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Wochenspiegel > Unser Land > Lovely shoes & Halleluja III - der Händel-Festspiel-Blog 2016 >
Susanne Christmann Susanne Christmann
aktualisiert am 14.06.2016 um 20:32:31

Lovely shoes & Halleluja III - der Händel-Festspiel-Blog 2016

Sonntag, 12. Juni

Das Prohaska-Antonini-Konzert in der Ulrichskirche war mein krönender Abschluss der Festspiele - am Sonntag steht eine Familienfeier an. Da weiß ich noch nicht, dass am Montag in den Medien in manchen Berichten der Eindruck geweckt wird, die Festspiele seien nicht sonderlich gut ausgelastet und besucht gewesen. Was einfach nicht stimmt! Dass noch nie so viele Tickets verkauft worden sind wie in diesem Jahr, lässt sich schließlich Ticket für Ticket belegen. Klar, es kommt immer darauf an, wie man zählt. In diesem Jahr hat man eben nicht die großen Anrechtsveranstaltungen der halleschen Bühnen mit einberechnet, also "sauberer" gezählt. Und dass man bei einem erkrankten Interpreten (Ian Bostridge), der nicht auftreten kann, die Tickets zurücknimmt, ist doch auch sonnenklar. Damit lassen sich die (marginalen, statistischen) Rückgänge bei den Besucherzahlen erklären. Klar kann man immer auch noch mehr (Bling-Bling)-Werbung für die Festspiele in der Stadt fordern oder dass die anderen Kultureinrichtungen noch mehr mit einbezogen werden. Den Gästen aus aller Welt, das glaube ich zu wissen, die jedes Jahr weite Wege auf sich nehmen, sind solcherlei Befindlichkeiten ziemlich wurscht. Die wollen Händels Musik an Originalschauplätzen hören - von besten Interpreten (möglichst Stars) und Ensembles dargeboten. Und sonst nur noch ein schönes Hotelbett haben.     

der Ulrichskirche im "Rossini" am Markt verabredet. Auf dem Freisitz natürlich, Vaness liebt die Atmosphäre mit dem geschäftigen Treiben, den fünf Türmen und den Häusern um unseren Markt herum. "Good Vibes" würde man hier spüren, sagt sie. ("Stimmungen" für "vibes" als Übersetzung tritt es für mich nicht so ganz richtig richtig). Sie bekommt ihr heißgeliebtes Vanille-Eis mit heißen Himbeeren - letzteres kenne man in Melbourne nicht. Als wir zahlen wollen, hatte schon Jean-Claude ein paar Tische weiter die Rechnung übernommen. Jean-Claude ist gebürtiger Schweizer, lebt heute in Hamburg, singt dort noch selbst in einem Chor mit und ist ein echter Händel-Freak. Seit Jahrzehnten ist er Stammgast bei den Händelfestspielen in Halle (und in Göttingen auch). Er ist stets der erste, der Tickets für die Festspiele in Halle bucht, wenn im November der Vorverkauf gestartet wird.

Nach dem beglückenden Konzerterlebnis landen Vanessa, das Ehepaar Reimann, Jean-Claude und das Ehepaar (Hans-Georg) Sehrt (wieder) im Rossini. Die Reimanns haben einen ausgegeben auf ihre diesmal nun wirklich letzten Händelfestspiele in Halle. Vanessa sagt, das sagen sie schon seit drei, vier Jahren. Sie ist sich ziemlich sicher, dass sie die beiden, die mal - der Arbeit wegen - ein paar Jahre in Halle lebten und heute in Bonn zu Hause sind, zu den Händelfestspielen 2017 wieder treffen wird. Bei der Verabschiedung überlegt Vanessa, ob sie nicht doch schon zum Händelfest im Herbst wieder nach Halle kommen sollte. Das muss man sich mal überlegen: für drei Tage hallesche Festspielatmosphäre hat sie zwei Tage für einen äußerst stressigen HIn- und noch mal zwei Tage für den Rückflug auf sich genommen - was nicht zuletzt ja auch nicht ganz billig ist. Und dann im Herbst gleich noch mal?  Sie findet das gar nicht so außergewöhnlich. Schließlich sei Händel ein wirklich internationaler, nein Weltstar unter den Komponisten. Der Ort zu sein, an dem eine solche  Persönlichkeit geboren worden und aufgewachsen ist, das könne Halle keiner wegnehmen. Und die Gäste kämen von überall auf der Welt hierher, weil sie Händels Musik an Originalschauplätzen hören wollten und zwar mit den besten Interpreten und Ensembles, die es dafür gäbe.    

