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Mario Wetzel Mario Wetzel
aktualisiert am 11.04.2018 um 14:39:06

Es duftet wie zu Omas Zeiten

Mal eben fix einen Kuchen backen – in einem Backofen, der 1880 das erste Mal beheizt wurde, wird das ganz bestimmt nichts. 

Eine Woche (!) muss der Doppelstockbackofen in der historischen Backstube in Volkstedt vorgeheizt werden. Ganz, ganz langsam, damit die Schamottsteine nicht platzen. Die leiten nämlich den Backprozess ein. Erst nach Tagen ist mit 200 bis 250 Grad die richtige Temperatur erreicht, dann kommt das Feuer aus dem Ofen und es beginnt das Backen. Aber Bäckermeister Karl-Heinz Wahl versteht nicht nur sein Handwerk, er beherrscht auch die uralte Technik. Von 1969 bis 1971 hat er an diesem Backofen gelernt. Er war der letzte Lehrling überhaupt in der Volkstedter Backstube. Nach der Lehre hat er dann die Bäckerei gepachtet, bevor es ihn 1978 in die Nähe von Potsdam, nach Bestensee, verschlagen hat, um dort eine eigene Bäckerei  zu übernehmen.

Nach Karl-Heinz Wahl versuchte sich noch ein anderer Bäcker an dem Ofen. Doch die historische Technik hat es in sich, das Backen damit ist aufwendig. Und so machte die Landbäckerei in Volkstedt 1980 zu – 100 Jahre nachdem der Backofen das erste Mal in Betrieb genommen worden war. Dabei war es Ende des 19. Jahrhunderts ein fortschrittlicher Ofen, Brot und Gebäck konnten gleichzeitig gebacken werden. Das war notwendig, um die Einwohner zu versorgen. Seinerzeit erlebte der Ort durch den Bergbau einen großen Zuzug – und die Menschen wollten Brot essen.

Ein Vierteljahrhundert blieb der historische Ofen unberührt. Erst der Heimatverein Volkstedt hat ihn wieder in Erinnerung gerufen. 2003 hatte der sich gegründet und war 2005 in die ehemalige Bäckerei eingezogen. Als Karl-Heinz Wahl das in Brandenburg hörte, sagte er bestimmt: „Da müssen wir ein Museum draus machen, aber kein totes, sondern ein lebendiges, in dem gebacken wird“.

Gesagt, getan! Allerdings war es eine Herausforderung, den Ofen, der in das Gebäude integriert ist und sich demnach nicht einfach ausbauen und woanders wieder aufbauen oder reparieren lässt, wieder zum Laufen zu bringen. Doch er konnte instand gesetzt werden und mit dem Wissen von Bäckermeister Wahl kann man damit wieder backen.

Seit 2007 läuft ein Mal im Jahr der Ofen heiß. Beim alljährlichen Schaubacken, immer Anfang August, werden viele Bleche mit Mohn-, Pflaumen-, Quark-, Streusel- und Zuckerkuchen sowie Brote gebacken. Es ist immer eine ganz besondere Atmosphäre in der Backstube, auch wenn es für die Bäcker natürlich eine harte Arbeit ist. Die Besucher können dem Bäckermeister und seinen Gesellen nicht nur beim Backen zuschauen, sie dürfen das Gebackene natürlich auch probieren.

Auch für die Mitglieder des Vereins ist das Backfest mit viel Arbeit verbunden. Es wird dann in der historischen Backstube geputzt, geräumt, geheizt, die Ausstellungsräume werden vorbereitet, Stühle und Tische für die Besucher aufgestellt und natürlich wird auch den fleißigen Bäckern geholfen.

Wenn die Brote und Kuchen dann aus dem Ofen kommen, ist das ein unbeschreiblicher Duft, bei dem man einfach zubeißen muss, denn die Steinplatten geben dem Backwerk eine ganz besondere Note.  Kosten Sie das doch selbst einmal beim Schaubacken in der historischen Backstube in Volkstedt im Mansfelder Land.


Museum zum Anfassen

Die Historische Landbäckerei in der Schulstraße in Volkstedt beherbergt nicht nur den zweietagigen Steinbackofen mit der Backstube. Das Gebäude hat der Heimatverein Volkstedt mit Hilfe von Fördermitteln, vielen tatkräftigen Helfern und Bäckermeister Karl-Heinz Wahl zu einem Museum umgebaut.

Passend zum Thema Backen wird die Ausstellung „Vom Korn zum Brot“ gezeigt. Bei kleinen privaten Bäckereien haben die Mitglieder des Vereins historische Arbeitsgeräte eines Bäckers aufgespürt und ausgestellt. Außerdem gibt es Informationen zu Getreide, Mehlen, Maßen und Gewichten, Backutensilien und und und.

Wie die Bäcker gelebt haben, kann man im Obergeschoss in der historischen Wohnung nachempfinden. In Wohn­­zimmer, Küche, Kinderzimmer, Bad und Nähzimmer werden Gegenstände des täglichen Lebens, vor allem aus der Zeit von Mitte bis Ende des 20. Jahrhunderts, gezeigt. Mehr unter www.heimatverein-volkstedt.de.

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