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Wochenspiegel > Unser Land > Auf eine Bemme: Zur Vesper im Freibad Glauzig >
Torsten Waschinski Torsten Waschinski
aktualisiert am 02.08.2016 um 17:21:45

Auf eine Bemme: Zur Vesper im Freibad Glauzig

Reporter Volker Schwenke ist in den Sommermonaten interessanten Geschichten auf der Spur. Reporter Volker Schwenke ist in den Sommermonaten interessanten Geschichten auf der Spur.
Foto: Volker Schwenke Galerie (2 Bilder) Galerie (2 Bilder)
Bei den Menschen von nebenan in den Fuhnedörfern. Geschichten aus der Heimat - Reporter Volker Schwenke entdeckt:

Glauzig (vs).
Das Wetter ist an meinem Besuchstag schön, aber zum Baden doch noch etwas frisch. Trotzdem sind im Freibad in Glauzig die Kasse und der Rettungsschwimmer Platz besetzt. Hier sitzen gerade Christine Block, Martina Reupsch (beide aus Glauzig) und der Rettungsschwimmer Andreas Olschok aus Edderitz bei einer Tasse Kaffee. Auf die Frage, ob sie zum Kaffee noch eine Lewwerwurscht-Bemme möchten, waren die Meinungen geteilt. Trotzdem wurde ich aufgefordert, mit ihnen gemeinsam eine Vesperpause zu machen. „In den letzten Tagen war nicht viel los hier, doch die nächsten Tage sollen heiß werden. Da haben wir dann mehr zu tun“, meint Martina Reupsch an der Kasse.

Christine Block ergänzt: „Wir sind hier ein Verein, da sind wir schon auf jeden Besucher angewiesen. Deshalb sitzen wir auch bei etwas kälteren Temperaturen hier. Es kann ja doch jemand kommen, der sich ins Wasser traut.“

Das Wasser im Bad liegt ganz ruhig, da plötzlich gibt es einen Platscher. Ist jemand hineingefallen? Rettungsschwimmer Olschok hat alles im Blick. Der Enkel Julian von Blocks, er ist zu Besuch aus Solingen, traute sich vom Stein zu springen. Momentan ist er der Einzige im Wasser, der seine Runden dreht. Da er gut schwimmen kann, trinkt der DRK-Mann seinen Kaffee in Ruhe weiter.

Mir fällt auf, dass der Rettungsschwimmer gar keine Trillerpfeife hat. „Die brauch ich nicht, wenn was sein sollte, dann macht Christine einen ‚Brüller‘ und es ist wieder Ordnung hergestellt,“ sagt er schmunzelnd.

„Der Detlef kommt“, sagt Martina Reupsch und weist auf den Eingang hin. Der Glauziger Detlef Meyer ist ebenfalls Mitglied im Freibadverein und hilft auch mit aus. Mit einem großen Kescher reinigt er die Wasseroberfläche. Das macht er sehr gründlich und nimmt sich Zeit dafür. Ab und zu setzt er sich mal auf den Rasentraktor und mäht die gut gepflegten Wiesen auf dem Vereinsgelände. Den Traktor hat sich der Verein vom eigenen Geld gekauft. Unterstützung seitens der Stadt Südliches Anhalt gibt es nur wenig. Hier sei noch viel Redebedarf nötig, sind sich beide Kassiererinnen einig. „Das kannst du ruhig so schreiben.“

Die rund 300 Mitglieder blicken aber optimistisch in die Zukunft.

Mitten im Gespräch kommen dann doch noch zwei Badegäste aus Görzig. Eine Oma mit ihrer Enkelin möchte wissen, wie viel Grad das Wasser hat. „22 Grad.“ „Ok, dann nehme ich zwei Karten“, sagt sie, bezahlt und sucht sich eine Bank aus, wo sie in der Sonne sitzen kann.

Detlef Meyer, krankheitsbedingt Rentner (man sieht ihm seine Krankheit an) möchte unbedingt noch zwei Sachen erwähnen. Erstens die zweite Schicht. „Bei uns wechseln sich die Frauen an der Kasse wöchentlich ab. In der zweiten Schicht arbeiten ebenfalls ehrenamtlich Jutta Voigt und Margit Elze. Beide kommen aus Köthen und sind gern hier in Glauzig.“ Zweitens hat er einen Wunsch: „Ich möchte erst sterben, wenn ich mit …“ Da fällt ihm Christine Block mit lautem Lachen ins Wort und würgt den Satz ab. Was er sagen wollte, bleibt ein Geheimnis der Glauziger Wasserwellen. Oder auch nicht!

Die 20-Minuten-Vesper ist vorbei, ich will gerade aufbrechen, da kommen drei Leute um die Ecke. „Wer ist das denn? Das ist doch der Gerd!“, ruft Martina erfreut. Auch Detlef springt hoch und freut sich den Gerd Weis mit Frau und Sohn wieder zu sehen.

Es ist schon ein paar Jahre her, wo die gebürtige Glauziger Familie hier im Freibad war. Der Grund liegt auf der Hand.

Vor ungefähr acht Jahren sind sie mit Sack und Pack nach Schweden ausgewandert. Jetzt hat sie das Heimweh mal wieder nach Glauzig geführt. Natürlich ist ein Besuch im Bad fest einbegriffen, doch baden wollen sie nicht. Nach ein paar freundlichen Sätzen und alten Episoden verabschieden sie sich dann wieder. Auch für mich wird es Zeit zu gehen. Der Kaffee ist getrunken, die Bemme liegt noch eingepackt auf dem Tisch. Ich lass‘ sie liegen, in der Hoffnung, dass sie nicht all zu lange „überlebt“.

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