Freitag, 10. Juni

Dieses von Christina Pluhar arrangierte "Händel goes wild"-Konzert war unbeschreiblich! Nicht nur, weil Vanessa wie für mich hingezaubert am Abend auf einmal rechts hinter mir auf der Empore in der Händel-Halle saß.  Sondern weil man kaum beschreiben kann, wie gut das klingt, wenn man Händel mit Jazz, mit Klezmer oder irischen Klängen vermischt. Mit teilweise großer Behutsamkeit unterlegten die Musiker von "L'Arppeggiata" die barocken Noten mit Percussion, Schlagzeug und Piano-Klängen. Das gab dem Händel eine Leichtigkeit, die ihn verblüffend modern wirken ließ. Ohne ihn zu verhunzen oder bis unkenntlich zu machen. Im Gegenteil: Händel blieb dabei immer Händel und das war vor allem Christina Pluhar, der Erfinderin des Projektes zu danken. So richtig "wild" ist es natürlich nicht zugegangen, aber der Jazz-Klarinettist Gianluigi Troves sorgte schon für ordentliche Flottheit. Ein überaus gkückliches Händchen bewies Christina Pluhar auch bei der Auswahl der beiden Solisten. Die von Nuria Rial (Sopran) und Valer Sabadus (Altus) gesungenen Arien waren ein unglaublicher Ohrenschmaus, die Duette nicht minder. Die beiden müssen einfach noch mal in eigenen Konzerten (oder zumindest die beiden in einem) her zu den nächsten Händelfestspielen! Fotos in der eingebundenen Bildergalerie! Solche Konzert-"Perlen" nehmen im Übrigen jenen den Wind aus den Segeln, die da meinen, mit Händel hätte man nie was Neues zu bieten und die Händel-Liebhaber (musikalisch Ausführende wie die, die die Musik "konsumieren") würden immer nur um sich und ihr Idol kreisen....    

Donnerstag, 9. Juni

Vanessa ist glücklich in Halle gelandet und schreibt: "I will look for you tonight." Heute abend heißt "Händel goes wild" in der Händel-Halle und ich habe schon die ganze Woche von allen Seiten wispern hören, dass das wirklich ganz toll werden soll. Immerhin, so verspricht es das Programmheft, soll "die wilde Seite des Barockkomponisten herausgekehrt" werden. Schon der Prince of Wales soll damals Händels cholerissche Anfälle gefürchtet haben.
Was den italienischen Counter Vincenzo Capezzuto anbetrifft, der in der Georgenkirche so schön gefragt hat "Wo's afraid of Baroque?": der ist auch ein hervorragender Tänzer!  Zeigt er gerade in seinem neuestem Projekt "STABAT MATER - Vivaldi". Natürlich mit seiner Truppe "Soqquadro Italiano". So was krieg ich dann über Facebook mit - ist nicht alles schlecht, was von dort kommt... :)     


Mittwoch, 8. Juni

Vanessa schreibt: "One day of travelling and I will be in Halle. So, see you soon!" Illustriert mit einem Departing-Foto (siehe Bildergalerie). Spätestens am Donnerstagabend in der Händel-Halle zu "Händel goes wild" mit Christina Pluhar und ihrem Ensemble "L’Arpeggiata" werdenw wir uns dann wiedersehen. Für diese Veranstaltung haben wir beide unabhängig voneinander Karten gebucht. 


