Aktuelle Ausgabe als E-Paper


Aktuelle Ausgabe als E-Paper


E-Paper Archiv

die letzten drei Ausgaben

E-Paper Archiv E-Paper Archiv E-Paper Archiv

Sehr geehrte Kundinnen und Kunden,


zur Zeit finden Wartungsarbeiten an unserer Online-Anzeigenannahme statt.

Bitte schicken Sie uns Ihre Anzeige per E-Mail oder Fax oder rufen Sie bei uns an.

E-Mail: info@wochenspiegel-halle.de
Fax: (0345) 130 10 61
Telefon: (0345) 130 10 0
Wochenspiegel > Unser Land > Über „Schubladenzieher“ und Seelentröster >
Mario Wetzel Mario Wetzel
aktualisiert am 12.09.2017 um 17:00:42

Über „Schubladenzieher“ und Seelentröster

Kaum ein Unternehmenszweig kann wie die Apotheken auf eine über 500-jährige 
Tradition zurückblicken. Wir begeben uns auf eine Zeitreise in die Vergangenheit zu Julius 
Pflug und schauen in die unsichere Zukunft. Kaum ein Unternehmenszweig kann wie die Apotheken auf eine über 500-jährige Tradition zurückblicken. Wir begeben uns auf eine Zeitreise in die Vergangenheit zu Julius Pflug und schauen in die unsichere Zukunft.
Foto: Margit Herrmann Galerie (4 Bilder) Galerie (4 Bilder) Galerie (4 Bilder) Galerie (4 Bilder)
Verschnörkelte Wandmalereien schmücken das Gewölbe, in dem sich heute das Lager der Schwanenapotheke in Zeitz befindet. Kostbare Bücher stehen in den mit Intarsien geschmückten Schränken und Standgefäße aus dem 17. Jahrhundert sowie Wiegemesser aus dem 18. Jahrhundert erzählen von der Vergangenheit.

Aus dem Tresor holt Apotheker Alexander Dathe (Foto) sieben in Seidenpapier eingeschlagene Dokumente. Er entfernt den knisternden Mantel und zeigt die wertvollen Apothekenprivilegien aus den Jahren 1549, 1565, 1567, 1616, 1639, 1640 und 1670. „Wenn ich das Pergament in den Händen halte, gehe ich auf eine echte Zeitreise.“


Erste Apotheke 1539 in Zeitz eröffnet

Ehrfürchtig überfliegt er die alten Buchstaben, die fein säuberlich das Blatt füllen. Sein Finger bleibt auf dem Wort Privileg stehen. Im Jahr 1539 eröffnete Nikolaus Clement die erste Apotheke in Zeitz. Als Voraussetzung für die Berufsausübung brauchte der Apotheker eine Betriebserlaubnis. Dieses Exklusivprivileg erhielt er von Herzog Philipp von Bayern, der zugleich Bischof von Freising und von Zeitz-Naumburg war.

Im Jahr 1541 wurde Julius Pflug vom Domkapitel in Naumburg zum neuen Bischof gewählt. Nikolaus Clement musste bei dem neuen Landesherren eine Renovatio seines Exklusivprivilegs einholen. Sie ist noch heute im Besitz der Schwanen-Apotheke und kann bis Oktober 2017 im Schloss Moritzburg in der Sonderausstellung „Dialog der Konfessionen. Bischof Julius Pflug und die Reformation“ betrachtet werden. „Es ist ein unglaubliches Gefühl, die Geschichte so greifbar nah zu haben. Keine andere Apotheke in Deutschland hat laut meines Vorgängers, Apotheker Dr. Uwe Haack, so viele Privilegien in Privatbesitz.“

Aber Historie verpflichtet. Die Privilegien wurden über Jahrhunderte von Besitzer zu Besitzer weitergereicht und auch die anderen Zeugen der Vergangenheit bleiben dem geschichtsträchtigen Haus erhalten. Zur Fortsetzung der Sammlung hat Alexander Dathe weder Zeit noch Raum. Sein Arbeitsalltag ist vollgestopft mit wichtigen Entscheidungen und tatkräftigen Umsetzungen.


