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Torsten Waschinski Torsten Waschinski
aktualisiert am 16.02.2018 um 09:58:48

Frauen und Männer des Glaubens - Ines Quanz: Geheimnis des Lebens

Seit vielen Jahren engagiert sich Ines Quanz in der Katholischen Pfarrei St. Peter und Paul Dessau. Dabei wurde sie erst im Alter von 27 Jahren getauft. Seit vielen Jahren engagiert sich Ines Quanz in der Katholischen Pfarrei St. Peter und Paul Dessau. Dabei wurde sie erst im Alter von 27 Jahren getauft.
Foto: Thomas Ruttke Galerie (2 Bilder) Galerie (2 Bilder)
Erzieherin in der katholischen Kinder­­tagesstätte „Maria Montessori“.

Dessau (bh).
Zu DDR-Zeiten arbeitete sie im Waggonbau als Tischlerin und entschied sich nach der Wende für den Beruf als Heilerziehungspflegerin und später auch für den Beruf der Erzieherin.

Getauft wurde Ines Quanz (52) erst mit 27 Jahren. Sie heiratete in eine katholische Familie hinein. Dadurch lernte sie den Glauben lieben und entschied sich dafür.


Welche Aufgaben üben Sie in der Kirche aus?

Seit neun Jahren bin ich Lektorin. Ich lese während des Gottesdienstes aus der Heiligen Schrift. Kommunionhelferin bin ich seit sieben Jahren. Zusammen mit dem Priester teile ich das Brot Christi aus.
Im Frauenkreis bin ich seit 20 Jahren. Derzeit organisiere ich eine gemeinsame Fahrt.
Ansonsten helfe ich bei der Reinigung der Kirche, bin seit einem Jahr im Pfarrgemeinderat und unterstütze seit Kurzem den Religionsunterricht der ersten und zweiten Klasse. Dort arbeite ich nach dem Konzept von Maria Montessori.


Was beschäftigt Sie?

Für mich bedeutet die Pädagogik nach Maria Montessori die Vertiefung des Glaubens. Dabei steht die Katechese des guten Hirten an erster Stelle. Glaube wird erlebbar, lebendig. Ich möchte den Glauben an die Kinder weitergeben. Die Arbeit mit dem „Montessori Material“ ist keine Spielerei. Das wird von vielen so gesehen. Doch Glaubensinhalte werden konkret und lebensnah dargestellt; die Materialien selbst gefertigt.


Gibt es eine Lieblingsstelle in der Bibel für Sie?

Im Lukasevangelium Kapitel 2, Vers 36 – 38; Das Zeugnis des Simeon und der Hannah. Hannah hat mich sehr berührt. Sie ist mein Vorbild; ich habe sie ins Herz geschlossen. Im Vers 37 sagt Hannah, dass sie sich ständig im Tempel aufhält und Gott Tag und Nacht diente mit Fasten und Beten.


Was machen Sie Sonntagmorgen nach dem Aufstehen?

Ich bete jeden Tag zuerst den „Engel des Herrn“. Das ist ein Ritual. Sonntag ist der Tag der Familie. Wir frühstücken gemeinsam und gehen danach in die Kirche zum Hochamt.


Was bedeutet der Glaube für Sie?

Drei Stichpunkte fallen mir ein: Leben, Freude, Licht. Das ist das Geheimnis des Lebens. Glaube ist feststehen in dem, was ich mir erhoffe und überzeugt sein von Dingen, die man nicht sieht. Ich stehe fest dahinter. Als Spätgetaufte erlebe ich erst jetzt nach und nach den Glauben bewusst. Wenn die Kinder kleiner sind, bleibt mitunter nicht ganz so viel Zeit für Gott. Aber jetzt, mit jeder Erstkommunion, jeder Firmung in der Gemeinde erlebe ich das Geheimnis bewusster. Es macht mir Spaß, die Kinder und Jugendlichen zu sehen, die sich für Gott entscheiden.


Wie sieht Gott für Sie aus?

Da sage ich einfach, unfassbar groß. Er ist nicht fassbar und trotzdem glaube ich an ihn. Er ist sehr, sehr groß.


Was bedeutet der Glaube an ein höheres Wesen für Sie konkret?

Für mich ist es ein Glück, Christin zu sein. Es ist eine wahre Freude. Gott ist die Liebe. Und die Liebe Gottes, die ich erfahren habe, möchte ich gern an andere weiter geben.
Das ist für mich das wichtigste Gebot: die Gottesliebe beziehungsweise die Nächstenliebe. Du sollst deinen Herrn lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und ganzer Kraft.
Und: Du sollst den Nächsten lieben, wie dich selbst. Das sagt alles aus.
Das lebe ich auch so und denke, dass es bei meinen Mitmenschen ankommt. Manchmal habe ich jedoch schon das Gefühl, dass ich eine Exotin bin.


Leben Sie immer nach den Geboten Gottes?

Spontan: Gott ist mein Arzt und mein Helfer. Wenn es mir nicht gut geht und die Arbeitszeit es erlaubt, gehe ich in die Kirche. Und ich habe erfahren, dass ich dort neue Kraft schöpfen kann.