Dienstag, 7. Juni

Katharina Bäuml und ihre Gruppe "Capella de la Torre" haben sich einen Kopf gemacht und darüber nachgesonnen, welche Musik der (junge) Händel eigentlich so alles gehört haben könnte bzw. von welcher Musik er sich eigentlich hat inspirieren lassen können).  Herausgekommen ist ein hochinteressantes Programm mit dem Titel "Händels I pod - was klang dem jungen Händel in den Ohren?", das am Dienstagabend im Dom mitzuerleben war. Musik zu Ratsemfpängen (von Moritz Landgraf von Hessen-Kassel, Adam Krieger und Michael Praetroius), zu Gottesdiensten (Alessandro Orologio, F. W. Zachow), zum Tanz (Johann Caspar von Kerll, Johann Hermann Schein), zur Trauerfeier (Franz Tunder, Jacobus Gallus, Johann Walter, Orlando di Lasso, Constanin Christian Dedekind) und schließlich Musik, die für Hochzeiten geschrieben wurde (von Andrea Gabrieli, David Pohle). Es gibt keine Belege dafür, dass Händel das alles tatsächlich gehört hat, aber er die Musik muss ihm begenet sein: in Kirchen, beim städtischen Rat, in der Lateinschule oder der Uni. Besonders halt bei seinem Lehrmeister Friedrich Wilhelm Zachow in der Marktkirche. 
Katharina Bäuml und ihre Truppe hat diese Musiken nach Stadtpfeiffer- und Turmnbläser-Art in dermaßen hoher gesanglicher und instrumentaler Qualität dargeboten, dass (nicht nur) die Amerikaner, die hinter mir im Dom-Gestühl saßen, außer sich vor Begeisterung waren. Einzigartig in Deutschland soll auch die Besetzung der "Capella de la Torre" vorwiegend mit historischen Doppelrohrblattinstrumenten sein.  

Montag, 6. Juni

Nur mal kurz eine Händel-Pause machen. Sonst kann ich in meinem Kopf die vielen Eindrücke nicht mehr richtig "ordnen".

Sonntag, 5. Juni

Eindrucksvolle Chormusik erfüllte Sonntagabend mit dem Gabrieli Consort und den Gabrieli Players die Marktkirche. Wenn ich mir was wünschen dürfte: Der Sopranistin im roten Kleid und dem Counter sollte man jeweils ein eigenes Festkonzert geben.   

Samstag, 4. Juni
 
Das Dunedin Consort und die Solisten Joanne Lunn (Sopran), Nicholas Mulroy (Ternor), Matthew Brook (Bass), Thomas Hobbs (Tenor) und Nicholas Pritchard lieferten  bei "Acis and Galatea" allesamt Meisterliches ab. Besonders beeindruckt hat mich John Butt, der die musiklische Leitung hatte Er dirigierte das Cembalo spielend stets mit der Hand, die gerade frei war. Meine Schwäche für Bässe bediente Matthew Brook auf das Vortrefflichste. Zumal er auch mit einer unbändigen, komödiantischen Spiellust gesegnet zu sein scheint.

Einen im wahrsten Sinne des Wortes zauberhaften Abend bescherten der Counter Vincenzo Capezzuto mit seinem kleinen Ensemble "Soqquadro Italiano" unter dem Motto "Who's afraid of Baroque?" in der Georgenkirche Modern verpackt und trotzdem nicht zu überhören Barock und eine Counter-Stimme, die es kaum noch mal auf der Welt geben dürfte. Incantevole!        

