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Xaver Lichtenberg Xaver Lichtenberg
aktualisiert am 24.10.2019 um 15:47:10

Die Cranach-Apotheke


Foto: Antje Weiß
Die Geschichte und Geschichten über die Cranach-Apotheke sind in den zwei Cranachhäusern 
in der Lutherstadt Wittenberg zu sehen. Birgit Biernoth (Foto links) und Eva Löber (rechts) führen 
Besucher in die geheime Welt der Cranach-Apotheke ein. 

In Wittenberg hatte der Maler Lucas Cranach der Ältere im 16. Jahrhundert seine Malerwerkstatt. 1515 kaufte Cranach eine Apotheke mit dem Hintergrund, sich ohne Zwischenhändler alle Materialien für seine Malerwerkstatt besorgen zu können. 

Zwei Ausstellungen beschäftigen sich mit der Geschichte der immer noch bestehenden Apotheke in der Schlossstraße 1. Während der Sanierung des Cranachhauses am Markt 4 wurden im Keller viele originale Apotheken-Utensilien gefunden. Eva Löber, Leiterin der Cranach-Stiftung in Wittenberg, hat dazu im Kellergewölbe eine Ausstellung in Form einer Apotheke aus dem 16. Jahrhundert zusammengestellt. 

Gezeigt wird dort u.a. wie man Medikamente selber mischt und wie man aus Halbedelsteinen Farben herstellt. Diese Ausstellung kann nach Absprache besichtigt werden. Geöffnet ist sie dienstags bis samstags von 10 bis 17 Uhr sowie sonn- und feiertags von 13 bis 17 Uhr. Dabei können die Besucher auch einen Blick in „Cranachs Welt“ werfen, wie die Dauerausstellung des Hauses betitelt ist. 

Seit 2005 ist Birgit Biernoth die Inhaberin der Cranach-Apotheke im Cranachhaus in der Schlossstraße 1. Sie hat sich als Hobbyhistorikerin intensiv mit deren Geschichte  auseinandergesetzt und darüber hinaus auch etliches zur Ausstellung am Markt 4 beigetragen. 

„Der Name der Apotheke ist ja irgendwie eine Verpflichtung, der ich mich gerne stelle“, erklärt die Apothekerin. Für die Apotheke hat sie zwei Ölgemälde anfertigen lassen, die Cranach den Älteren und seine Frau zeigen. Außerdem hat sie eine historische Cranach-Ecke eingerichtet. Dort gibt es eine vollständige Übersicht aller Besitzer der Apotheke. 

„Seit ihrer Gründung 1502 durch Martin Pollich von Mellerstadt bis zu mir heute“, schmunzelt sie. Pollich war Anfang des 16. Jahrhunderts Leibarzt des Kurfürsten und Gründungsrektor der Wittenberger Universität. Nach seinem Tod 1513 betrieben seine Erben in der Schlossstraße die Apotheke, die sie 1520 an Cranach den Älteren für 2 000 Gulden verkauften. Jedoch hätte es fünf Jahre gedauert, ehe er das kurfürstliche Apothekerprivileg zugesprochen bekam und so die Monopolstellung für den Handel mit Arzneimitteln, Gewürzen und süßem Wein. 

Cranach, der selbst kein Pharmazeut oder Medizinkundiger war, etablierte damit eine Apothekentradition, die noch heute fortbesteht. Nach ihm betrieb seine jüngste Tochter Anna die Offizin mit ihrem Mann, dem Apotheker Caspar Pfreundt. Um 1547 verlegte Pfreundt die Apotheke von der Schlossstraße zum Markt. 1799 zog die Apotheke wieder zurück an ihren heutigen Platz in die Schlossstraße 1. Erst im Jahr 1895 durfte sich in Wittenberg eine zweite Apotheke in der Lutherstraße ansiedeln. 

Einen wesentlichen Anteil an der Zusammenstellung in der Cranach-Ecke hatte dabei auch ihre Vorgängerin in der Apotheke, Marie Luise Schade, die die Offizin über 50 Jahre leitete. Sie sammelte zahlreiche Dokumente und verfasste unter anderem eine Chronik über die Geschichte der Apotheke. Es gibt zahlreiche weitere Zeugnisse über die älteste Wittenberger Apotheke sowie den Beruf des Apothekers im Wandel der Zeit. Ausgestellt sind auch historische Apothekergerätschaften und Pflanzen als Medizin des 16. Jahrhunderts. 

„Der Kräutergarten im Cranachhaus ist eigentlich ein Cranachbeet. Hier wachsen Pflanzen, die auf Cranachs Gemälden eine Symbolik haben“, erklärt derweilen Eva Löber. 

Über diese Pflanzen hat sie gemeinsam mit Birgit Biernoth und Antje Rademacker 2015, anlässlich des 500. Geburtstages von Cranach d. Jüngeren, eine kleine Publikation über Pflanzensymbolik, Pflanzenfarben und Arzneipflanzen zusammengestellt. 

„Cranach benutzte Pflanzen in seinen Gemälden als Erkennungszeichen, um eine bestimmte Botschaft zu transportieren“, erwähnt Löber. Am bekanntesten dürften die Rose und die Lilie sein. Die Rose steht für die vollkommene Schönheit und die Lilie hingegen symbolisiere die Reinheit. Erhältlich ist diese Publikation in der Apotheke. Außerdem verteilt Birgit Biernoth in ihrer Apotheke ein Kräuterbüchlein an Kinder, um ihr Wissen über Pflanzen weiterzugeben. In der Ausgabe Nr. 5 im „Kraut und Kräutchen“ werden die gesundheitsfördernden Eigenschaften und die Herkunft von Chili erklärt. Als Bonus gibt es ein Tütchen mit Samen und jeweils zwei Rezepte aus der Kräuterküche dazu.

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