Welche Frage würden Sie Gott gern mal stellen?

Ich weiß, dass er mich auf den Weg führt, und ich würde gern wissen, wohin. Man muss dabei Vertrauen haben, ganz viel Gottvertrauen. Dann brauche ich vielleicht auch nicht das Ziel zu sehen.
Es kommt von ganz allein. Wir auf Erden wollen immer ein Ziel vor Augen haben. Der Weg soll oft geradlinig sein und nicht um die Ecken gehen.


Wann und wofür haben Sie schon einmal Kraft aus dem Glauben geschöpft?

Ganz oft im Beten, in den Psalmen, die ich jeden Tag bete. Ich lese regelmäßig die Stundengebete. Je nach Dienst fahre ich zu den Maristen nach Süd, Dreieinigkeit. Da schöpfe ich ganz viel Kraft. Ich spüre, dass ich die Psalmen schon langsam lebe. Da fühle ich mich bestätigt: Genau das, was darin steht, finde ich im Leben wieder. Wenn ich mich schlecht fühle, finde ich darin Trost. Es wird für ein gutes Miteinander gebetet, in der Ehe und im Beruf. Dann gehe ich auch gestärkt wieder heraus.
Für mich fängt der Tag auch ganz anders an, wenn ich die Morgenmesse besuche. Ich gehe aus der Kirche zur Arbeit richtig froh und hoffnungsvoll.
Wenn ich Ihnen dies jetzt erzähle, muss ich gleich an Mutter Theresa denken. Sie errichtete immer eine kleine Kapelle für ihre Schwestern und behielt immer die Gebetszeiten bei, auch mittags. Da wurde die Arbeit kurzzeitig niedergelegt, denn wer sich diese Pausen schafft, geht ganz anders ans Arbeiten, als wenn ständig der Druck herrscht, ich muss dies und jenes noch schaffen.


Viele fragen sich, wie kann Gott das zulassen?

Propst Nachtwei, der Vorgänger des jetzigen Propstes, sagte einmal: „Warum, warum ..., warum verwandeln wir das Wort nicht mal in wozu?“ Das habe ich mir angenommen. Ich frage immer wozu? Später kommt die Erleuchtung: Genau darum ließ Gott es zu, weil etwas in uns wachsen möchte. Ich habe dann eine andere Sichtweise, einen anderen Ausgangspunkt.


Wie geben Sie den Glauben an andere Menschen weiter?

Die frohe Botschaft ausstrahlen: Wenn ich zum Beispiel Kommunionhelferin bin, dann blühe ich am Altar auf. Ich lächle. Das mach ich bewusst aus tiefem Glauben. Wenn ich dann ein Lächeln zurückbekomme, ist dies so etwas Schönes. Und viele lächeln zurück. Das ist der Knackpunkt, da springt der Funke über. Das ist Gottes Geist. Ich habe bei Pater Reinhard Körner sinngemäß gelesen: Gott ist ein Kleinbauer und Gott braucht Kleinbauern. Ich bin einer.


Wie können die Kirchen wieder voller werden?

Wir sollten kinderfreundliche Kirchen entwickeln. Kinder sind unsere Zukunft. Ich beobachte in anderen Kirchen und Klöstern, dass es einen Seitenplatz für Kinder gibt. Zum Beispiel habe ich in einer Kirche einen Raum gesehen, der mit Glas abgeteilt wurde. Dort gab es einen Spiel- und Maltisch, eben einen Rückzugsort. Die Kinder müssen ja nicht hinaus. Es ist natürlich, dass sie mit der Zeit unruhig werden. Aber so einen Rückzugsort gibt es in unserer Kirche nicht. Die Kinderkirche finde ich auch gut.
Es gibt ein Zertifikat, welches sich „Kinderfreundliche Kirche“ nennt.


Was glauben Sie, passiert nach dem Tod?

Ich glaube an das ewige Leben. Ich glaube nicht an den Tod. Das ewige Leben ist die Freude. Im Kreuz ist das Leben. Jesus wurde gekreuzigt, ist aber wieder von den Toten auferstanden. Also Jesus lebt. Ein Mensch stirbt leiblich, aber im Geist lebt er weiter. Wir Christen glauben daran. Konfessionslose gehen ein in ihrem Mitleid. Und wir Christen wissen, der Verstorbene geht nicht von uns, sondern bleibt bei uns.




Ein Wort von Autorin Béatrice Haas:

In den letzten Wochen interviewte ich Frauen und Männer, welche verschiedenen christlichen Konfessionen angehören. Das Chris­tentum ist bunt und vielfältig wie die Na­­tur, wie Gottes Schöpfung. Dies sollte sich unbedingt in den Interviews widerspiegeln. Drei Frauen sowie drei Männer werden über ihre Sicht des Glaubens erzählen. Alle Interviewpartner taten dies auf erfrischende Art und Weise. Trotz der Vielfalt innerhalb des Christentums eint alle der Glaube an Gott. Sie verbindet gemeinsame Schriften, Traditionen, Lebensweisen und Gebete. Ich danke allen Männern und Frauen des Glaubens für ihre offene Art.

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