Freitag, 3. Juni

Die Kombi früh aufstehen und vor dem Dienst zum Zahnarzt gehen, hat mir am Donnerstagabend leider die Schuhe ausgezogen. Erst blockierte jede Menge Betäubungsmittel den halben Tag eine Gesichtshälfte, als die Wirkung dieser nachließ, meldete sich der Schmerz. Abends ins Konzert (Dido und Aeneas in der Konzerthalle Ulrichskirche unter Leitung  von Fabio Bonizzoni und -wie ich gehört habe - tollen Solisten)  war dann einfach nicht mehr drin.

Am Freitagmorgen waren glücklicherweise alle Zahnmalaisen vergessen. Und ich ließ mich wie alle anderen Zuschauer bezaubern vom "Händel fest in Kinderhand" auf dem Markt. Deutschlandweit einmalig soll es sein, dieses die Festspiele begleitende Event für Kinder. Viele schöne Fotos davon habe ich in die Bildergalerie gepackt.        

Donnerstag, 2. Juni

Dass das Preisträger-Festkonzert mit Romelia Lichtenstein großartig war, wird jeder bestätigen, der im Festsaal der Leopoldina mit dabei war. Obwohl Halles Primadonna ihrem Publikum mit Georg Philipp Telemanns musikalischem Drama "Die wunderbare Beständigkeit der Liebe oder Orpheus" im ersten Teil nicht die leichteste Kost vorgesetzt hatte. Aber nach ihrem Auftritt mit "Alcina"-Arien hatte die Kammersängerin alle für sich eingenommen. Nicht zuletzt Klaus Froboese, der ihr warmherzig-liebevoll laudierte. "Was haben wir für tolle Leute hier in Halle!" - dieser Satz einer Konzertbesucherin gilt allerspätestens seit Mittwoch Romelia Lichtenstein.

Vanessa hat mir ein Foto geschickt. Darauf sie im Händel-Noten-T-Shirt, wie sie ungeduldig auf ihre Uhr guckt (siehe Bildergalerie). Dazu schreibrt sie: "I am looking at my watch to see how many minutes until I can come to Halle!"   

Mittwoch, 1. Juni

Vanessa hat in der Bildergalerie des Blogs sofort das Foto von Countertenor David Hansen entdeckt und mitbekommen, wie begeistert wir alle von seinem Auftritt waren. Sie schreibt, dass sie sich derweil eine CD von ihm angehört hat.
Am Dienstagabend ging es in die Franckeschen Stiftungen zum Konzert "Celtic Barock". Mit einer fantastischen Doroethee Oberlinger an diversen Flöten und Fabio Rinaudo am Dudelsack. Ordentlich laut ließen mich die Dudelsackklänge vergessen, dass schräg hinter mir ein Opi ständig seinen Plastikbeutel auf dem Schoss "sprechen" ließ. Links neben mir ordentlich Knoblauch, rechts menschliche Gerüche - meine Toleranz wurde auf eine harte Probe gestellt. Aber wie gesagt, die Musiker auf der Bühne haben mir da immer wieder drüber hinweggeholfen. Mein Faible für irische Musik tat sein Übriges.     

