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Wochenspiegel > Unser Land > Der wichtigste Rohstoff für die Bierbrauer >
Mario Wetzel Mario Wetzel
aktualisiert am 12.04.2018 um 16:57:49

Der wichtigste Rohstoff für die Bierbrauer

Wer das „Kühle Blonde“ liebt, dem ist sicher auch der Spruch bekannt: „Hopfen und Malz: Gott erhalt’s“. Denn jeder Biertrinker kennt die wichtigsten Zutaten zu seinem Lieblingsgetränk. Doch hat er sich auch schon mal Gedanken gemacht, wo die wohl wichtigste Zutat, der Hopfen, eigentlich herkommt?

Wer im südlichen Sachsen-Anhalt wohnt, der muss nicht weit fahren, um etwas über die Produktion, den Anbau und die Pflege des Hopfens zu erfahren. Im Landkreis Anhalt-Bitterfeld ist der „Hopfenbauer Regner“ zu Hause. Dabei sind es eigentlich zwei Hopfenbauern, Vater Alfred Regner und Sohn Marcus Regner, die sich dem Hopfenanbau gewidmet haben. Beide bilden seit 2007 eine GbR mit zwei Gesellschaftern.

Dabei ist Hopfenbauer mehr ein Begriff als ein Beruf, erläutert Marcus Regner. Er selbst lernte Landwirt, und sein Vater hatte damals in der LPG Baasdorf die Tätigkeit des Opas Josef Regner übernommen. Diesem unterstand in der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft der Hopfenanbau. Als er in Rente ging, übernahm fast automatisch Alfred das Zepter.


Hopfenanbau hat bei den Deutschen eine lange Tradition

Einst das größte Anbaugebiet der Welt, wurde Deutschland von Amerika überholt und steht nun auf Platz zwei. In Deutschland selbst gibt es vier große Anbaugebiete: Hallertau in Bayern, Elbe-Saale (Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen), Tettnang (oberhalb des Bodensees in Baden-Württemberg) und Spalt (ebenfalls in Bayern). Die Reihenfolge entspricht auch den Größenverhältnissen.

Im heutigen Sachsen-Anhalt begann der Hopfenanbau im 13. und 14. Jahrhundert bei Gardelegen. In Mitteldeutschland selbst verbreitete er sich erst in der Zeit 1956 und 1957.

Ziel war damals der Anbau eigener Rohstoffe zu DDR-Zeiten, der Aufbau einer unabhängigen Hopfenproduktion. Die Pioniere dabei sind Umsiedler aus dem Sudetenland gewesen. Alle, die sich mit dem Hopfenanbau befassten, wurden eingegliedert in die LPG mit Flächen so um die drei bis fünf Hektar. Alfred Regner erinnert sich: „Mein Vater Josef hatte zuletzt immer 30 bis 45 Hektar Anbaufläche in der LPG Baasdorf. Da kein Nachfolger da war und keiner Hopfen machen wollte, fiel die Wahl auf mich. Hopfen bedeutet eben auch viel Handarbeit.“

Mit der politischen Wende kam auch auf Alfred Regner die Frage zu: was nun? Das Vertrauen in das eigene Können gab den Ausschlag. Auch in der Familie waren sich alle einig: „Probieren wir es mal!“

So wurde 1991 der erste Pachtvertrag mit der Treuhand über 42 Hektar Fläche abgeschlossen. Heute weist der Hopfenanbau Regner, wie das Unternehmen seit 1991 heißt, drei Produktionsstätten auf. In Baasdorf, Edderitz und Prosigk mit dem Erntezentrum in Prosigk. Zu LPG-Zeiten gehörte zu jeder Anbaufläche ein Erntezentrum; heute haben die drei Anbauflächen eins in Prosigk.


Dankbare Pflanze

Hopfen ist eigentlich eine dankbare Pflanze. Sie wird einmal gepflanzt und bleibt 15 Jahre und länger im Anbau. Das älteste Feld im Bestand von Alfred und Marcus Regner ist die Sorte „NB“ (Nordischer Brauer). Es wurde 1967 bepflanzt und wird noch immer erfolgreich beerntet. Um eine Vorstellung von der Bepflanzung zu bekommen: Auf einem Hektar Land stehen bis zu 2 700 Hopfenpflanzen. Pflanzmaschinen helfen, aber jede Pflanze muss noch immer mit der Hand in die Maschine eingelegt werden.


