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Mario Wetzel Mario Wetzel
aktualisiert am 06.09.2017 um 11:46:43

Vom Baum in die Flasche

Obstverarbeitung nach altbewährtem Konzept:  Wer zu viel Obst hat, um es allein zu essen oder zu verarbeiten, der bringt es in die Lohnmosterei. Obstverarbeitung nach altbewährtem Konzept: Wer zu viel Obst hat, um es allein zu essen oder zu verarbeiten, der bringt es in die Lohnmosterei.
Foto: Martin Schumann Galerie (7 Bilder) Galerie (7 Bilder) Galerie (7 Bilder) Galerie (7 Bilder) Galerie (7 Bilder) Galerie (7 Bilder) Galerie (7 Bilder)
„Fröhlichkeit aus Früchten“ verspricht seit 1991 die Jaro GmbH in Janisroda. Die Säfte, die in dem Naumburger Ortsteil hergestellt werden, sind unter dem Namen „Janis“ auch über die Grenzen der Region hinaus bekannt. Gerade jetzt, im Spätsommer und Herbst, herrscht auf dem Hof des Unternehmens rege Betriebsamkeit. Äpfel haben jetzt Hochsaison.

Doch die Annahmezeit von Obst beginnt genau genommen schon im Mai mit dem Rhabarber. Im Juni und Juli folgen dann Kirschen und verschiedene Beeren, wie zum Beispiel Johannisbeeren, bevor im Spätsommer dann Äpfel und Birnen dran sind. Mit den Quitten endet im Oktober die Obstsaison.

Das Konzept der Lohnmosterei ist ein altbewährtes. Wer zu viel Obst hat, um es allein zu essen oder zu verarbeiten, bringt es in die Mosterei. Aus der Menge des Obstes errechnet sich dann ein Flaschenguthaben, also ein Anrecht auf den vergünstigten Kauf von Säften. Ein Beispiel: liefern Sie 100 Kilo Äpfel ab, ergibt das ein Flaschenguthaben von 90 Stück. Die können sofort mitgenommen oder „in Raten“ abgeholt werden. Welchen Saft Sie sich aussuchen, ist dabei unerheblich. Wer Äpfel abgibt, muss also nicht zwingend Apfelsaft kaufen. Und selbst wenn – aufgrund der Menge des verarbeiteten Obstes bekommt niemand den Saft von genau den Früchten, die er abgegeben hat, jedoch immer den Saft von regionalen Früchten.

Bei der Annahme werden die Äpfel zunächst gewogen, dann kommen sie zu vielen anderen in ein großes Silo, von wo aus sie mit Wasser gewaschen und zur Presse geschwemmt werden. Dort wird aus den Früchten dann der leckere Saft gepresst. Seit 2014 verfügt das Unternehmen über eine moderne Kurzzeiterhitzungsanlage, die den Saft für eine Minute auf 88 Grad hocherhitzt und anschließend sofort wieder abkühlt, um Keime abzutöten und ihn haltbar zu machen. Früher wurde der Saft langsam auf 85 Grad erhitzt, doch die längere Hitzeeinwirkung war der Qualität nicht zuträglich. Anschließend wird er in Stahltanks bei 18 bis 20 Grad gelagert, bevor er abgefüllt und schließlich verkauft wird.

Neben den großen Tanks stehen auch viele kleinere in den Hallen der Jaro GmbH. „Die sind für Nischenprodukte“, erklärt Sandra Rosenberger, die gemeinsam mit ihrem Mann Gerald das Unternehmen führt. Immerhin gehören inzwischen mehr als 35 verschiedene Säfte zum Sortiment, vom herkömmlichen Apfelsaft aus regionalen Früchten bis hin zu exotischen Varianten wie Orange-Kürbis-Melone, Mango-Orange-Passionsfrucht oder der „Wunderbeere“ Aronia. In der mehr als 25-jährigen Geschichte des Unternehmens haben die Rosenbergers stetig investiert und modernisiert. Wie Landwirte und Kleingärtner sind auch sie vom Wetter abhängig. Anhand der Menge des gelieferten Obstes können sie genau ablesen, ob es ein gutes oder schlechtes Jahr war. Generell geht jedoch die Abgabe von Obst seit Jahren mehr und mehr zurück. Und auch wenn sie sich auf ein Netzwerk von neun Annahmestellen verlassen können, kaufen sie häufig noch gewerblich angebautes Obst zu. Immerhin wollen jedes Jahr zwischen 700 000 und 800 000 Flaschen Saft gefüllt werden.

Der Saft von Jaro hat ein gesetzliches Haltbarkeitsdatum von 1,5 Jahren.  Wird er dunkel und kühl gelagert, ist er aber auch deutlich darüber hinaus genießbar. Gerald und Sandra Rosenberger haben kürzlich einen 20 Jahre alten Saft verkostet, ohne jede Beanstandung. Wie bei vielen Lebensmitteln gilt auch hier: sehen, riechen, schmecken. Verlassen Sie sich auf Ihre Sinne, bevor Sie etwas unnötig entsorgen!

Die fruchtigen Säfte gibt es nicht nur im Hofladen der Jaro GmbH, sondern auch bei verschiedenen Partnern in der Region und darüber hinaus zu kaufen. Die Rosenbergers sind Mitglied im Verein der Direktvermarkter, bieten also auch Honig, Wurst und weitere landwirtschaftliche Produkte von anderen Mitgliedern in ihrem Laden an.


Info:
www.mosterei-janisroda.de

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