Dienstag, 31. Mai

Das Festspiel-Publikum wusste, zu welchem Konzert es ging am Montagabend im Festsaal der Leopoldina. Bis auf den letzten Platz war der Saal gefüllt. Auch auf die Empore wurden noch Stühle gestellt, um allen Wünschen gerecht zu werden. Die Erwartungen, das konnte man sprüen, waren sehr hoch angesetzt. Um es vorweg zu sagen, sie wurden nicht enttäuscht, wenn nicht noch übertroffen. Denn was der gebürtige Australier David Hansen (siehe Bildergalerie)  und das Ensemble Academia Montis Regalis unter Leitung von Alessandro De Marchi am Cembalo darboten, war einfach phänomenal. Schien Altus Hansen bei der ersten Händel-Arie "Se fin fiorita ameno prato" (aus der Oper Cesare) irgendwie noch einen Frosch verschluckt zu haben, trumpfte er bei den Arien des Arsamene aus der Oper "Serse" nach einem witzigen Dialog mit der Solo-Violine von Olivia Centurioni richtig auf. Wo es bei anderen Countern in den ganz hohen Stimmlagen dann doch oft etwas dünner wird, gelingen die bei Hansen gerade voluminös und besonders kraftvoll. Die Academia brillierte mit vier Vivaldi-Concerti. Mit dem Concerto in C-Dur für Flautino, Streicher und Bass continuo stellte sie ihre Flöten-Solistin Maria De Martini ins Rampenlicht, die ihren spieltechnisch äußerst anspruchsvollen Part mit einer Bravour meisterte, die Hansen mindestens ebenbürtig war. Erwähnen muss ich hier unbedingt noch mal den schönen Festsaal der Leopoldina, der diesem Konzert mit seiner wunderbaren Akustik den besten Rahmen gab, den man dafür haben konnte. Da verschmerzte es das Festpublikum auch, dass es inicht mit Getränken versorgt wurde (der Hausherr wollte das innerhalb des Gebäudes nicht gestatten, dem Veranstalter waren die (windigen) Verhältnisse draußen zu unsicher). Alles in allem: dieses tolle Konzerterlebnis hätte ich auch Vanessa gegönnt - hier hat sie wirklich etwas verpasst.                  

Montag, 30. Mai

Am Sonntag zahlte ich dann doch dem Hardcore-Händel-Samstag Tribut und musste in meinem Kopf und diversen Ordnern auf dem PC für Klar-Schiff sorgen. Vanessa hat sich amheutigen Montag wieder per Mail gemeldet und mitgeteilt, dass wir bei zwei Veranstaltungen übereinstimend Tickets gebucht haben. Sie weist mich auf das Festkonzert heute abend in der Leopoldina hin, denn das bestreitet mit David Hansen ein gebürtiger australisscher Landsmann von ihr. Ich werde noch einmal so gut hinhören, versuchen, ein schönes Foto zu machen, um ihr dann Bericht erstatten zu können.

Sonntag, 29. Mai
Am Samstag habe ich Händel intensiv erlebt. Erst das sehr schön ausgestaltete Barockfest auf dem Domplatz, zu dem jeder, der mochte, kommen konnte. Finanziert hat das Ganze die Hallesche Wohnungsgesellschaft und so ließen sich viele Hallenser, Hallenserinnen und Festspielgäste das hochwertige Konzert mit dem Blechblasensemble aus Schwerin nicht entgehen.

Danach gings in die Leopoldina. Hier gab es mit "Dido, Liebende zwischen Orient & Okzident" etwas ganz Besonderes: In dem Ensemble für Alte & Neue Musik "cosi facccamio" musizierten deutsche und arabische Musiker gemeinsam und man kann sagen - keiner kann besser klagend singen und spielen als dieses außergewöhnliche Ensemble. Wenn man sich auf die arabische Art, Musik zu machen, einlässt, trifft es ins Herz.  Ich denke mir, das ist dann nichts für wirklich Depressive, die bekämen hier "den Rest" wie man so schön flapsig sagt. Oder, widersprechen mir Festspiel-Intendant Clemens Birnbaum und seine Frau - beide in Gesprächen unabhängig voneinander - sie zögen gerade daraus wieder neuen Mut und Hoffnung, weil sie sich verstanden und beigestanden fühlten. 

Am Abend dann mit "Catone" ein jubilierender, trällernder und überschäumender Händel, wie es ihn besser kaum geben könnte. Wie das Ensemble "Auser Musici" unter Carlo Ipata und die glänzend aufgelebten Solisten ihn interpretierten, riss das Publikum zu stehenden Ovationen hin. (Schaurig-wohle) Schauer über den Rückeln liefen mir immer bei den Parts des Catone, unglaublich kraftvoll-furios gesungen von Sonia Prina. Das musste man wirklich miterlebt haben!  Vanessa hat sich auch gemeldet. Sie kommt erst am 9. Juni in Halle an und fragte gleich die Veranstaltungen ab, für die ich noch Karten gebucht habe. Unser jährliches Wiedersehen kann also stattfinden. Ich freu micht drauf!        

