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Mario Wetzel Mario Wetzel
aktualisiert am 31.08.2018 um 16:15:43

Roggenernte für die Wissenschaft



Die Auswirkungen der Dürre in diesem Jahr haben auch die in der Lehr- und  Versuchsstation angebauten Feldfrüchte in der halleschen Julius-Kühn-Straße zu spüren bekommen. Wie bei vielen Landwirten in Sachsen-Anhalt auch, mussten die Agrarwissenschaftler auch geringere Erträge verzeichnen. Hier im Nordosten Halles, im meteorologisch gesehen: Trockengebiet Mitteldeutschland, befindet sich Deutschlands ältester und weltweit zweitältester Dauerfeldversuch: „Der ewige Roggenbau“. Der Agrarwissenschaftler Dr. Julius Kühn (1825–1910) legte den Dauerfeldversuch im Jahr 1878 an. Er und Albrecht Daniel Thaer gelten als Wegbereiter des landwirtschaftlichen Universitätsstudiums in Deutschland.

Am 30. April 1862 wurde Julius Kühn als erster Universitätsprofessor für Landwirtschaft an die Universität Halle berufen. Damals war der Lehrstuhl der Philosophischen Fakultät angegliedert. Drei Jahre später richtet er eine universitätseigene Feldversuchsstation ein, am Ende der später nach ihm benannten Julius-Kühn-Straße. Bereits ein Jahr zuvor gründete Kühn einen Haustiergarten.

Er lag zwischen Emil-Abderhalden- und Ludwig-Wucherer-Straße, wo sich heute das Geisteswissenschaftliche Zentrum der Martin-Luther-Universität befindet. Die Idee dahinter: die Verbindung von Forschung und Lehre. Neben verschiedenen agrarwissenschaftlichen Versuchen verfolgte er das Ziel, Studierenden die Durchführung von Feldversuchen zu ermöglichen, nach dem Lehrprinzip: „Selbstsehen, Selbsterfahren, Selbsttätigkeit“. In seiner universitären Schaffenszeit legte Kühn außerdem Versuche zur Einfelderwirtschaft, Dreifelderwirtschaft und zur Fruchtwechselwirtschaft an.  

Dr. Helmut Eißner begleitet den rund 6.000 Quadratmeter großen Dauerdüngeversuch auf dem Kühnfeld seit 17 Jahren. Der heutige Leiter der Lehr- und Versuchsstation: „Kühn wollte die Langzeitwirkungen unterschiedlicher Düngungen auf Pflanzen und Boden herausfinden. Es ging ihm darum zu klären, wie sich die Pflanze ernährt. Durch Humus, durch die Aufnahme mineralischer Stoffe aus dem Boden, durch die Aufnahme von Stickstoff aus der Luft oder durch die Aufnahme von Stickstoff oder Dünger aus dem Boden. Auch heute noch ist dies das Ziel des Versuchs, wenngleich nach leicht geänderten Parametern. Der Feldversuch läuft seit 140 Jahren ununterbrochen. Ursprünglich war gar nicht vorgesehen, das der Versuch ‚ewig’ währt. Wahrscheinlich fiel Ende der 1920er Jahre, anlässlich des 50-jährigen Jubiläums, die Entscheidung den Roggenversuch ohne Zeitbegrenzung weiterzuführen. Die Größe des Feldes blieb über die Jahre hinweg gleich“, weiß der Agrarwissenschaftler. „Heute untersuchen wir fünf verschiedene Varianten organischer und mineralischer Düngung. Wir setzen Stallmist, Stickstoff und Phosphor ein. Eine Zelle bleibt ungedüngt.“

Angebaut wird Winterroggen auf einem ertragreichen Schwarzerdeboden aus Sandlös. „Es werden möglichst lange gleiche Sorten eingesetzt. Seit 1878 waren es er neun“, betont Eißner. „Wir können sogar Düngung, die vor über 60 Jahren eingebracht wurde nachweisen. Die Wirkung einer Düngung zeigt nicht sofort Effekte, manchmal erst nach einigen Jahren. Denn im Boden spielen sich komplexe Prozesse ab." Im Jahr 1962 wurde zusätzlich zur Monokultur Winterroggen, noch eine Monokultur Mais und in Fruchtfolge Kartoffeln und Winterroggen angebaut.

Regelmäßig werden Bodenproben entnommen und im Labor untersucht. Auf dem Gelände der Versuchsstation befindet sich eine moderne Wetterstation. „Sie liefert uns wichtige meteorologische Daten, wie Temperatur, Niederschlagsmenge und Windstärke. Weil es aufgrund des Klimawandels längere und häufigere Trockenperioden gibt, werden zukünftig auch tiefere Bodenschichten beprobt“, so Eißner, denn die Pflanzen, vor allem Mais bilden bei Trockenheit längere Wurzeln aus, um an Nährstoffe zu gelangen. Der Dauerfeldversuch schuf in diesem Sommer einen aktuellen Bezug zur lang anhaltenden Dürre. Denn schon die Erkenntnisse aus den Vorjahren zeigten den Agrarforschern, dass Böden Phasen längerer Trockenheit besser überstehen, wenn sie organisch gedüngt werden. Die Erträge sind nicht, wie lange Zeit angenommen, bei organischer und mineralischer Düngung gleich.

Der Versuch erlaubt Einblicke in das komplizierte Zusammenspiel von Boden, Pflanze und Umwelt. Besonders spannend ist der Fakt, dass auf der ungedüngten Parzelle immer noch Erträge erzielt werden, die sogar nach den 1990er Jahren wieder leicht ansteigen. Dr. Helmut Eisner sieht die Gründe in einer tieferen Bodenbearbeitung durch bessere Landtechnik und einen höheren CO2-Gehalt in der Luft aufgrund der Klimaveränderung.

Auf der rund 34 Hektar großen Fläche der Lehr- und Versuchsstation gibt es neben den  Dauerdüngefeldversuchen und anderen agrarwissenschaftlichen Versuchen Flächen für Pflanzenzüchtungen, Übungsflächen für die Studierenden und einen Nutzpflanzengarten. Dr. Helmut Eißner: „Zur Feldbearbeitung stehen den drei Mitarbeitern unserer Station  Mähdrescher, Traktoren und weitere Feldversuchs- und Erntetechnik zur Verfügung. Bis 1968 waren Pferdepflüge im Einsatz.“ Im August 2007 wurde die Lehr- und Versuchsstation mit dem „Kühnfeld“ als Kulturdenkmal in die Denkmalliste des Landes Sachsen-Anhalt eingetragen.


Kurz-Info:
Die Landwirtschaftliche Fakultät wurde 1947 gegründet. Im Zuge der Neustrukturierung der Universität ging im Jahr 2007 die Fakultät in das Institut für Ernährungswissenschaften der Naturwissenschaftlichen Fakultät III über.



Quellen:
„Von der Landwirtschaftlichen Fakultät zum Institut für Agrar- und Ernährungswissenschaften“ Martin-Luther-Universität Halle–Wittenberg und Gesellschaft zur Förderung der Agrar- und Ernährungswissenschaften an der Martin-Luther-Universität Halle–Wittenberg
„Wissenschaft mit Ausdauer“ Agrarzeitung, 29. Juli 2016
„Das Kühnfeld in Halle – Geschichte und gegenwärtige Aufgaben“ Dr. agr. Helmut Eißner

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