 ein zweites Zuhause: Sie ist jeden Tag hier, von Montag bis Sonntag, denn die Tiere müssen gefüttert, die Gehege sauber gehalten, regelmäßig Reparaturarbeiten durchgeführt, die Wege gepflegt und das Tierfutter besorgt werden. Überdies erledigt sie den ganzen Bürokram, kümmert sich um Öffentlichkeitsarbeit und beantragt Fördermittel. Ein Vollzeitjob, auch an Feiertagen, den Henkelmann mit großem Engagement ausübt, oft genug auch ohne Lohn, wenn wieder einmal Gelder fehlen: „Wenn mir diese Arbeit nicht so viel bedeuten würde, hätte ich wohl längst aufgegeben“, gesteht die 47-Jährige. Studiert hat die Wittenbergerin Landwirtschaft an der Humboldt-Universität Berlin. Mit der Wende machte sie ihr Diplom, es gab Arbeitangebote von Betrieben sowie von der Universität die Offerte, als Versuchsstellen-Leiterin zu arbeiten und parallel ihre Doktorarbeit zu schreiben. 

Doch nach 1990 wurden überall in der Landwirtschaft Stellen abgebaut, Doktoranden mussten sich selber um die Finanzierung kümmern. Mit ihrem Diplom stand sie auf der Straße, war außerdem schwanger. Auch eine Anpassungsmaßnahme des Arbeitsamtes für arbeitslose Akademiker (Betriebswirtschaft, EDV) brachte beruflich keinen Erfolg. 1993 konnte sie bei der Naturschutzbehörde des Landkreises anfangen, aber auch dort herrschte Einstellungsstopp, beschäftigt wurde sie bis 1997 über ABM. „Über die Arbeit bei der Naturschutzbehörde kam ich zum Nabu“, berichtet Henkelmann. Wieder gab es eine ABM, diesmal im Schulumweltzentrum, dem heutigen Naturgarten „Vergissmeinnicht“.

Als sich 1998 der Verein Stadtwaldfreunde auflöste, suchte die Stadt als Eigentümerin einen Nachfolger für die Bewirtschaftung des Areals. Mit dem Nabu wurde ein Kooperationsvertrag mit fester Fördersumme abgeschlossen. Weil Petra Henkelmann für den Stadtwald eine zukunftsfähige Pflege- und Entwicklungskonzeption erarbeitet hatte, bekam sie die Stelle als leitende Mitarbeiterin. Der Vollzeitjob im Nabu-Zentrum begann vor 15 Jahren im Frühjahr 1999, doch 2004 fiel der Vertrag der Stadt den Einsparungsvorschlägen der Wibera-Studie zum Opfer. „Es gab damals nur zwei Möglichkeiten, entweder wir schließen das Zentrum oder wir betreiben es ehrenamtlich weiter“, so Henkelmann. Obwohl arbeitslos, war sie wieder jeden Tag vor Ort, durchschnittlich 50 Stunden pro Woche, im Sommer oft noch länger. 2005 bekam sie eine weitere Tochter: „Drei Stunden bis vor der Geburt habe ich im Nabu-Zentrum gearbeitet“, sagt sie. Auch während des Mutterschaftsurlaubs engagierte sie sich ehrenamtlich weiter, ebenso nach 2006, als ihre vierte Tochter geboren wurde.

Über das Programm „Stärken vor Ort“ erarbeitete sie das Konzept für einen Waldkindergarten und absolvierte eine Weiterbildung zur Naturkindergärtnerin. Bezahlt wurden vier Stunden pro Tag, gearbeitet hat sie wesentlich mehr, denn auch in dieser Zeit betreute sie den Stadtwald. „Ohne die vielen anderen ehrenamtlichen Helfer wäre dies nie zu schaffen gewesen, das gilt bis heute“, betont Henkelmann. Groß sei auch die Unterstützung aus der Nachbarschaft.
2012 bot die Stadt dem Nabu wieder einen Vertrag mit Förderung an, seitdem arbeitet sie auf Basis eines 30-Stunden-Honorars. Zu betreuen sind 90 Hektar Stadtwald sowie die Gehege mit rund 90 Tieren, verteilt auf 16 Arten. „Wo Tiere sind, kommen weitere dazu“, weiß Henkelmann. Die Feuerwehr bringt Tiere, ebenso das Ordnungsamt nach einer Zwangsräumung sowie Bürger, die sich um verwaiste Jungtiere oder verletzte Wildtiere sorgen. Spenden, Futter und Material für Reparaturen müssen besorgt, Ein-Euro-Jobber, Praktikanten und Ehrenamtliche in ihren Einsätzen koordiniert werden.

Ab dem 1. Mai wird die Leiterin des Nabu-Zentrums von vier Mitarbeitern über „Aktiv zur Rente plus“ unterstützt. Das stimmt sie erstmal positiv, wie es aber auf Dauer weitergeht, weiß auch Petra Henkelmann nicht: „Die Nordumfahrung schwebt wie ein Damoklesschwert über unsere Einrichtung. Wenn der Stadtwald zerschnitten wird und die Trasse direkt am Nabu-Zentrum vorbeiführt, dann sind Naturidyll, Ruhe und Erholung dahin.“ 




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