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Mario Wetzel Mario Wetzel
aktualisiert am 11.04.2018 um 14:38:53

In Schleckweda wird viel gemeckert

Wenn abends die Sonne in einem spektakulären Rot hinter dem Ziegenhof in Schleckweda untergeht, wissen Astrid und Igor Blume, dass sie alles richtig gemacht haben. Mit einem Glas Wein genießt das Ehepaar die Idylle am großen Holztisch unter der alten Linde.

Die in Stein gemeißelten Jahreszahlen 1769, 1786 und 1885 zeugen von dem hohen Alter der Gebäude. „Als ich den Bauernhof zum ersten Mal sah, war ich fasziniert von seiner Größe und den alten Sandsteingewölben. Meine Frau Astrid, meine damals vier Jahre alte Tochter Charlotte und ich fühlten uns sofort wohl“, erinnert sich Igor Blume, der aus einer Kleinstadt in Nordrhein-Westfalen stammt und nur zufällig im Jahr 2001 auf den Ziegenhof in Schleckweda stieß.

„Die waldreiche Landschaft und die Weinberge direkt vor der Nase, dazu die gute Infrastruktur – wir mussten nicht lange überlegen, den Ziegenhof unser neues Zuhause zu nennen.“ Ziegen gibt es auf dem denkmalgeschützten Vier­­­­seitenhof seit dem Jahr 1989. Damals war der Vorgänger mit ihnen aus Bayern gekommen. Seit fast 30 Jahren sind die friedlichen Wiederkäuer nicht mehr aus Schleckweda wegzudenken.

Während eines dreimonatigen Praktikums erlernte Astrid Blume das Melken und erlangte Kenntnisse in der Ziegenmilchverarbeitung. Das und „learning by doing“ mussten den studierten Landwirten ausreichen um mit der Ziegenhaltung und in der Käserei anzufangen. Damals belieferte das Paar viele Märkte in der Region.

Heute hat sich das Konzept geändert. Mit dem Ausbau des Radweges kamen viele Gäste, die ein Häppchen probieren wollten. Das war der Start für den urigen Hofladen und das gemütliche Café Capra.

Zwei Jahre später – 2006 – wurde die erste Ferienwohnung fertig gestellt. Bis heute kommen immer wieder neue Zimmer hinzu. „Wir bieten unseren Gästen viel Platz zur Erholung, aber auch für Seminare in einer ruhig gelegenen Landschaft“, erzählt der 45-Jährige. „Außerdem bringen wir die Kultur aufs Land.“ Verschiedene Veranstaltungen laden zu unterhaltsamen Abenden mit „handgemachten“ Beiträgen ein, an denen die Hausherren auch mal ihre Stimmen beim Theaterspiel erheben. Die Besucher werden auch zu kleinen Konzerten, Lesungen, Lagerfeuerabenden und Verkostungen eingeladen. Im hofeigenen Café Capra gibt es jeden Sonntag selbst gebackenen Kuchen.

Gern verarbeitet Astrid Blume auch die Früchte der Saison. Gemeinsam mit duftendem Kaffee kommen die Kuchen auf die Tische. Wanderer, Radfahrer und Stammgäste genießen die ländliche Atmosphäre und die Ruhe der Natur während die Kinder im Garten klettern oder in der Sandkiste spielen. Igor Blume steht hinter dem Tresen und bedient die Gäste, während seine Frau in der Küche die warmen Gerichte zubereitet. Angeboten werden auch Weine der Region, Biobier und Biolimo.
 

Ein Tag auf dem Ziegenhof

Kurz vor 7 Uhr klingelt der Wecker bei Familie Blume. Mit einem freudigen Gemecker wird Igor Blume bereits von den 65 Milchziegen erwartet. In den Monaten Februar bis Oktober werden die Ziegen einmal täglich gemolken. Danach versorgt der Landwirt die 34 Jungtiere mit Futter und Wasser und steckt eine neue Tagesweide für die Milchziegen ab. Den ganzen Tag können die Tiere die frische Luft und das grüne Gras genießen.

Anfang August kommt der Bock in die Herde und darf seinen Natursprung abliefern. Mit anderthalb Jahren werden auch die Jungziegen zum ersten Mal gedeckt. Gut vier Wochen braucht Odysseus – der aktuelle Zuchtbock – um alle Muttertiere zu bespringen.

Fünf Monate später kommen dann die Zicklein zur Welt. Von den zirka 120 Zicklein bleiben etwa 25 als Nachzuchttiere auf den Hof. Der Rest wird verkauft oder als Osterzicklein geschlachtet vermarktet. „Natürlich habe ich eine Bindung zu den Tieren aufgebaut. Darüber darf ich nicht nachdenken, wenn der Sonntagsbraten auf den Tisch kommt“, gibt Igor Blume zu.

Astrid Blume ist dreimal in der Woche mit der Milchverarbeitung beschäftigt. Die Ziegenmilch wird unter Zugabe von Milchsäure und Lab in einem großen Metallbottich leicht erwärmt. Den so gewonnene Käsebruch trennt die 41-Jährige von der Molke und bringt ihn in Form. Je nach Art und Sorte frisch, weich, halbhart, hart oder bröckelig. Nach der Herstellung gelangen die Ziegenkäse zur Reifung bei 18 Grad und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit in die Kellergewölbe. Dort bleiben sie bis der Käse den angestrebten Reifegrad erreicht hat. Der Käse wird mit den Wochen immer fester und entwickelt eine feine weiße, gelbe oder bräunliche Rinde.

Jeden zweiten Tag muss die Landwirtin Käsepflege betreiben und die Laibe mit Salzwasser abreiben. Hierdurch entsteht die essbare Naturrinde, die den Käse schützt und auch sein Aroma mit bestimmt. Auch wenn die Blumes gern einmal in der Ziegenkäseherstellung variieren, die Kunden wünschen ihr Altvertrautes. So stehen im Hofladen Schimmelreiter, Ziegenpeter, Kräuterkäse, Elstertaler und Frischkäse ständig zum Verkauf.

Auf Igor Blumes Kommando kehren die Ziegen am späten Nachmittag heim. Das ganze Jahr über wird immer wieder neues Stroh in den Tiefmiststall aufgetragen. Nur dreimal im Jahr muss der Stall ausgemistet werden. „Ziegen sind witzige und tolle Tiere“, sagt Igor Blume während er den Ziegen das Kraftfutter in den Trog gibt und ihnen liebevoll das Fell tätschelt. An manchen Tagen sieht sich das Ehepaar gar nicht. Oft sitzen aber beiden zum Mittagessen oder bei einem Kaffee am Nachmittag zusammen. Gegen 19 Uhr ist für Familie Blume Feierabend.

„Wir sind zufrieden mit unserem Leben“, sagt Astrid Blume in der Abendsonne und stößt mit ihrem Mann Igor auf das Leben auf dem Ziegenhof in Schleckweda an.


Info

Igor und Astrid Blume
Elsterweg 4 | 06722 Wetterzeube
Tel. 03 66 93/2 27 47
E-Mail: info@ziegenhof-schleckweda.de
www.ziegenhof-schleckweda.de

 

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