Erste Ansprechpartner fürs Wohlergehen

„Früher haben die Apotheker mehr Achtung erfahren. Viele Leute wundern sich sogar, dass wir studiert haben. Sie bezeichnen uns als ‚überbezahlte Schubladenzieher’. Auf der anderen Seite gibt es aber auch Menschen, die uns zutiefst dankbar sind. Der minderwertige Anblick ändert sich jedoch schnell, wenn Gebrechen kommen.“ Für ihre Gesunderhaltung wollen die Kunden investieren. Die Apotheker gehören neben den Ärzten zu den ersten Ansprechpartnern in Sachen Wohlergehen.

Die Rente erwartet Alexander Dathe in 30 Jahren. Er blickt in eine nicht kalkulierbare, unsichere Zukunft: „Heute liebe ich meine Arbeit als Inhaber der Schwanen-Apotheke in Zeitz. Vielleicht soll ich später Mitglied einer großen Kette werden und dabei nur als verlängerter Arm von Investoren agieren. Das entspricht nicht meiner persönlichen Überzeugung.“ Alexander Dathe hat Spaß an der Arbeit in seiner öffentlichen Apotheke: im Hintergrund geht es wie in einem arbeitsamen Bienenstock zu und nach vorn geben sie den Kunden ihre benötigte Ruhe.

„Eine Apotheke ist stets mit den Geschicken der Stadt und ihrer Einwohner verbunden. Wir sind neben der pharmazeutischen Ausbildung auch Seelentröster. Zuverlässig begleiten wir ganze Familien über Jahrzehnte hinweg und erleben die Schicksale, hören zu und spenden Trost.“

Die individuelle Herstellung von Arzneimitteln geht immer mehr verloren. „Es gibt aber noch einige Rezepturen, die wir selber machen“, so Alexander Dathe. „Dazu gehören Hautcremes, Zäpfchen und Kapseln, aber auch ein hauseigener 34-prozentiger Kräuterlikör.“
 
Die Versandapotheken erschweren das Geschäft der Apotheken vor Ort. „Viele können es sich nicht vorstellen: aber wir sind schneller als die Versandapotheken. Im besten Fall können wir  innerhalb von drei Stunden die Medizin liefern. Wir bieten aber neben Qualität und Sachlichkeit auch Humor und Freude an. Die Menschen, die zu uns kommen, sind schon krank. Warum sollten wir ihnen dann nicht mit einem Lächeln begegnen?“


Alte Rezepturen wiederentdecken

Alexander Dathe unterstreicht seine Aussage mit einem freundlichen Grinsen und erfasst den nächsten Gedanken: „Wir versuchen, die Apotheken ins dritte Jahrtausend zu führen. Aber nicht nur Versandapotheken, sondern auch die Krankenkassen machen den Apotheken vor Ort durch ihre Verträge mit Großkunden zu schaffen. Wir wollen und müssen einzigartig sein, um als Unternehmen überleben zu können“, hat der Zeitzer Apotheker erkannt.

Aus diesem Grund forsten er und sein Team neben den täglichen Arbeiten antike Bücher durch, um alte Rezepturen nach einer Unbedenklichkeitsprüfung wieder zum Leben zu erwecken. In fünf Jahren wollen es die drei Apotheker und die fünf pharmazeutischen Fachangestellten geschafft haben und „alte” hauseigene Arzneimittel wieder auf den Markt bringen.


Info:
www.schwanen-apotheke-zeitz-app.de

Kommentar schreiben
Name:
Ort:
Kommentar:
  Ja, ich habe die Hinweise zu Kommentaren auf unserer Website gelesen und akzeptiert.
Eingabeverifizierung: Schreiben Sie die untenstehende Ziffern- / Buchstabenkombination in das folgende Feld. Dadurch wollen wir dazu beitragen, unerwünschten E-Mails und automatischen Versendern keine Verbreitungsmöglichkeit zu bieten.
 
 
Spargel küsst Erdbeere Spargel küsst Erdbeere Ob weiß oder grün: Von April bis 24. Juni (Johannistag) ist Spargel der unbestrittene Spitzenreiter unter den Gemüsen. Sein aromatischer...
Anzeige
Trauerportal
Aus dem Wasser auf den Tisch Aus dem Wasser auf den Tisch Fisch ist gesund, das weiß jeder. Unter der Leitung von Meisterkoch und Berufsschullehrer Bernd Lücke kochen zukünftige Köche einige...
Anzeige
In Schleckweda wird viel gemeckert In Schleckweda wird viel gemeckert Wenn abends die Sonne in einem spektakulären Rot hinter dem Ziegenhof in Schleckweda untergeht, wissen Astrid und Igor Blume, dass sie alles richtig...
Anzeige
Unser Land