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Mario Wetzel Mario Wetzel
aktualisiert am 23.04.2019 um 08:40:44

Handgemachter Kaffeegenuss


Über Umwege ans Ziel gekommen, die Berufung zum Beruf gemacht: Die Geschichte von Enrico Pierard ist typisch für Selbstständige, für Quereinsteiger, die sich nach der Wende neu orientieren mussten. Als die Dienste des gelernten Kfz-Elektrikermeisters nicht mehr gefragt waren, besuchte er eine Eisfachschule und fing an, aus einem mobilen Wagen heraus Eis zu verkaufen. 1995 eröffnete Pierard das Eiscafé Verona am Markt in Naumburg. Dabei entdeckte er seine Leidenschaft für den Kaffee. „Viele nehmen für sich in Anspruch, die ‚beste Ware’ zu haben“, sagt er. „Aber ich wollte es genauer wissen.“


Mit dem „Kaffeevirus“ infiziert

Von seiner Familie bekam Enrico Pierard eine Kaffeeschulung geschenkt und war fortan mit dem „Virus“ Kaffee infiziert. „Kaffee ist das meistgetrunkene Getränk in Deutschland. 185 Liter pro Kopf und Jahr, mehr als Mineralwasser“, sagt er. Pierard reiste in verschiedene Anbaugebiete, informierte sich, lernte weiter dazu und begann schließlich, selbst Kaffee zu rösten. Und weil sich das nur für den Eigenbedarf nicht lohnt, wuchs er. Im Frühjahr 2010 eröffnete er das Moness in einem ehemaligen Autohaus in Balgstädt. Dort serviert er nicht nur Kaffee, Kuchen und Eis, sondern lässt sich auch beim Rösten über die Schulter schauen. Zudem kann man die Räume für Veranstaltungen mieten, Schauröstungen und Verkostungen buchen und auch im Haus übernachten.


Mischungen nach Kundenwunsch

Pierard ist spezialisiert auf „Blends“, Mischungen nach Kundenwunsch, die er heute deutschlandweit und zum Teil sogar ins Ausland verschickt. Kaffees der Sorten Arabica und Robusta aus 30 bis 40 Anbaugebieten, teilweise direkt von Bauern, teilweise von Genossenschaften in den jeweiligen Anbauländern, hat er vorrätig. Die Mischung tüftelt er zusammen mit dem jeweiligen Kunden nach dessen Wünschen aus: Soll es eher kräftig oder eher mild sein, viel oder wenig Säure? Bis zu vier verschiedene Sorten komponiert Pierard zu einem Kaffee, für einen Espresso können es auch schon mal sechs oder sieben werden. Geröstet wird schonend, langsam und bei niedriger Hitze. „Zwischen 15 und 22 Minuten, nie über 170 Grad“, erklärt Pierard und vergleicht: „In der Industrie wird zwei oder drei Minuten bei 600 bis 800 Grad geröstet.“ Der Unterschied? „Beim Acrylamid-Gehalt bleibe ich weit unter industriell geröstetem Kaffee. Außerdem lösen sich beim langsamen Rösten die unerwünschten Säuren aus dem Kaffee.“ Das Ergebnis: Moness-Kaffee ist für viele Menschen, die eigentlich gar keinen Kaffee vertragen, bekömmlicher.

Daneben ist Enrico Pierard immer auf der Suche nach Innovationen. Sein neuester Coup ist ein Lupinenkaffee. Er wird aus der weißen Süßlupine gewonnen und diente schon im 1. Weltkrieg als Kaffeeersatz. Damals aus der Not heraus geboren, ist Lupinenkaffee heute ein Trendgetränk, das zudem sehr gesund ist. Immerhin enthält die Lupine über 40 Prozent Eiweiß. Anbauen lässt Pierard den Rohstoff von einem Biobauern im Norden Sachsen-Anhalts.


Kaffee aus Vietnam

Eine weitere Spezialität des Hauses ist Kaffee aus Vietnam. Der hat seine Wurzeln in Mitteldeutschland. In Halle reifte nämlich Ende der 1970er Jahre der Plan, der chronischen Kaffeeknappheit in der DDR mit Entwicklungshilfe der besonderen Art zu begegnen. Mit Abwärme vom Kraftwerk Vockerode wurden in Gewächshäusern massenweise Kaffeepflanzen gezüchtet und schließlich ins sozialistische Bruderland Vietnam geschickt, wo mit Hilfe von Experten aus der DDR riesige Kaffeeplantagen entstanden. 1991 sollte die erste Kaffeelieferung die Knappheit hierzulande beenden, doch da kam die Wende dazwischen und Vietnam saß auf einem riesigen Berg Kaffee – ohne Abnehmer!

Heute ist Vietnam der zweitgrößte Kaffeeproduzent der Welt und auch Enrico Pierard hat sich auf die Historie besonnen und vermarktet Bohnen von dort. Vor einigen Jahren besuchte er die Region Dak-lak, wo alles seinen Anfang nahm, zusammen mit einigen inzwischen greisen Herren, die damals hier im Osten den Grundstein für das Kaffeeland Vietnam legten. Dem MDR war diese Reise sogar eine Fernsehreportage wert. Für seine Röstungen aus vietna­mesischem Kaffee erhielt Enrico Pierard 2018 den „Kulinarischen Stern“ von Ministerpräsident Reiner Haseloff. Und was sind Pierards persönliche Kaffeevorlieben? „Ich probiere ja sehr viele Mischungen. Besonders mag ich die afrikanischen Kaffees. Aber auch in Indonesien und Lateinamerika findet man gute Kaffees. Man muss nur danach suchen.“ Doch woher kommen die Unterschiede? „Kaffee ist wie Wein. Wetter und Klima, aber auch der Boden beeinflussen den Geschmack“, sagt Enrico Pierard. Die verschiedenen Nuancen kann jeder Gast selbst herausfinden, bei einer Verkostung im Moness.


INFO

Moness Kaffeerösterei
Lauchaer Straße 33
06632 Balgstädt
www.moness.de

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