Samstag, 28. Mai

Vanessa habe ich zur Opern-Premiere nicht erblickt. Ich schreibe ihr eine Mail. Denn sie hat schon Schönes verpasst: Das Carillon-Konzert, dass Wilhelm Ritter der Stadt geschenkt hat. Klingt schon toll, wenn Händels "Lascia" aus der Oper Rinaldo oder auch "Strangers in the Night" mittel Glocken erklingt. Statt Vanessa habe ich zur Opern-Premiere meine Radio-Kollegin Kerstin Koretz getroffen. Sie hatte just ihr Auto neben mir geparkt und so ließen wir uns zwei nebeneinander liegende Plätze in der Oper geben. Kerstin hätte gern noch opulentere Kostüme bei "Sosarme, re di Media" gesehen. Mir gefiel die Inszenierung mit Humor und Augenzwinkern (Philipp Harnouncourt). Am meisten beeindruckt hat mich Ki-Hyun Park als Altomaro. Es wirkte, als hätte Händel ihm diese Rolle auf den Leib komponiert.          

Freitag, 27. Mai 2016

Es händelt ja schon seit einigen Tagen überall in Halle, wenn es auch viele gar nicht wahrnehmen (können): die Verkehrsbehinderungen durch unzählige Baustellen beanspruchen einfach die ganze Aufmerksamkeit. Mit Erstaunen stelle ich fest, dass sich nicht jeder für den frisch besprühten "Händel-Cube" auf dem Markt erwärmen kann. Mir gefällt er und ein Hingucker ist er allemal.  Dass sich die treue Händel-Seele Vanessa wieder für die Händelfestspiele 2016 hat akkreditieren lassen, haben mir die Kolleginnen im Pressebüro der Festspiele bestätigt. Sie hatte sich im vergangenen Jahr mit dem Satz bei mir verabschiedet: "I will see you next year mit perfekt Deutsch". Zur Eröffnungs-Pressekonferenz habe ich sie noch nicht gesehen. Ich denke mir aber, dass sie sich die Oper-Premiere heute abend nicht entgehen lassen wird. Ich freu' mich derweil noch auf die Feierstunde am Händel-Denkmal nachher um 17 Uhr, denn da huldigen wir nicht nur Händel, sondern auch unserem Stadtsingechor, der als ältester Knabenchor Deutschlands in diesem Jahr sein 900-jähriges Bestehen feiert. Im dem in diesen Beitrag eingebundenen Video machten Julia Kirchner (Sopran) und Thomas Leininger (Cembalo) so richtig Lust auf Händel.     



Prolog

Vor zehn Jahren saß die mir noch unbekannte Vanessa bei der Händel-Opern-Premiere zu den Festspielen neben mir. Wir stellten schnell die beruflichen Gemeinsamkeiten fest, aber ihr begeisterter Blick galt meinem Schuhwerk. "Lovely shoes!", rief sie angesichts der mit rotem Glitzer-Flitter überzogenen Ballerinas und ich erklärte ihr in holprigem Englisch, in welchem Laden (am Markt) ich sie gekauft hatte. Dass ich mit ihr auch noch denjenigen Händelfan gefunden hatte, der die Antwort auf meine Jahr für Jahr auf der Eröffnungspressekonferenz gestellte Frage war ("Woher kommt der am weitesten gereiste  Händel-Fan?", Antwort "Australien"), stellte sich erst später heraus. Seitdem feiern wir jedes Jahr im Juni Wiedersehen und erleben zu den Festspielen immer wieder kleine, aber feine Abenteuer.

 

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