Rechtsrum um den Draht

Die charakteristischen Drähte in den Hopfenfeldern werden in jedem Jahr neu gezogen, das sind am Ende rund 35 Tonnen Draht. Von jeder Pflanze gehen zwei Drähte nach oben, ungefähr sieben Meter. Zwei bis drei Pflanzentriebe kommen an einen Draht, „die Pflanze wird angeleitet“. Dabei ist zu beachten, dass die Pflanze immer rechtsrum um den Draht wachsen muss. Marcus Regner: „Immer so, wie die Sonne sich dreht. Wenn das nicht beachtet wird, dann liegen die Triebe am nächsten Tag wieder unten!“

Der Hopfen klettert rund sechs Wochen lang, vom 15. Mai bis Ende Juni. „Am 1. Juli soll er oben sein“, betont Alfred Regner, „denn dann geht er in die Breite und bildet Seitentriebe.“

Ab Mitte Juli bekommt der Hopfen je nach Sorte Blüten. Das Wetter sollte idealerweise feucht und warm sein, wobei keine Hitzerekorde notwendig sind. Auf den Feldern liegen Tropfenschläuche (rund 500 km) über alle Pflanzen, die so 1,6 Liter je Stunde abgeben. Früher wurde die Pflanzenreihen geflutet, aber das führte zu sehr unterschiedlichen Nässegraden. Das brachte Ertragsschwankungen von bis zu 50 Prozent. Mit dem Einsatz der Tropfenschläuche seit 1998 gibt es stabile Erträge. Nun gilt es, die Pflanze gegen Schädlinge (Blattläuse, Rote Spinne und Pilzkrankheiten) zu schützen.

Dann geht es weiter: Sind die Dolden fest und geschlossen, dann ist der Hopfen reif. Die Hopfenpflanze wird von speziell ausgerüsteten Landmaschinen (Trecker) maschinell abgeschlagen und die Reben landen auf dem Hopfenladewagen. Dazu ist je Gespann nur ein Fahrer erforderlich. Maschinenanbauten sind zum größten Teil Eigenanfertigungen, es gibt noch einen Hersteller in Bayern.

Die komplette Ernte kommt nach Prosigk gefahren. Hier werden die geernteten Hopfenpflanzen in Vorrichtungen eingehängt und die Dolden maschinell abgepflückt. „Die Rebe wird von den Blättern gereinigt“, sagt der Fachmann. Anschließend laufen die Dolden durch die Trocknungsanlage etwa fünf bis sieben Stunden auf einem Endlosband. Ziel ist eine Luftfeuchtigkeit von zehn Prozent zu erreichen. Ist dieser Prozess abgeschlossen, erfolgt die Verpackung in Rechteckballen (ca. 60 bis 70 Kilo ein Ballen).


250 bis 300 Tonnen pro Jahr

Produziert werden rund 250 bis 300 Tonnen je Jahr. Die Hälfte wird noch während der Erntezeit abgefahren, die andere Hälfte wird kühl eingelagert und nach Bedarf dann abgeholt. Zehn-Jahres-Verträge mit dem Großhandel garantieren den Hopfenbauern gewisse Sicherheiten. Über 95 Prozent des geernteten Hopfens geht weltweit in Braubetriebe, ein geringer Teil wird in der Kosmetik und Pharmazie verarbeitet. Die Sorte NB (jetzt 50 Jahre alt) wird zum Beispiel in die USA geliefert.

„Der Hopfen will jeden Tag seinen Herrn sehen“, so lautet ein altes Sprichwort. Alfred und Marcus Regner müssen schmunzeln, wenn sie die Frage nach einer Freizeitbeschäftigung hören. Hopfensaison ist von April bis Oktober – von Aufschließen bis zum Abschließen (7 bis 20 Uhr). Bis zu 40 Leute sind je nach Arbeitsanfall in der Saison beschäftigt, zumeist Saisonkräfte.

Und nach Feierabend? Was trinken die Hopfenbauern dann? „Ein Bierchen darf es gern sein, aber etwas bitter ...“, betonen die Regners übereinstimmend. Und das die ganze Familie in den Hopfen verliebt ist, das bewies auch Alfreds Tochter Jana Miertsch, die von 2014 bis 2016 als Hopfenkönigin über das Elbe-Saale-Anbaugebiet thronte.

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