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Mario Wetzel Mario Wetzel
aktualisiert am 03.09.2018 um 15:45:32

Mit einem Fahrradgepäckträger aus Rothenburg wird der Drahtesel zum Packesel


Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges begann der Umsiedler Hubert Kuhnert in Heimarbeit Friedhofsschmuck und Kunstblumen zu fertigen. Zum Binden benutzte er Draht. Eine Handvoll Umsiedler halfen bei der Arbeit. Zeitgleich gründete der gelernte Industriekaufmann im Mai 1947 die „Kunstblumen-Heimwerk Genossenschaft mbH zu Rothenburg/S.“.

Zur damaligen Zeit ein mutiger Schritt. „Kuhnert und seine Mitstreiter fertigten Gärtnereibedarf, unter anderem Nelkenringe und Strohkränze mit Hilfe von Steckdraht“, erinnert sich Christine Rabald, die seit 1982 im Betrieb arbeitet, „in den fünfziger Jahren erweiterte der Betrieb seine Produktion und stellte Konsumgüter für die Küchenindustrie und später für die Fahrradindustrie her. Dazu gehörten Grillroste, Kühlschrankroste, Körbe für Küchenspülen und natürlich Fahrradkörbe und Fahrradgepäckträger.“

Was folgte, waren bewegte Zeiten. 1972 wurde der Betrieb enteignet. Aus der im Jahr 1956 entstandenen „Produktionsgenossenschaft des verarbeitenden Handwerks Rothenburg“, kurz PROGERO, wurde der „VEB Drahtverarbeitung und Plastbeschichtung“. 70 Mitarbeiter arbeiteten damals unter der Leitung von Hubert Kuhnert und stellten rund eine Million Fahrradkörbe, Gepäckträger und weiteres Fahrradzubehör her. Damit gehörte das Werk zeitweilig zum einzigen Hersteller dieser Güter in der DDR. Bis 1984 blieb Hubert Kuhnert Betriebsdirektor. Die Mitarbeiterzahl stiegt auf 100 an.

Nach der Wende im Jahr 1990 reprivatisierte Hubert Kuhnert den Betrieb. Zwar schon im Rentenalter führte er dennoch die „Kuhnert Drahtwaren GmbH“ bis 2011 als Geschäftsführer. Christine Rabald ist immer noch dabei. Heute ist sie die Prokuristin des Unternehmens.

Von Nostalgie bis Modern: Trends, die man mitgehen muss
Aktuell produziert Kuhnert Drahtwaren Fahrradgepäckträger in allen Preisklassen mit 15 Mitarbeitern. Exportiert wird europaweit. „Wir sind Zulieferer für namhafte Fahrradhersteller, ein sogenannter Erstausstatter. Entsprechend den Wünschen unserer Kunden entwickeln und konstruieren wir Gepäckträger, von Nostalgie bis Modern.

Wir sind Trends unterworfen, mit denen man gehen muss. Oft sind Design, Größe und Material vorgegeben.“, weiß Werksleiter Marcel Schreier (Foto), „wir selbst entwickeln auch neue Modelle und Produkte. Das ist notwendig, denn der Markt ist hart umkämpft.“ Marcel Schreier schaut in die Zukunft. Auch wenn er erst seit einem Jahr dabei ist, so kennt er sich dennoch aus in der Fahrradbranche. Der junge Mann war viele Jahre im Mifa-Werk Sangerhausen beschäftigt. „Die Fahrradindustrie ist eine Saisonindustrie. Wir brauchen ein zweites Standbein, um die Maschinen das ganze Jahr auszulasten.“

Besucher führt Marcel Schreier mit Stolz durch die historischen Werkhallen. Hier treffen alte Mauern auf moderne Maschinen. Der typisch metallische von Öl getränkte Geruch einer Schlosserei liegt auch heute noch in der Luft, trotz aller Automatisierung. Erfahrung im Schlosserhandwerk und moderne Computertechnik prallen hier nicht aufeinander, sondern ergänzen sich.

Bei den unzähligen Modellen aus Stahl, Stahlrohr oder Edelstahl die sich in verschiedenen Höhen und Breiten unterscheiden, ist ein schnelles und unkompliziertes Einrichten der Maschinen notwendig. Moderne CNS-Biegeroboter, Schweißroboter und Drahtbiegemaschinen werden von Schlossern bedient. Marcel Schreier: „Die Maschinen arbeiten vollautomatisch. Sie wurden speziell für unsere Anforderungen gebaut und angepasst. Heute produziert Kuhnert Drahtwaren rund 300.000 Fahrradgepäckträger im Jahr.“

Mit einem Fahrradgepäckträger aus Rothenburg wird der Drahtesel zum Packesel. „Wenn wir ein Fahrrad sehen, dann schweift ganz von allein der Blick zum Gepäckträger“, schmunzeln Christine Rabald (Foto) und Marcel Schreier, „der könnte doch aus Rothenburg sein.“ Und meist ist er das. Ganz bestimmt!


INFO
www.kuhnert-drahtwaren.de

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