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Cord Gebert Cord Gebert
aktualisiert am 24.05.2019 um 10:47:09

Rund um den Burgenlandkreis: Folge 17 - Zettweil

Als der Teufel in Kayna sein Unwesen trieb

In unserer Serie rund um den Burgenlandkreis entdecken wir heute gemeinsam den Ort Kayna.
Kayna (mh).
Ein Blitz zuckt am schwarzen Himmel, gefolgt von einem lauten Grollen. Der Regen drückt gegen die Fensterscheibe und der Wind zerrt an den Ästen der alten Eiche. Konzentriert blättert Volker Thurm durch die Seiten des Buches. Seine Hand legt sich auf das gelbe Papier, ein Finger fliegt über die Zeilen der braunen Schrift. Mit klaren Worten erzählt er: „Im Jahr 1626 hatte Herr von Ende von Kayna zu seiner Geburtstagsfeier zahlreiche Gäste aus der Stiftsritterschaft Naumburg eingeladen. Gegen Abend gab es einen Streit zwischen Herr von der Planitz aus Plauen und dem Ritter von Trautzschen aus Wittgendorf. Beide verließen stürmisch den Rittersaal und duellierten sich auf dem Schlosshof. Dabei wurde der Edle von Planitz niedergestochen. Drei Tage später erlag er seinen schweren Verletzungen. Zu dieser Zeit - während des 30-jährigen Krieges - herrschten Unsicherheiten auf den Straßen. Deshalb konnte der Tote nicht überführt werden und wurde auf dem Kaynaer Kirchhof begraben.“

Eigentlich donnerte und blitzte es beim Treffen mit Heimatfreund Volker Thurm nicht. Eigentlich schien die Sonne am blauen Himmel und rote Tulpen bewegten sich sanft im Wind. Doch die düstere Szenerie hätte besser zur grausamen Sage gepasst. Volker Thurm, der neben seiner Tätigkeit im Heimatverein „Barbarossa“ Kayna und Umgebung e.V. auch Würchwitzer Ortschronist ist, zeigt auf die Stelle in der Nähe vom Altar vor der Kaynaer Kirche, an der der Tote begraben liegen soll.

„Er riss ihm die Seele aus dem Leib.“
Wir laufen weiter in Richtung Schloss und Volker Thurm erzählt eine weitere Begebenheit aus dem 17. Jahrhundert: „Am Donnerstag nach Allerheiligen im Jahr 1602 war der Teufel auf dem Schloss und forderte den Schlossdiener zum Mitkommen auf. Dieser bat um 24 Stunden Bedenkzeit und erzählte seinem Freund von diesem Treffen. Am darauffolgenden Tag kam der Teufel in die Kammer, packte ihn, entriss ihm die Seele und warf ihn zum Hinterfenster raus. Dort lag er drei Tage im tiefen Schnee. Dann entdeckte ein Rabe den Toten. Ein Bote wurde zum Henker geschickt, der den Entseelten auf einer Kuhhaut durch das Dorf schliff und ihn bei Sonnenuntergang am Kaynaer Dorfteich verscharrte. „Im Königreich Sachsen war dies die einzige schriftliche Beschreibung über den Besuch eines Teufels“, erzählt Volker Thurm und die Luft knistert vor Spannung. „Der damalige Pfarrer hatte das Geschehen ins Kirchenbuch eingetragen.“ 400 Jahre später entdeckte der Heimatforscher, dass wenige Monate nach diesem Tod der Freund die Tochter der Käsemutter ehelichte, auf die beide Herren ein Auge geworfen hatten. Volker Thurm schmunzelt: „Da war mir der Tathergang sofort klar: der Mord wurde dem Teufel in die Schuhe geschoben.“

Wie Fliegenblut die Geschichte bewahrt
Volker Thurm studierte vier Semester Latein. Dadurch kann er die Texte in alten Kirchen- und Gerichtsakten lesen.Viele Begebenheiten und Sagen stehen so „braun auf gelb“. „Früher schrieben die Gelehrten aus Kostengründen mit einem Tintengemisch aus Fliegenblut und Wasser“, klärt Volker Thurm auf. Somit ist die Überlieferung vieler Geschichten unter anderen Generationen von Fliegen zu verdanken.
In der Kaynaer Heimatstube türmen sich viele Alltagsgegenstände aus Großmütterchens Zeiten und darüber hinaus. Stolz zeigt Volker Thurm das wertvollste Ausstellungsstück in der „Kaynastube“: die kopflose Maria aus weiß gebrannten Ton. Die Figur aus dem 15. Jahrhundert wurde in den 1930er Jahren vor der Turnhalle gefunden, dort wo heute das Ährenmal steht. Der kleine Ort ist gespickt mit belebten Geschichten und stillen Zeugen aus der Vergangenheit.

Leben in Kayna
Zurück in der Gegenwart schlendert Volker Thurm über den Marktplatz mit Blick auf den geschlossenen Einkaufsmarkt. Der Heimatfreund lebt dennoch gern in Kayna: „Wir haben einen Bäcker, zwei Fleischer, eine Post, eine Sparkasse, eine Apotheke, zwei Ärzte - wir dürfen nicht jammern. Dennoch ist man ohne Auto aufgeschmissen.“ Den „großen Einkauf“ müssen die rund 920 Einwohner in Zeitz und Meuselwitz erledigen. Dennoch möchte Volker Thurm nie weg: „Ich liebe die wunderbare Natur, die tolle Geschichte und die vielen Sagen.“ Zurzeit schreibt der Kaynaer seine elfte Broschüre, in der sich auch die 400. Sage befinden wird. Viele der Sagen wurden sich damals an langen Abenden erzählt und später von Schülern in Aufsätzen niedergeschrieben. So haben es die schaurig-schönen Geschichten bis in unsere Zeit geschafft.

Der Geschichtensammler
Neben Volker Thurm beschäftigte sich auch Hermann Heiner mit der Kaynaer Geschichte. Seit den 1960er Jahren sammelte er alles, was mit seinem Heimatort zu tun hatte. Im November vergangenen Jahres verstarb er 79-jährig.
Am Samstag, dem 27. April gibt es 15 Uhr im Rathaus Kayna eine kleine Vernissage anlässlich des 80. Geburtstages des ehemaligen Vorsitzenden, Heimatforschers und Museumsgründers Hermann Heiner. Zu sehen sind seine künstlerischen Werke ab 1962. „Sein Herz lebte für Kayna“, so Volker Thurm. „Er hat viel für die Museen im Ort getan. Seit Mitte der 1960er Jahre sammelte er alles, was er über Kayna und Umgebung finden konnte.“

Einblick in die Museen
Auch heute noch sind die Heimatstube, das Lapidarium im Barbarossa-Keller, das Schulmuseum, die Ausstellungen zur Landwirtschaft und zum Handwerk sowie das Feuerwehrmuseum für Besucher sehenswert. Die „Kaynastube“ ist jeden ersten und dritten Dienstag im Monat von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Die anderen Museen auf Voranmeldung bei Jens Bartczak, Vorsitzender des Heimatvereins, unter 034426/ 210950. Heimatfreund Volker Thurm bietet verschiedene Führungen an. Anmeldungen unter 034426/ 50073.

Warum der Ort Kayna heißt:
Kayna ist ein Ortsteil der Stadt Zeitz und wurde das erste Mal im Jahre 964 urkundlich erwähnt. Der Ort geht auf eine slawische Siedlung zurück; der Name bedeutet „Kiefernwald“.


 

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