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Wochenspiegel > Unser Land > Startschuss für EFRE-Kulturerbeprogramm in Sachsen-Anhalt gegeben >
Sonja Richter Sonja Richter
aktualisiert am 04.05.2018 um 13:05:41

Startschuss für EFRE-Kulturerbeprogramm in Sachsen-Anhalt gegeben

273 408 Euro hatte Kulturminister Rainer Robra (re.) für Clemens Birnbaum mitgebracht. 273 408 Euro hatte Kulturminister Rainer Robra (re.) für Clemens Birnbaum mitgebracht.
Foto: S. Richter Galerie (2 Bilder) Galerie (2 Bilder)
Das Land verteilt insgesamt 33,5 Millionen Euro an zwölf Projekte.

Halle (sr). Die älteste Abbildung des Händel-Hauses in Halle stammt aus „The Illustrated London News" vom Jahr 1859. Aber schon, als es der Vater von Georg Friedrich Händel im Jahr 1666 kaufte, hatte das Gebäude einige Veränderungen erlebt und erlebt sie bis zum heutigen Zeitpunkt.

Clemens Birnbaum, Direktor der Stiftung Händel-Haus, kann sich erinnern, dass sein Bild des Händel-Hauses von dem alten Foto aus England geprägt worden war. Und dann sah es ganz anders aus, als er nach Halle kam. Zum Beispiel gab es die Toreinfahrt neben der Eingangstür nicht mehr. Die wurde um 1930, etwa zu der Zeit, als das Haus in das Eigentum der Stadt Halle überging, geschlossen und an ihrer Stelle zwei Fenster eingebaut. Und genau diese Einfahrt soll das Händel-Haus jetzt in einer umfangreichen Baumaßnahme wieder erhalten. Aber nicht nur die Einfahrt, der ganze Eingangsbereich wird umgebaut und zwar barrierefrei. „Das ist gar nicht so einfach in einem Denkmal", so der Hausherr, als er in der vergangenen Woche gemeinsam mit dem Architekten Johann-Christian Fromme das Projekt den Medien vorstellte. Aber man hat sich viel vorgenommen.

Mussten Besucher, wenn sie nicht über die Treppen in das Haus kommen konnten, bisher immer Hilfe rufen, sollen dann zukünftig die Rollstuhlfahrer ebenerdig in das Museum rollen können. Dort wartet eine Plattform auf sie, mit der sie bequem und selbständig auf das Treppenniveau hinauf fahren können. Die einzelnen Etagen des Museums erreichen sie weiterhin mit dem Fahrstuhl in der Glashalle, aber den Weg dorthin können sie allein bewältigen. Und auch an Rollstuhl fahrende Konzertbesucher wurde bei den Planungen gedacht. Der Kammermusiksaal besitzt eine zur Zeit verschlossene Tür, die man wieder öffnen und mit einem Lift für die Rollis versehen wird. Insgesamt 341 760 Euro wird der gesamte Umbau kosten. Der Bauantrag ist bereits gestellt, versicherte Clemens Birnbaum, und Ende 2019 sollen alle Arbeiten abgeschlossen werden.

Aus eigener Kraft hätte die Stiftung Händel-Haus diese behindertengerechte Sanierung aber nicht stemmen können. Um so größer war die Freude, als Kulturminister Rainer Robra am vergangenen Donnerstag (3. Mai) einen Fördermittelbescheid überbrachte. Mit insgesamt 273 408 Euro aus dem EFRE-Kulturerbeprogramm wird das Land den Umbau in Händels Geburtshaus unterstützen. Das Projekt in Halle ist eines von zwölf in ganz Sachsen-Anhalt, das in der ersten Runde gefördert wird.

Insgesamt standen für den Wettbewerb „Verbesserung der Präsentation und nachhaltigen Nutzung des kulturellen Erbes in Sachsen-Anhalt in der EFRE-Förderperiode 2014 - 2020" Mittel in Höhe von rund 33,5 Millionen Euro zur Verfügung. „Dafür wurden 47 Anträge eingereicht", so Rainer Robra, „und eine Jury aus Fachleuten hat ausgewählt, wo für den Anfang Geld investiert wird". Damit solle das kulturelle Erbe des Landes erhalten und aufgewertet und die regionale Entwicklung unterstützt werden. Zum ersten Mal steht dabei nicht ein einzelnes großes Projekt, wie es beispielsweise die Luther-Dekade war, im Mittelpunkt, sondern viele kleine. Mit der Übergabe des Fördermittelbescheides in Halle wurde der Startschuss für die neue Förderperiode gegeben. Aus dem derzeitigen Budget sollen auch weitere Objekte in Halle finanziert werden, beispielsweise der Silberschatz der Halloren oder die Marktkirche. Aber auch der Stiftsberg Quedlinburg und das Goethe-Theater in Bad Lauchstädt stehen auf dem Plan. Dass die 33,5 Millionen Euro nicht für alle Wünsche reichen, weiß auch der Kulturminister und versicherte, dass Sachsen-Anhalt weiteres Geld beantragt hat. Immerhin hat die Jury 25 der eingereichten 47 Anträge für förderwürdig befunden und eine Rangfolge festgelegt. 20 Millionen Euro, so Robra, hat Sachsen-Anhalt deshalb bei der EU zusätzlich beantragt.

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