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Xaver Lichtenberg Xaver Lichtenberg
aktualisiert am 18.11.2019 um 10:58:14

Altes Handwerk in modernen Zeiten


Foto: Kerstin Eschke
Wer um den Wert eines Buches weiß, der weiß die alte Handwerkskunst der Buchbinderei zu wertschätzen. Im Herzen von Halle führt Susann Reichhardt die Buchbinderei Goering. Privat- und Geschäftsleute vertrauen auf das Können der Buchbinderin.

Touristen wie Hallenser schätzen Halles historische Altstadt. Dass Mitten im Herzen der Saalestadt auch heute noch traditionelles Handwerk beheimatet ist, das ist nur wenigen bewusst. Ein Besuch in der Buchbinderei Goering in der Mittelstraße 11 gleicht einer Zeitreise in die Vergangenheit. Maschinen aus dem vorigen Jahrhundert, statt moderner Technik, prägen das Bild des großen Raumes. Buchpresse, Hand-Pappschere oder die Heißprägemaschine stammen noch aus Zeiten der Firmengründung durch die Familie Goering im Jahr 1969.

Es sind noch Maschinen, die dem Menschen Arbeit erleichtern, ihn aber nicht ersetzen. Susann Reichhardt (Foto) führt das Handwerk in zweiter Generation fort. Vor dreißig Jahren geriet sie in die Wirren der Nachwendezeit. „Mein damaliger Lehrbetrieb meldete Insolvenz an. Von heute auf morgen stand ich auf der Straße und musste mir einen neuen Betrieb suchen, wo ich meine Ausbildung fortsetzen konnte.“ Ein glücklicher Umstand brachte die angehende Buchbinderin mit Familie Goering zusammen. „Hier in der Werkstatt konnte ich meine Lehre fortsetzen und schließlich erfolgreich beenden“, erinnert sich Susann Reichhardt.

Aus Alters- und Krankheitsgründen musste sich Familie Goering aus dem Geschäft zurückziehen. Die ehemalige Auszubildende übernahm das Ruder vor fünf Jahren mit über zwanzig Jahren Berufserfahrung. Seitdem lässt sie das Handwerk fortleben. Dass die Buchbinderwerkstatt bis heute überleben konnte, ist dem Umstand zu verdanken, dass Susann Reichhardt und ihre Mitarbeiter große Auflagen genauso gewissenhaft fertigen, wie Einzelexemplare und das in der Werkstatt auch Bücher repariert werden können. Und Halle ist Universitätsstadt. Reichhardt: „Wissenschaftliche Arbeiten, Masterarbeiten, Dissertationen, Fachzeitschriften, alte und neue Bücher, all das können wir binden.

In den Neunzigern, der Zeit vor den Copy-Shops hatten wir gut zu tun. Damals ließen noch viele Studenten ihre Diplomarbeiten bei uns binden. Heute kommen zwar weniger, aber die Bibliothekare der Universität, Anwälte und Privatleute schätzen unsere Arbeit.“ Sie schmunzelt: „Zum Jahresende kommen die Fans der Mosaik-Hefte zu uns. Sie möchten ihre Jahresausgabe schön gebunden haben … dann sind sie für die Ewigkeit.“

Schreiben braucht Zeit, ein Buch zu binden, braucht Zeit.
„Das Buch muss ruhen!“

Denn trotz der Digitalisierung ist der Lehr- und Wissenschaftsapparat auf die manuelle Facharbeit von Susann Reichhardt und ihrer Kollegen angewiesen. Während die Buchbinderin die einzelnen Arbeitsschritte erläutert, spürt der Zuhörer die Langsamkeit im Raum. Das ist wohltuend in dieser hektischen Zeit. Nachdem das Papier auf Kante geschnitten und gefalzt wurde, wird es mit einer dreifädrigen Gage verklebt: „Lasse ich dem Kleber nicht genug Zeit zum Trocknen, verklebt mir das ganze Papier. Das Buch muss ruhen, sagen wir Fachleute dazu. In der Zwischenzeit wird der Einband aus Buchbindekarton zugeschnitten und in Kunstleder oder echtem Leder eingebunden. Je nach Kundenwunsch erhält der Einband eine goldene Prägeschrift.“

Susann Reichhardt liebt ihren Beruf und die Verantwortung als Inhaberin. Dennoch ist sie auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger, der das Geschäft und die Kunden mit der gleichen Passion weiterführt wie sie. Das Buch hat Jahrhunderte überdauert. Auch die heute in der Buchbinderei Goering gebundenen Bücher werden viele, viele Jahre alt werden. Und mit ihnen die traditionelle Buchbinde-Handwerkskunst.


Info: 

Buchbinderei Goering
Inhaberin: Susann Reichhardt
www.buchbinder-halle.de

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