Aktuelle Ausgabe als E-Paper


Aktuelle Ausgabe als E-Paper


E-Paper Archiv

die vorhergehende Ausgabe

E-Paper Archiv

Sehr geehrte Damen und Herren,


zur Zeit bereiten wir eine neue Anzeigenannahme vor.

Schicken Sie Ihre Anzeige bitte vorübergehend an folgende E-Mail-Adresse:
info@wochenspiegel-halle.de

Telefon: (0345) 130 10 0
Fax: (0345) 130 10 61
Wochenspiegel > Unser Land > Fünf Geheimnisse des Naumburger Doms >
Xaver Lichtenberg Xaver Lichtenberg
aktualisiert am 18.11.2019 um 10:39:02

Fünf Geheimnisse des Naumburger Doms


Foto: Transmedial / Saale-Unstrut-Tourismus e.V.
Nicht ohne Grund hat die UNESCO den Naumburger Dom im Jahr 2018 in die Liste der Weltkulturerbestätten aufgenommen. Doch was gibt es neben dem Offensichtlichen für Details, welche kleinen Geheimnisse birgt der Dom? „Unser Land“ ist für Sie auf Entdeckungstour durch die altehrwürdigen Mauern gegangen und hat fünf Details herausgefunden, die Sie bestimmt noch nicht kannten. 

Der Naumburger Dom ist ein Meisterwerk der romanischen Baukunst. Legendär sind die lebensechten Darstellungen der Stifterfiguren im Westchor. Einzigartig ist der Erhaltungszustand der beiden Lettner, die Ost- und Westchor vom Hauptschiff trennen. 


Geheimnis 1: Die Sprache der Steinmetze

Dass die Bauhütte des „Naumburger Meister“ genannten Künstlers mit dem Westchor ein einzigartiges Ensemble aus Architektur und Bildhauerei schuf, ist kein Geheimnis. Weit weniger bekannt ist hingegen, dass sich zahlreiche Steinmetze mit kleinen, nahezu unsichtbaren Zeichen verewigt haben. Im gesamten Westchor sollen es 288 Zeichen sein, darunter Buchstaben wie N oder W und Zeichen wie Dreiecke, Kreuze, Herzen oder Schnörkel. Zwei davon gibt es nahezu auf Augenhöhe am Westlettner zu entdecken. Eine Taschenlampe oder die Lampe des Handys ist dabei hilfreich. Doch wozu dienten diese Zeichen? Einerseits waren sie so etwas wie die „Unterschrift“ des entsprechenden Steinmetzes, andererseits dienten sie auch zur Entlohnung, war doch anhand der Zeichen erkennbar, was welcher Steinmetz gebaut beziehungsweise bearbeitet hat. 


Geheimnis 2: Die Heilige Elisabeth

War die Heilige Elisabeth je in Naumburg oder nicht? Belegt ist, dass Elisabeth von Thüringen (1207 – 1231) sich zwischen 1211 und 1227 sowohl auf der Wartburg in Eisenach als auch auf der Neuenburg in Freyburg aufhielt. Natürlich liegt es da nahe, dass sie neugierig war und sich die Dombaustelle zu Naumburg (ab 1213) angesehen hat. Auffällig ist auch, dass die Verehrung von Elisabeth in Naumburg schon sehr zeitig nach ihrer Heiligsprechung 1235 begann. Darauf deuten unter anderem eine eigene Kapelle im Erdgeschoss des Nordwestturms, die Darstellung Elisabeths in den Fenstern des Westchores sowie eine Skulptur, in deren Kopf einst Reliquien Elisabeths deponiert waren, hin. All das lässt den Schluss zu, dass Elisabeth zu Lebzeiten Naumburg besuchte – allein der eindeutige Beweis dafür fehlt. Unser Geheimnis Nummer zwei wird wohl auf ewig ungelöst bleiben. 


Geheimnis 3: Konrads Kopf

Das Ensemble der Stifterfiguren im Westchor ist nicht nur wegen seiner lebensechten, detailreichen Darstellung berühmt. Es bildet auch eine Einheit aus Baukunst und Bildhauerei. Schließlich sind die überlebensgroßen Figuren nicht nur Statuen, sondern untrennbare Bestandteile der Mauern. Zwei Ausnahmen gibt es allerdings: Konrad und Gepa sind nicht vollständig mit dem Gemäuer verbunden, sondern stehen frei vor der Wand. Im Laufe der Jahre ist Graf Konrad schon einmal abgestürzt und verlor dabei seinen Kopf. Der heutige Kopf ist insgesamt der dritte. Er stammt aus dem Jahr 1941 und wurde vom Bildhauer Bernhard Bleeker gefertigt. Schauen Sie einmal genau hin – erkennen Sie den Unterschied zwischen Kopf und Figur?


