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Mario Wetzel Mario Wetzel
aktualisiert am 02.09.2016 um 15:13:26

Fischadler & Co. live beobachten

Fischadler bevorzugen möglichst klare und fischreiche Gewässer als Jagdrevier. Das „Haus am See“ in Schlaitz ist ein Informationszentrum für Umwelt und Naturschutz direkt am Muldestausee. Fischadler bevorzugen möglichst klare und fischreiche Gewässer als Jagdrevier. Das „Haus am See“ in Schlaitz ist ein Informationszentrum für Umwelt und Naturschutz direkt am Muldestausee.
Foto: Thomas Schmidt Galerie (7 Bilder) Galerie (7 Bilder) Galerie (7 Bilder) Galerie (7 Bilder) Galerie (7 Bilder) Galerie (7 Bilder) Galerie (7 Bilder)

Die beiden Leiterinnen vom „Haus am See“ Susanne Grießbach und Sabine Kunze (Foto) sind zufrieden und dennoch voller Ideen. „Unsere Live-Cam ist ausgerichtet auf dem 30 Meter hohen Gittermast und die Revier- und Nistkämpfe um das zurzeit leere Nest sind wieder voll im Gange“, erzählt Susanne Grießbach erwartungsvoll. Auch die zweite Leiterin der Einrichtung, Sabine Kunze, ist zuversichtlich: „Die Live-Cam liefert seit zehn Jahren Bilder der verschiedensten Greifvögel. Darunter sind Fischadler, Rotmilane, Mäusebussarde, Seeadler, Wan­­derfalken, Baumfalken, Turmfalken, Sperber, Habichte und Schwarzmilane, auch wenn die zwei Mäusebussardküken vor kurzem ums Leben kamen. Ein Jungtier kam, starb nach heftigen Regenfällen, das andere überlebte den Angriff eines Seeadlers nicht.

Das Mäusebussardpärchen hat den Brutplatz erst einmal verlassen. Die beiden Leiterinnen wären froh, wenn in Schlaitz wieder einmal ein Fischadler den Horst in Beschlag nehmen würden. Gute Bedingungen gibt es dafür am Muldestausee.

Fischadler ernähren sich fast ausschließlich von Fischen und bevorzugen offene, möglichst klare und fischreiche Gewässer als Jagd- und Brutrevier. Der letzte Fischadler „Romeo“ hat den Brutplatz nach einer vergeblichen Balzsaison mit einem noch zu jungen Weibchen, wahrscheinlich in Richtung Süden, im Jahr 2010 verlassen.

Die meisten Greifvögel und auch die Krähen stehen oft im Konkurrenzkampf, vor allem ums Futter. Der Horst bietet natürlich jede Menge Angriffsfläche. Unerfahrene Greifvögel haben schon öfter Lehrgeld im Nest bezahlen müssen. Es tauchen immer wieder beringte und unberingte Greifvögel auf. Die wissenschaftlichen Daten zu den Vögeln melden Susanne Grießbach und Sabine Kunze nach Hiddensee, dort befindet sich die zentrale Erfassungsstelle für Vögel.

Das „Haus am See“ liegt am Rande der Dübener Heide und ist eine Einrichtung des Landkreises Anhalt-Bitterfeld. Es ist nicht nur ein beliebtes Ausflugs- und Wanderziel am Nordrand des Muldestausees bei Schlaitz, sondern eine unter Kennern geschätzte Naturoase mit Naturgeschichte. 1994 wurde es als Lehr-, Bildungs- und Begegnungsstätte in ökologischer Bauweise errichtet. Jährlich nutzen etwa 8.000 Besucher aller Altersgruppen die umfangreichen Angebote des Bildungs- und Informationszentrums.

Zur ständigen Ausstellung gehören rund 80 präparierte Tiere. 
Es handelt sich dabei ausschließlich um Tiere, die in der Region um den Muldestausee zu finden sind, wie zum Beispiel Fischadler, Seeadler und Biber. Im Haus findet man eine Dauerausstellung. Hier wird der Wandel vom Braunkohleabbau bis hin zum Entstehen des Muldestausees mit seiner Flora und Fauna und seinem Fischreichtum dargestellt und man bekommt aus erster Hand Informationen über den seltenen Fischadler und auch andere Greifvögel der Region, welche sich seit Anfang der 1990er Jahre angesiedelt haben.

Durch die Initiative von Naturschutzfreunden wurde auf einem aus der Braunkohlezeit stammendem Gittermast eine Live-Cam angebracht. Seitdem kann man Seeadler, Mäusebussard und Co. beim Brutverhalten beobachten. Insgesamt wurden seit Anfang der 90er Jahre rund 30 Greifvogelküken ausgebrütet. Nachdem die Fischadler ausblieben, haben Mäusebussarde das Nest für sich entdeckt. Jährlich nutzen viele Besucher die Angebote des Bildungs- und Informa­tionszentrums.  Die „Streichelfelle“ von Elbe-Biber, Fuchs, Reh, Hirsch und Wildschwein gehören ebenso zur Ausstellung wie diverse Nester von Vögeln, Hornissen und Wes-pen. Verschiedene Eier heimischer Vögel sind ebenfalls zu sehen. Nichts ist so anziehend wie lebende Tiere. Das beweist der Andrang bei der Schaubeute der Honigbienen, welche im Seminarraum des Hauses angebracht ist.

Im Tagungsraum befinden sich großformatige Anschauungs- und Informationstafeln mit zusammengestellten historischen und aktuellen Darstellungen regional bedeutsamer Landschaftsveränderungen in­­folge des Braunkohleabbaus in Tagebauen. Der nachgestaltete Sandmagerrasen ist ty­­pisch für die umliegenden Berg­­­baufolgelandschaften. Einer der praktischen Bestandteile der Umweltbildung ist der 17 km lange Naturlehrpfad „Berg­baufolgelandschaft Muldestausee“ mit verschiedenen Erlebnisbereichen.
Zum „Haus am See“ gehört auch ein Flachwasserteich zum Bestimmen von Pflanzen der Verlandungszonen und zum Beobachten von Tieren am und im Wasser. Auf dem Barfußpfad können die verschiedensten Materialien erfühlt werden. Unterschiedliche Nisthilfen für Vögel, Fledermäuse und Insekten werden dem interessierten Naturfreund vorgestellt. Weitere Angebote runden ein Naturerlebnis ab.

​Info:
www.informationszentrum-hausamsee-schlaitz.de

 

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