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Mario Wetzel Mario Wetzel
aktualisiert am 12.09.2017 um 15:54:04

Der Macher der Sackpfeifen

Sackpfeifen, das eigentliche Grundlageninstrument für alles, was der Volksmund als 
Dudelsäcke bezeichnet. Ihren europäischen Ursprung hat die Sackpfeife in der Zeit der 
Kreuzfahrer, denn diese brachten sehr ähnlich aussehende Instrumente von ihren 
Reisen aus dem orientalischen Raum mit. Sackpfeifen, das eigentliche Grundlageninstrument für alles, was der Volksmund als Dudelsäcke bezeichnet. Ihren europäischen Ursprung hat die Sackpfeife in der Zeit der Kreuzfahrer, denn diese brachten sehr ähnlich aussehende Instrumente von ihren Reisen aus dem orientalischen Raum mit.
Foto: Sebastian Köhler Galerie (9 Bilder) Galerie (9 Bilder) Galerie (9 Bilder) Galerie (9 Bilder) Galerie (9 Bilder) Galerie (9 Bilder) Galerie (9 Bilder) Galerie (9 Bilder) Galerie (9 Bilder)
Für Freunde der irischen und schottischen Musik gehören sie zu den schönsten Instrumenten der Welt, die Dudelsäcke mit ihren nachhaltigen Klängen. Immer größer wird auch die Zahl der Privatpersonen, die sich ein solches Instrument wünschen. Da entsteht natürlich die Frage: Wo bekommt man solch einen Dudelsack her und wie entsteht dieser?

Fündig wird der Suchende in der Magdeburger Straße in Köthen. Hier hat Steffen Fischer seine Werkstatt, in der er Sackpfeifen herstellt.
 

Obsthölzer

Was braucht man für eine Sackpfeife? Man nehme eine Spielpfeife, ein Anblasrohr, ein Bordun und einen Lederbalg. Steffen Fischer erklärt: „Die Spielpfeifen werden aus Obstbaumholz gefertigt, ideal sind Birnbaum- und Nussbaumhölzer. Die Rohhölzer werden gedrechselt und gebohrt. Das Werkstück dreht sich dabei, das Werkzeug steht still. Die Grundform ist immer ein Stück Holz, der Lederbalg aus Rindsleder, denn es muss ein natürlicher Austausch der Luft erfolgen.

Es wird beim Einblasen der Luft immer Feuchtigkeit mit eingeblasen. Das Material wird aus Leder ausgeschnitten, verklebt und vernäht. Die Formen der Spielpfeifen und Anblasrohre können unterschiedlich sein, zylindrisch oder konisch. Weiterhin gibt es verschiedene Unterarten, mit denen spezielle Klangbilder erzeugt werden. Jeder Hersteller hat sein Klangempfinden und stellt seine hergestellten Instrumente da­­nach ein. Er weiß, wie eine Spielpfeife klingen muss.“

Markantes Merkmal der Sackpfeifen ist die gleichzeitige Möglichkeit die Melodie und einen Dauerton zu spielen. Man nennt diese Instrumente auch Bordun-Instrumente. Sie ähneln im übertragenen Sinne einer Orgel, auch hier kann man einen Dauerton unterlegen. Bei einer Spielpfeife kommt die Luft aus dem Lederbalg und wird in die Spielpfeife gepumpt.

Grundlage für die Herstellung der Spielpfeifen sind alte Abbildungen und Zeichnungen. Die Tonerzielung beruht auf physikalischen Grundsätzen. Gespielt wird das Instrument nach dem Prinzip der Flöte: ein Finger weg, ein Ton kommt raus. Verschiedene Klangbilder entstehen durch unterschiedliche Innenleben. Jede Veränderung im Inneren der Spielpfeife bringt einen neuen Ton.

Alle Instrumente werden durch den jeweiligen Hersteller gestimmt. Das heißt, der Grundton wird eingespielt. Standard ist dabei ein 440-Hertz-Grundton.

Das kleinste Sackpfeifeninstrument ist das Hümmelchen. Diese Hümmelchen ähneln sich alle. Ein Hümmelchen hat ein Bordun und eine Spielpfeife. Steffen Fischer nennt weitere Arten: Es gibt mittelalterliche Sackpfeifen, Rauschpfeifen, Cornarmusen und viele mögliche Sonderanfertigungen. Die Größe eines Instrumentes begrenzt sich über die Möglichkeit der Bespielbarkeit.

Steffen Fischer ist eigentlich durch sein Interesse an der Musik Instrumentenbauer ge­­worden. Er war 1995 an der Fachhochschule Anhalt in Köthen angestellt, als eine Gruppe von Studenten sich der mittelalterlichen Musik widmen wollte. Fischer war dabei und machte mit.


