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Mario Wetzel Mario Wetzel
aktualisiert am 03.09.2018 um 09:38:36

Kleine Köpfe - großer Appetit

Mit einem beherzten Griff dringt Kai-Uwe Brandts Hand in die schwarze Erde. An dem Batzen, den er herauszieht, ist noch deutlich Stroh zu erkennen, das mit einer weißen Schicht überzogen ist. „Das ist das Pilzmyzel, ein feines Fadengeflecht, dass sich durch Pferdemist und Hühnerdung zieht“, erklärt der studierte Agraringenieur. Er betreibt eine Pilzaufzuchtsanlage in Ostrau, einem Ort im Burgenlandkreis. Unabhängig vom Wetter und von der Jahreszeit gedeihen in seinem Anbaubetrieb Kultur-Champignons. Die kleinen Köstlichkeiten werden in sechs Kulturräumen auf je 200 Quadratmeter Erntefläche in Etagenbeeten angebaut.

Das Ertragsvolumen beträgt 25 Kilogramm pro Quadratmeter. Pilze vermehren sich mit Hilfe von winzigen Sporen. Sie lassen sich am Boden nieder, saugen Wasser auf und setzen sich dann am Nährboden fest. Dieses fertige Substrat kauft Kai-Uwe Brandt und lässt daraus innerhalb von drei bis sechs Wochen Pilze sprießen. Pro Stunde wachsen die Champignons einen Millimeter.

Kai-Uwe Brandts Großeltern lebten auf einem Rittergut in Ostrau. Sein Großvater fiel im Krieg, so dass sich seine Großmutter mit den zwei Kindern eine Existenz in Mecklenburg aufbaute. Sein Vater Hilmar Brandt arbeitete in den 1970er Jahren in Trinwillershagen als Produktionsleiter in der größten Champignonanlage der ehemaligen DDR. Rund 30 Tonnen Pilze wurden wöchentlich bis zur Schließung Anfang der 1980er Jahre geerntet. Nach der politischen Wende machten sich Hilmar und Kai-Uwe Brandt in der Heimat ihrer Vorfahren ansässig und eröffneten im Sommer 1996 ihren eigenen Anbaubetrieb für Champignonkulturen. Im Jahr 2008 ging Hilmar Brandt in den Ruhestand. „Heute fühle ich mich in der Elsteraue zu Hause“, gesteht Kai-Uwe Brandt. „Die Ostsee vermisse ich nicht – ich habe hier ein Haus gebaut und eine Familie gegründet. Außerdem führen mich unsere Urlaube immer wieder ans Meer.“

In einer Woche erntet Kai-Uwe Brandt fünf Tonnen Champignons. „Diese Menge bekommt man nicht in den Gaststätten der Region verteilt“, erklärt der Agraringenieur. Aus diesem Grund betreibe er keine Direktvermarktung, sondern sei einer Erzeugerorganisation beigetreten. In einem kleinen Hofladen können sich zudem Verbraucher mit den weißen Kappen eindecken. Früher hat Kai-Uwe Brandt seine Erzeugnisse auch auf Märkten angeboten. Heute möchte er sich auf das konzentrieren, was ihm Spaß macht. Und das ist die Überwachung der Produktion.

Seine acht Mitarbeiter sind vorwiegend für die manuelle Ernte der druckempfindlichen Pilze eingesetzt. Pro Stunde müssen sie mit der Hand 26 Kilogramm Champignons ernten. Dabei werden die Pilze aus der Deckerde gebrochen, der Fuß abgeschnitten und der Fruchtkörper in die Verkaufsverpackung gelegt. „Heute ist es schwierig, gute Arbeitskräfte zu finden, denen körperliche Arbeit noch Freude macht.“ Die Wirtschaftlichkeit des Betriebes ist ein großes Thema. Die Erlöse stagnieren und der demografische Wandel ist hier im ländlichen Bereich stark zu spüren.

Seine drei Kinder sind an der Firmennachfolge nicht interessiert. Für sie scheint die Arbeit nicht attraktiv: „Feierabend gibt es erst, wenn die Arbeit getan ist und auch der Wochentag ist bei der Ausübung sekundär“, beschreibt der Agraringenieur die Nachteile der Pilzaufzucht. „Da ich mein Hobby zum Beruf gemacht habe, stören mich die täglichen zehn Stunden und sieben Tage die Woche Arbeit nicht.“

Mit Sorgfalt überprüft Kai-Uwe Brandt die Bedingungen der Räume, in denen sich die kleinen weißen Köpfchen aus der Erde recken. In den hiesigen Geschäften werden nur „Baby-Pilze“ verkauft. „Ich esse lieber die natürlich aufgeblühten“, verrät er. "Die Lamellen haben sich von rosa auf dunkelbraun verfärbt, der Hut ist nach oben gekrempelt und die Champignons tragen ein starkes Aroma.“ Er warnt jedoch davor, die Pilze in der Schale aufblühen zu lassen: Die Lamellen öffnen sich dabei mit unerwünschter Fäulnis.

Bei Familie Brandt gibt es jedes Wochenende ein Gericht mit Pilzen. Neben der Fülle der Zubereitungsmöglichkeiten schätzt sie ihren hohen ernährungsphysiologischen Wert. Pilze erfüllen die Ansprüche der modernen, gesundheitsbewussten Küche. Sie sind eiweiß- und mineralstoffreich, außerdem kalorienarm mit 15 kcal pro 100 Gramm und enthalten wichtige Vitamine wie D, B1 und B2.

Bei seiner täglichen Arbeit hält Kai-Uwe Brandt akribisch Ausschau nach einer eventuellen Infektion seiner Pilzbestände. Im Jahr 2012 hatte er durch einen Schädlingsbefall einen massiven Einbruch in der Produktion. Erst nach drei Jahre begann sich die Pilzaufzucht wieder zu erholen. Jeden Tag dreht er 20 Uhr eine letzte Runde durch die Ernteräume, dann ist Feierabend.

Wie jeden Tag hat der Fachmann die Champignons gegossen, den Kohlenstoffdioxidgehalt der Luft geregelt, ein Raum für die Neubefüllung vorbereitet, Maschinen gewartet, die Ernte kontrolliert und Büroarbeiten durchgeführt.


Tipp:

Gern sind Kindergartengruppen und Schulklassen eingeladen, sich den Betrieb anzuschauen. Kai-Uwe Brandt bereitet den Kindern eine „Kulturkiste“ vor, in der sie in ihrer Kita oder Schule das Wachstum der Pilze beobachten können.


Kontakt:

Champignonkulturen Elsteraue
Kai-Uwe Brandt
Ostrau 4 | 06729 Elsteraue
Telefon 034424/21 954
E-Mail: brandt-gbr@web.de

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