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Xaver Lichtenberg Xaver Lichtenberg
aktualisiert am 18.11.2019 um 10:50:28

Burgen und Lokomotiven aus Beton


Foto: Nico Mohr
In Gerbstedt entstehen seit über sechzig Jahren Kleinode aus Beton. Geschaffen werden sie von Günther Beinert. Inzwischen zieren seine historischen Bauten zahlreiche Vorgärten in der Region. Es ist ein weltweit einmaliges Lebenswerk.

Geht man mit offenen Augen durch die Stadt Gerbstedt, sind sie kaum zu übersehen - Schloss Neuschwanstein, das wehrhafte Schloss Mansfeld oder die mittelalterliche Burganlage von Quedlinburg. Günther Beinert, inzwischen 85 Jahre alt, hat bereits 1949 sein erstes Phantasie-Schloss erbaut. Für den gelernten Maurer und Fliesenleger ist Beton mehr als nur ein Baustoff. Kein anderer hat das Geschick, das Material so zu verarbeiten, dass man später selbst das kleinste Detail erkennen kann. Bemerkenswert ist, dass er kaum eine der Burgen jemals selbst gesehen hat. Sämtliche Bauten entstehen anhand von Bildern und Zeichnungen. 

Beinert selbst betrachtet sein Hobby als seinen „Gesundbrunnen“. Trotz eines Schlaganfalls, den er vor einiger Zeit erlitt, zieht es den Hobbykünstler fast täglich in seine Werkstatt. Zu dieser hat er eine ganz besondere Beziehung. Früher lebte seine Schwiegermutter auf engstem Raum in dem Objekt, das ihr nach dem Zweiten Weltkrieg als einziges von der Bahn zum Wohnen zur Verfügung gestellt wurde. Im angrenzenden Garten steht auch eine seiner ersten Burgen. 

Ganz in der Nähe, am ehemaligen Gerbstedter Bahnhof, hat Beinert ein weiteres, ganz besonders beachtens- und vor allem schützenswertes Kleinod geschaffen, das sicherlich seinesgleichen sucht und die Herzen vieler Eisenbahnfreunde höher schlagen lässt.

Seine erste Lokomotive, ganz aus Beton, schuf der rüstige Rentner für einen Bekannten in Alexisbad. Die nächste folgte für die Freunde der Halle-Hettstedter-Eisenbahn. Der Verein wurde vor Jahren gegründet und hat sich für den Teilerhalt der ehemaligen Gleisanlagen stark gemacht. Beinert, dessen Ehefrau selbst aus einer schlesischen Eisenbahnerfamilie stammt, konnte sich sehr schnell mit der Idee anfreunden, alle auf der ehemaligen Privatstrecke verkehrenden Züge nachzubauen. 

Mit seinen Eisenbahnmodellen, die maßstabsgetreu nach Zeichnungen in stundenlanger Arbeit entstanden, will er an die sehr lebhafte Geschichte des Bahnhofs erinnern. Sämtliche, jemals in Gerbstedt eingesetzten Lokomotiven, ob dampf- oder dieselbetrieben, sind auf dem ehemaligen Bahngelände zu sehen. Auch Exponate, die Geschichte geschrieben haben, wie die erste deutsche Lok oder die schnellste je in Deutschland gebaute Dampflokomotive, kann man dort bestaunen und sogar anfassen. Selbst der „Big Boy“, eine der weltweit größten und stärksten Lokomotiven, die in den USA unterwegs war, thront auf einem Sockel. Auch bei deren Nachbau konnte sich Günther Beinert lediglich auf Zeichnungen stützen, denn viele seiner inzwischen 42 Lokomotiven und Triebwagen konnte er leider selbst nie aus der Nähe betrachten.

Besucher finden diese Tatsache beinahe unglaublich. Dennoch versuchte der Gerbstedter, auf so viele Details wie möglich zu achten. Diese modelliert er liebevoll mit Spachtel und Feile. Er benötigt, je nach Modell, eine Bauzeit von vier bis sechs Wochen. Beton ist nicht unbedingt der geeignetste Werkstoff für den Modellbau, aber originalgetreu angestrichen muten „Bergkönigin“, „Adler“ und Co. sehr realistisch an. 

Wer heute die Stadt Gerbstedt besucht, sollte nach Günther Beinert fragen. Vielleicht ist er gerade wieder in seiner Werkstatt und baut die nächste Sehenswürdigkeit nach. Nebenbei weiß er allerhand Geschichten zu seinen Burgen und Eisenbahnen zu erzählen. Es bleibt ihm zu wünschen, dass seine Werke der Nachwelt sehr lange erhalten bleiben. Auf alle Fälle werden noch viele weitere Kleinode durch seine immer noch sehr geschickten Hände entstehen.

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