Geheimnis 4: Es klopft der Specht

Hoch oben über den Köpfen, vom Boden fast nur als „kleiner Knubbel“ wahrzunehmen, klopft ein Specht an einer Säule im obersten Geschoss des Nordwestturms. Er ist jüngeren Datums und wurde bei Sanierungsarbeiten in den 1980er Jahren von einem Steinmetz hinzugefügt. Der Specht spielt auf die Legende von der Gründung des Naumburger Doms an: Als die Ekkeharde ihre Burg an der Stelle errichten ließen, wo heute das Oberlandesgericht steht, wollten sie den Dom in direkter Nähe bauen. Um einen Bauplatz auszuwählen, ließen sie einen Specht fliegen. Dieser setzte sich unweit des Schlosses auf eine Tanne und war von dort nicht mehr zu verscheuchen – genau dort wurde der Dom errichtet.

Mit der Umsetzung dieser Sage hat sich der Steinmetz also eine kleine persönliche Note, eine Anspielung, einen Scherz erlaubt. Prinzipiell wäre das auch heute noch möglich, trotz Welterbe und strenger Regeln. „Bei Steinmetzen ist das Tradition und gehört dazu“, erklärt Kerstin Wille, Leiterin Marketing und Öffentlichkeitsarbeit bei den Vereinigten Domstiftern. „Wenn es im Rahmen bleibt und nicht zu auffällig ist, würde so etwas auch heute noch toleriert werden.“ Tipp: ein Fernglas oder eine gute Kamera mit Tele-Objektiv bringen Ihnen unser Geheimnis Nummer vier näher.


Geheimnis 5: Rudolfs Därme

Rudolf von Bünau war Domherr und starb am 9. März 1505. Im ersten nordöstlichen Pfeiler des Hauptschiffes vor dem Ostlettner befindet sich seine Grabplatte aus Messing. Darauf wird Rudolf nicht in der Blüte seines Lebens dargestellt, sondern als verwesender Leichnam mit heraushängenden Därmen und um Gnade flehenden Armen. Dennoch ist die Gestaltung so ausdrucksstark, dass er eher lebendig als tot erscheint. Ein Ast- und Schlingenwerk, das auf Säulen über der Figur aufragt, sowie ein Granatapfelmuster zeichnen einen ehrenvollen Hintergrund für den einstigen Domherrn. Die Ausführung und einige Details lassen den Rückschluss zu, dass es sich um eine Arbeit aus der Nürnberger Vischer-Werkstatt handelt. Unser Geheimnis Nummer 5 ist definitiv ein Detail, das es wert ist, genauer betrachtet zu werden. 

Haben wir Sie neugierig gemacht? Dann erkunden Sie doch auch mal den Naumburger Dom! Er birgt noch viel mehr als diese fünf Geheimnisse und ist immer einen Besuch wert! 


Öffnungszeiten Naumburger Dom

März bis Oktober:         
Mo. bis Sa. 9–18 Uhr, 
So. und Feiertage 11–18 Uhr

November bis Februar:     
Mo. bis Sa. 10–16 Uhr, 
So. und Feiertage 12–16 Uhr

Öffnungszeiten können an bestimmten Tagen wegen Gottesdiensten, Taufen, Trauungen oder anderen Veranstaltungen abweichen. Führungen finden mehrmals täglich statt, es gibt regelmäßige Sonderführungen, z.B. Turmbesteigungen. Gruppenführungen auf Anfrage möglich. 

Der Besucherservice ist unter 03445/2301-120 oder -133 sowie per Mail an fuehrung@naumburger-dom.de erreichbar. www.naumburger-dom.de

Kommentar schreiben
Name:
Ort:
Kommentar:
  Ja, ich habe die Hinweise zu Kommentaren auf unserer Website gelesen und akzeptiert.
Eingabeverifizierung: Schreiben Sie die untenstehende Ziffern- / Buchstabenkombination in das folgende Feld. Dadurch wollen wir dazu beitragen, unerwünschten E-Mails und automatischen Versendern keine Verbreitungsmöglichkeit zu bieten.
 
 
Schülerferienticket-Finalisten treffen sich im Spaßbad Schülerferienticket-Finalisten treffen sich im Spaßbad (pm/nasa). Im Spaßbad „Nemo“ in Magdeburg begegneten sich am 23. November 2019 das erste Mal die Finalisten des Modelwettbewerbs für das...
Anzeige
Sag Ja!
Glück auf, Glück auf …! Glück auf,  Glück auf …! Der Salzabbau hat in und um Bernburg eine lange Geschichte, die eng mit Tradition verbunden ist.  ...
Anzeige
Das „weiße Gold“ aus Könnern Das „weiße Gold“ aus Könnern Rund 330 000 Tonnen Zucker pro Jahr werden am Standort in Könnern produziert. Dafür werden an die zwei Millionen Tonnen Zuckerrüben pro Jahr...
Anzeige
Unser Land