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Wochenspiegel > Unser Land > Eine sagenhafte Wanderung zu den Lobaser Märchenlöchern >
Mario Wetzel Mario Wetzel
aktualisiert am 11.04.2018 um 15:17:10

Eine sagenhafte Wanderung zu den Lobaser Märchenlöchern

Ortschronist Volker Thurm Ortschronist Volker Thurm
Foto: Margit Herrmann Galerie (3 Bilder) Galerie (3 Bilder) Galerie (3 Bilder)
Das Sonnenlicht scheint zart durch die Bäume eines kleinen Hains nahe des Dörfchens Lobas und zaubert helle Formen auf den Waldboden. Die Sprünge eines Rehbocks rascheln im Unterholz. Volker Thurm kniet vor einem Born und lässt kristallklares Wasser in seine Hände laufen. Siebenmal spritzt er sich das neun Grad kalte Nass ins Gesicht; die Tropfen perlen von seiner Haut ab. Er nimmt drei tiefe Schlucke des frischen Quells und murmelt: „Großer Gott, erbarme Dich meiner. Schicke mir Gesundheit, Glück und Wohlstand. Ich danke Dir. Amen.“

Das Glückswasserschöpfen hat in Lobas eine lange Tradition. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts kam regelmäßig ein Mönch aus Kloster Posa nach Lobas um den Gottesdienst abzuhalten. In einem Gefäß brachte er gesegnetes Wasser für die Täuflinge mit. Eines Tages passierte dem Mönch ein Malheur: der Krug zerbrach und das kostbare Wasser rinn über den Boden. Da die Leute der Gegend so fromm und gläubig waren, dachte sich der Mönch, dass das aus der Erde kommen müsse. Und so segnete er die Quelle an den Märchenlöchern, die damals unter den Wurzeln einer großen Eiche entsprang.

Gegen Ende des 30-jährigen Krieges rasteten Sinti und Roma im nahe gelegenen Zigeunerhölzchen. Sie holten sich das lebensnotwendige Wasser von der Quelle. Eines Tages traf eine reisigsuchende Frau aus dem Dorf auf eine Zigeunerin. Die Bäuerin klagte ihr Leid: die Kinder hungern und es herrsche die Seuche. Daraufhin besprach die Zigeunerin die Quelle ein zweites Mal. Der Gram der Mutter verschwand, nachdem sie mit dem Wasser die Schwelle ihres Zuhauses beträufelte.

Viele Jahre lang fand daraufhin am ersten Sonntag im November die Prozession zu den Märchenlöchern statt. Die Einwohner Lobas' tröpfelten das Glückswasser aus der Quelle vor ihr Tor. Die Bauern und Handwerker glaubten fest daran, dass das Wasser ihre Häuser vor Blitzeinschlägen und sie selbst vor der Pest sowie Unheil schützen würde. Mit dem Tod des Pfarrer Burckes im Jahr 1918 verstarb auch die alte Tradition. Durch Zufall stieß Ortschronist Volker Thurm (Foto linke Seite) im Jahr 2007 auf den alten Brauch. Nur noch Liesbeth Brauer († 2014), die damals über 90-jährige Milbenkäsekönigin aus Würchwitz, erinnerte sich noch an die Erzählungen über die Lobaser Märchenlöcher.  

Heute ist das Glückswasserschöpfen in vieler Munde. Manch einen hat diese Tradition sogar zu einem glücklichen Gewinner gemacht. Volker Thurm erzählt: „Eine Frau aus dem Leipziger Land behandelte ihren Lottoschein mit dem Glückswasser. Zwei Tage später rief sie mich überglücklich an und teilte mir mit, dass sie vier Richtige habe – 42 Euro mehr im Geldbeutel.“

Auch einige Heilpraktiker schwören auf die Kraft des Wassers und lassen es in die Behandlungen einfließen. Um eine Gesundheitsgefährdung auszuschließen, wird vor jeder Führung das Wasser auf den Nitratwert überprüft. „Durch das Düngen der Felder gelangen die Salze in das Grundwasser“, erklärt Volker Thurm. „Der Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter wurde an den Märchenlöchern bei Lobas nur manchmal gering überschritten.“

Dennoch möchten er und die Interessengemeinschaft Blumenmühle ein Schild  mit der Aufschrift „Kein Trinkwasser“ anbringen.

Bereits bei der dritten Auflage der alten Tradition in der Neuzeit kamen 176 Menschen aus nah und fern um sich Glückswasser zu schöpfen. Die Neubelebung des alten Brauchtums sprach sich schnell rum, so dass es jetzt Führungen Ende März und Anfang November gibt. Wer sich eine Glückswasserprobe aus der Märchenlochquelle mitnehmen möchte, sollte ein verschließbares Gefäß mitbringen.

Der Würchwitzer Ortschronist Volker Thurm erzählt während der Exkursion zahlreiche Sagen und wahre Begebenheiten, die sich einst entlang der Route zutrugen. Alle Wanderfreunde und Glücksritter aus nah und fern sind herzlich eingeladen.


Kontakt

Volker Thurm
Telefon: 034426/5 00 73
oder
Blumenmühle Würchwitz Telefon: 034426/2 12 62

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