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Wochenspiegel > Unser Land > Der „Blaue Bernburger“ von der unteren Saale >
Mario Wetzel Mario Wetzel
aktualisiert am 26.04.2016 um 10:30:19

Der „Blaue Bernburger“ von der unteren Saale

Fast 100 Jahre lang geriet der Weinanbau rund um Bernburg fast in Vergessenheit. 
Dank Bernhard Gremler ist der Weinanbau heute wieder - wenn auch nur im kleinen, 
privaten Maßstab - in Bernburg und Umgebung keine Seltenheit mehr. Fast 100 Jahre lang geriet der Weinanbau rund um Bernburg fast in Vergessenheit. Dank Bernhard Gremler ist der Weinanbau heute wieder - wenn auch nur im kleinen, privaten Maßstab - in Bernburg und Umgebung keine Seltenheit mehr.
Foto: Thomas Weißenborn
Eigentlich zählen die Weinanbaugebiete an Saale und Unstrut oder an der Elbe bei Dresden zu den nördlichsten Europas. Doch ein paar Kilometer noch weiter nördlich, war der Weinanbau auch verbreitet. Und das jahrhundertelang. In der Gegend um Bernburg, an der unteren Saale, zeugen noch viele Namen und Bezeichnungen von dieser Tradition.

Straßennamen wie „Am Weinberg“, Rosinenberg, Kelterweg, Winzergasse oder „Am Felsenkeller“ sind keine Seltenheit und zeigen, dass hier Weinanbau betrieben wurde. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts. Es gab in der Region einmal 50 Hektar Weinberge, neun Winzereien, Kelteranlagen, eine Hofkellerei und eine eigene Rebschule. Im Jahr 1777 war in Bernburg eine neue Rebsorte herausgekommen.

Der Bernburger Apotheker, Weinhändler und begabte Rebenweinzüchter, Ludwig Bernhard Schultze, Prinzipal der Grünen Apotheke, hatte sie den Weinbauern zur Verfügung gestellt. Sie entstammt der amerikanischen Weingattung „Vitis labrusca“ und wurde 1806 erstmals mit Rebstöcken im herzoglichen Weinberg von Bernburg bildlich dargestellt. Über Gebrauchsbenennungen erhielt der Wein zuerst den Namen „Guter Blauer“. Zum Ende des Weinbaus in der Region um 1900 erhielt die Rebe dann die Bezeichnung „Blauer Bernburger Wein“.

Doch im Jahre 1911 wurde der letzte Weinberg in Bernburg geschlossen. Bis dahin hatten die Gebrüder Breitschuh noch Wein angebaut. Eine jahrhunderte alte Tradition fand ihr Ende. Fast 100 Jahre lang geriet der Weinanbau rund um Bernburg fast in Vergessenheit.

Dank Bernhard Gremler kann nun gesagt werden, dass es nur ein vorläufiges Ende war. Der Weinanbau ist heute wieder - wenn auch nur im kleinen, privaten Maßstab - in Bernburg und Umgebung keine Seltenheit mehr. Der Blaue Bernburger Wein hat die Jahre der Vergessenheit überstanden und überlebt.

Die erste Bekanntschaft mit dieser Rebsorte machte Bernhard Gremler vor rund 35 Jahren in seinem Kleingarten in Alsleben. Vom Nachbarn wuchs eine Rebsorte von enormer Vitalität zu ihm herüber. Der Nachbar wusste, dass es sich dabei um die alte Rebsorte des Blauen Bernburger handelte. Bernhard Gremler durfte zwei Fechser (eine Art Steckling) verwenden und baute von da an selbst die fast vergessen geglaubte Rebsorte an. Als er vor 18 Jahren nach Bernburg in den Friederikestift zog, nahm er wieder zwei Fechser mit. Dank ihrer Wuchskraft ist aus den zwei Pflanzen inzwischen eine grüne Oase entstanden. Der Wunsch war natürlich groß, aus den herrlichen Trauben auch Wein zu keltern. Im Jahr 2002 wurde auf Initiative von Bernhard Gremler der Stammtisch „Blauer Bernburger Wein“ gegründet. Bald darauf kam es zur Gründung des Bernburger Heimatkreises e. V. unter dessen Dach auch die Weinbaufreunde Bernburg - Untere Saale im Bernburger Heimatkreis e. V. tätig sind.

Zunächst wurden die Trauben nur in individueller Hauskelterung verarbeitet. Von einem Weinbaufreund aus Wolfen kam die Anregung, die Trauben zu einem Höhnstedter Winzer zu bringen. Im Jahr 2004 wurde hier wieder der erste Blaue Bernburger Wein seit über 90 Jahren professionell gekeltert. Rund 250 Kilogramm Trauben brachten die Weinanbauer aus Bernburg und Umgebung nach Höhnstedt zur Winzerei Hoffmann. Die Begeisterung wuchs von Jahr zu Jahr. Ebenso wie die Qualität des Weines.
Im Jahr 2008 wurden bereits 2.000 Kilogramm Trauben des Blauen Bernburger Weins in Höhnstedt gekeltert. Mehr wurde  vom Landwirtschaftsministerium nicht gestattet. Bald dürften es bereits 3.000 Kilogramm sein, freut sich Bernhard Gremler.
Um die gewünschte Qualität zu erreichen, gibt er sein Weinbauwissen gern an Andere weiter. Die Trauben brauchen volle Sonne, um einen optimalen Reifegrad zu erlangen, weiß er. Deshalb muss ein Teil des Laubes entfernt werden, damit die Sonne direkt auf die Trauben scheinen kann, erläutert er.

Vom Blauen Bernburger ist Bernhard Gremler total begeistert. Die Rebsorte ist auf natürliche Weise resistent gegen jede Pilz- und Schädlingsart. Pestizide sind nicht nötig. Was wir machen, ist reiner Bio-Weinanbau, schwärmt Gremler.

Somit erlebt der Blaue Bernburger eine regelrechte Re­­naissance: Zahlreiche Hobbywinzer pflanzen und pflegen die Weinstöcke und bringen den Wein zum Keltern.

Trotzdem gibt es einen Wermutstropfen. Dem Blauen Bernburger fehlt die weinrechtliche Anerkennung. Er darf nur für den Privatgebrauch angebaut und gekeltert werden. Handel und Verkauf sowie die Herstellung großer Mengen sind untersagt. Zahlreiche Anträge auf weinrechtliche Anerkennung sind in den letzten Jahren abgelehnt worden. Doch Bernhard Gremler ist optimistisch, dass es noch die weinrechtliche Anerkennung für den edlen Tropfen gibt.

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