Die ersten Versuche

Sein Interesse wurde geweckt und er versuchte, sein erstes Instrument selbst herzustellen. Eine Anleitung fand er in einer DDR-Zeitschrift. „Es kamen am Ende Töne raus“, so Steffen Fischer zu seinem ersten Versuch. Aus dem ersten Versuch folgte ein zweiter usw. Er nahm Kontakt zu einer Drechselei auf, der Rest war das Studium der Lektüre, Bücher über das Drechseln, über die Akustik und über das Material. „Je weiter man kommt, desto besser wird man“, blickt der Köthener zurück.

Es gibt in Deutschland sechs bis sieben Sackpfeifenmacher. Einen hat er persönlich kennengelernt, Jürgen Ross aus dem Odenwald, als er von ihm ein Instrument kaufte. Er gibt aber keiner seine Geheimnisse preis. „Ich musste alle Fehler erst einmal selbst machen, um hinter die Lösung zu kommen“, blickt Steffen Fischer zurück. „Wenn jemand kommt, und will etwas wissen, dann merkt man sofort, ob er interessiert ist oder nur schnelles Geld verdienen will.”


Soloinstrument

Zu den Kunden gehören Gruppen der mittelalterlichen Musik, Privatpersonen und Musikschulen, die neben der Blockflöte ein interessantes Blasinstrument aufnehmen möchten. Steffen Fischer bezeichnet den Dudelsack als Trendinstrument. Seine Hauptrichtung ist die historische Musik, aber man kann auf ihm fast alles spielen, von Popmusik bis Bach. Die große Kunst besteht darin, aus wenigen Tönen eine interessante Musik zu machen. Neun Grund- und Halbtöne kennzeichnen die Breite der Möglichkeiten. Der Dudelsack ist ein sehr gutes Soloinstrument. Es gilt als das Instrument der kleinen Leute.

In Kirchen gibt es viele Abbildungen und Fresken, welche Sackpfeifenspieler zeigen. Da­zu gehören Engel ebenso wie die Darstellung von Sackpfeifen spielenden Tieren. Steffen Fischer präsentiert einige in seiner kleinen Werkstatt. Es gibt Überlieferungen aus der Rokokozeit und aus dem Barock. Weitere Abbildungen zeigen Stadtpfeifer, im Mittelalter wurde das Instrument viel auf Bauernhochzeiten gespielt.

Auf Wunsch gibt Steffen Fischer Einführungsunterricht, er ist aber kein Musiklehrer. Jährlich hat er in seiner kleinen Werkstatt mehrere Gruppenführungen, angefangen von Kindergarten- bis zu Schulgruppen. Es geht dabei um das Kennenlernen des Instrumentes bis hin zu den Fragen der Schulkinder: „Wie funktioniert das alles physikalisch?“

Steffen Fischer ist 46 Jahre alt. Es ist der Spaß an der Musik und am Instrument, der ihn immer wieder antreibt. Er arbeitet allein in seiner Werkstatt, seine Kapazität ist begrenzt. Der Sackpfeifenbauer hat sich einen ganz geregelten Arbeitsablauf gegeben, der immer abhängig von der Anzahl der Aufträge ist. „Ich betreibe eine Werkstatt, keinen Verkaufsladen.“


„Dobo-Projekt“

Ein weiteres Hobby von Steffen Fischer hat sich in den letzten Jahren immer mehr entwickelt, es ist das Entwerfen und Zeichnen von Figuren, die Darstellung der regionalen Geschichte auf Bildern und in Büchern. Für Köthen gilt das in dem „Dobo-Projekt“, welches großen Anklang findet (gemeinsam mit Michael Schuster von der Köthen Kultur und Marketing GmbH). Fischer illustriert die Texte von Schuster mit Figuren, denen er auch die Mimik gibt, denn „Nur Vorlesen ist doof, man muss auch etwas zum Ansehen haben.“

Eine große Figur entstand zum Sachsen-Anhalt-Tag in Köthen. Der Hallesche Turm in Köthen wurde zum Kunstobjekt, zum Souvenir.

Um den Kindern die Geschichten näher zu bringen, wurde ein spezieller Geschichtskoffer entwickelt. Bei diesen Veranstaltungen mit Kindern entstehen immer auch neue Figurenvorschläge. „Die Kinder haben die tollsten Ideen“, lächelt Steffen Fischer.

Beteiligt ist der Köthener weiter an einem bereits erschienenen Wimmelbuch über die Stadt Köthen und deren Geschichte. Ebenso entwickelt und baut er viele Figuren und Räuchermänner. Diese Figuren fertigt er auch auf Kundenwunsch und nach Vorlage. So entstehen wertvolle Unikate.


Info:
www.sackpfeifenmacher.de

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